Bertelsmann beendet DeutschlandCard nach Edeka-Abgang
14.04.2026 - 06:01:56 | boerse-global.deDer Schritt folgt auf massive finanzielle Probleme und markiert das Ende eines langen Kampfes gegen die Marktführer.
Die Entscheidung, die am 13. April 2026 bekannt wurde, betrifft rund 90 Mitarbeiter der Münchner Tochtergesellschaft. Das Programm operierte seit längerem defizitär. Trotz des Versuchs, es zu einer Commerce-Media-Plattform umzubauen, konnte die notwendige Reichweite für eine langfristige Tragfähigkeit nicht erreicht werden. Die Abwicklung soll bis zum 30. November 2026 erfolgen.
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Edeka-Ausstieg als Todesstoß
Der entscheidende Rückschlag für die DeutschlandCard kam Anfang 2025: Der Lebensmittelriese Edeka wechselte seine Partnerschaft zum Konkurrenten Payback. Dieser Verlust des wichtigsten Ankerpartners führte zu einem massiven Einbruch bei Transaktionsvolumen und Nutzeraktivität. Andere Partner wie Aldi, Rewe oder dm konnten die Lücke nicht schließen.
Die Geschäftsführung von Bertelsmann Marketing Services nannte die negativen Marktentwicklungen als Grund für den unvermeidlichen Schritt. Das Programm habe keinen realistischen Weg mehr zur Profitabilität aufgezeigt. Verbleibende stationäre Partner, darunter die Tankstellenkette Esso, müssen sich nun auf die Marktabwicklung einstellen.
Loyalty-Markt im Umbruch
Die Schließung erfolgt in einer phase, in der der deutsche Online-Handel im ersten Quartal 2026 um 3,6 Prozent auf rund 20,4 Milliarden Euro wuchs. Während Lebensmittel und Online-Apotheken zweistellig zulegten, hat es der Loyalty-Markt schwer. Digitale Souveränitätsanforderungen und der wachsende Einfluss internationaler E-Commerce-Plattformen stellen die Branche vor Herausforderungen.
Der Ausstieg der DeutschlandCard hinterlässt ein noch konzentrierteres Feld. Der verbleibende Marktanteil dürfte fast vollständig an Payback fallen. Damit bündelt sich die Infrastruktur für Verbraucherdaten und Bonussysteme weiter in den Händen weniger dominanter Player.
Wirtschaftlicher Rahmen: Steuerentlastung und Digitalpflicht
Parallel zur Unternehmensentscheidung ringt die Bundesregierung mit wirtschaftspolitischen Maßnahmen. Die Koalition einigte sich am 13. April auf ein temporäres Entlastungspaket gegen hohe Energiekosten. Es sieht eine Absenkung der Energiesteuer auf Benzin und Diesel um etwa 17 Cent pro Liter für zwei Monate vor – eine Entlastung von insgesamt 1,6 Milliarden Euro.
Finanziert werden soll dies unter anderem durch eine Tabaksteuererhöhung 2026. Arbeitgeber können zudem einen steuerfreien Krisenbonus von bis zu 1.000 Euro auszahlen. Die Inflation lag im März 2026 bei 2,7 Prozent, angetrieben vor allem durch volatile Energiepreise. Allein am 13. April schnellte der Dieselpreis im Tagesverlauf um 12,5 Cent auf 2,385 Euro pro Liter.
Gleichzeitig schreitet die digitale Transformation im Geschäftsleben voran. Seit 1. Januar 2025 müssen alle Unternehmen in Deutschland elektronische Rechnungen empfangen können. Ab 1. Januar 2027 folgt die Ausgabepflicht für elektronische Rechnungen im B2B-Bereich für Firmen mit einem Jahresumsatz über 800.000 Euro.
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Ausblick: Konsolidierung und Reformen
Für die betroffenen Mitarbeiter in München beginnen nun die Verhandlungen über Sozialpläne. Bertelsmann betonte, die Transformation zu spezialisierten Commerce-Media-Diensten in anderen Divisionen fortzusetzen.
Verbraucher und Partner müssen bis zum Stichtag im November 2026 ihre Punkte einlösen. Die Konzentration im Markt schreitet voran, während auch die Politik die Weichen stellt: Eine für 2027 geplante Einkommensteuerreform könnte die Kaufkraft und das Einzelhandelsverhalten in den kommenden Jahren zusätzlich beeinflussen.
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