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Berlin muss Katastrophenschutz deutlich stÀrken

Veröffentlicht: 06.07.2026 um 14:46 Uhr, dpa.de

Berlin ist nach EinschÀtzung einer unabhÀngigen Expertenkommission nach wie vor nicht ausreichend auf Krisen und Katastrophen vorbereitet.

Der mehrtĂ€gige Stromausfall Anfang des Jahres im SĂŒdwesten der Hauptstadt habe eine Reihe von Schwachstellen offengelegt, heißt es in dem Bericht, den die Kommission rund sechs Monate nach dem Blackout im Roten Rathaus vorgestellt hat.

Sie reichen von unzureichender Kommunikation mit der Bevölkerung ĂŒber MĂ€ngel bei der Notstromversorgung bis zum Zusammenbruch des Mobilfunknetzes in den betroffenen Stadtteilen. "Der Terroranschlag auf das Stromnetz im Januar 2026 war ein Weckruf fĂŒr Berlin und andere StĂ€dte", so die Kommission.

Bei dem grĂ¶ĂŸten Stromausfall in Berlin seit dem Zweiten Weltkrieg waren insgesamt rund 100.000 Menschen betroffen, viele mussten mitten im Winter komplett ohne Strom, Heizung und funktionierendes Handy auskommen. Grund fĂŒr den Blackout vom 3. bis 7. Januar war ein mutmaßlich linksextremistischer Brandanschlag auf eine KabelbrĂŒcke im Berliner Bezirk Steglitz-Zehlendorf.

Bedrohung durch Cyberangriffe, Sabotage oder Extremtemperaturen

"Dieser Stromausfall fĂŒhrte Berlin hart an die Belastungsgrenze", sagte Kommissionsmitglied und Ex-Brigadegeneral Uwe Nerger. KĂŒnftig werde es vermehrt von Menschen gesteuerte Katastrophen - wie durch AnschlĂ€ge - geben, warnte er. Das Risiko nehme in mehrfacher Hinsicht zu.

Der Vorstandsvorsitzende der CharitĂ©, Heyo Kroemer, wies darauf hin, dass zu den Bedrohungen fĂŒr Berlin auch Cyberangriffe und Sabotage gehörten - oder ein Klimagroßschadensfall durch extreme Hitze oder KĂ€lte.

Als Konsequenz regt die mit vier Experten besetzte Kommission an, ein Lage- und Krisenzentrum aufzubauen, das alle KrisenstĂ€be im Land und mit der Bundesebene verbinden soll. Außerdem empfiehlt sie, einen sogenannten Chief Resilience Officer (CRO) bei der Senatskanzlei auf StaatssekretĂ€rsebene zu etablieren.

Experten drĂ€ngen auf mehr Übungen fĂŒr den Krisenfall

Zur Vorbereitung auf KrisenfĂ€lle mahnte Kommissionsmitglied Albrecht Broemme außerdem deutlich mehr regelmĂ€ĂŸige Übungen an. Dabei mĂŒsse die Bevölkerung einbezogen werden, sagte der ehemalige Berliner Landesbrandmeister. "Es reicht nicht, dass Feuerwehr und Polizei funktionieren."

Als Ziel gab die Kommission aus, alle in einem Berliner Krisenfall betroffenen Akteure mĂŒssten bis spĂ€testens 2029 in der Lage zu sein, den Betrieb ihrer Kernfunktionen ĂŒber zehn Tage zu gewĂ€hrleisten.

Nach Überzeugung der Experten drĂ€ngt die Zeit: "Es wĂ€re gut, wenn wir morgen anfangen mit der Umsetzung", sagte die frĂŒhere Bahn-Managerin und ehemalige Vorstandsvorsitzende der Berliner Verkehrsbetriebe, Sigrid Nikutta.

Berlins Regierender BĂŒrgermeister Kai Wegner (CDU) rĂ€umte ein, Berlin mĂŒsse sich noch professioneller aufstellen. "Das kostet Geld. Wir werden in den nĂ€chsten Jahren im Haushalt umsteuern mĂŒssen", sagte er.

Berlin fordert mehr Geld vom Bund

Als Bundeshauptstadt habe Berlin eine besondere Bedrohungslage - nicht zuletzt als Sitz von Bundestag, Bundesrat und Kanzleramt. Wegner wies darauf hin, dass ein vergleichbarer Stromausfall auch Bundesbehörden treffen könne.

Der Bund mĂŒsse finanziell mit Blick auf den notwendigen Schutz entsprechender Infrastruktur kĂŒnftig noch mehr Verantwortung ĂŒbernehmen, forderte der CDU-Politiker.

Innensenatorin Iris Spranger (SPD) Ă€ußerte sich skeptisch zu dem Vorschlag, eine Stelle fĂŒr einen Chief Resilience Officer zu schaffen. "Da bin ich etwas anderer Meinung als die Expertenkommission." Einen zusĂ€tzlichen Beauftragten brauche es aus ihrer Sicht nicht - ein StaatssekretĂ€r mit entsprechenden Aufgaben in der Innenverwaltung wĂ€re fĂŒr sie die bessere Lösung.

Ein zentrales Lage- und Krisenzentrum ist aus ihrer Sicht aber ein vernĂŒnftiger Vorschlag. Und auch Spranger betonte, es sei notwendig, deutlich mehr Geld in den Katastrophenschutz zu investieren.

Die Kommission wurde Ende Januar von Wegner eingesetzt. Ihr Bericht mit dem sperrigen Titel "Resilienz in Berlin: Über die FunktionsfĂ€higkeit der kritischen Infrastruktur" analysiert auf rund 50 Seiten die Erfahrungen mit dem Stromausfall im Januar und schlĂ€gt Dutzende von Einzelmaßnahmen vor.

Sie reichen von besserem Schutz von sensiblen Daten zum Berliner Stromnetz, ĂŒber eine engere Zusammenarbeit der Berliner Kliniken mit Blick auf KrisenfĂ€lle und KatastrophenschutzleuchttĂŒrmen genannten Anlaufstellen in ganz Berlin, bis zu einem in KrisenfĂ€llen mindestens 72 Stunden funktionierendes Mobilfunknetz.

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