Boston Scientific Aktie: 29. Juli wird zur Bewährungsprobe
28.06.2026 - 02:34:27 | boerse-global.de
Die Zahlen sind vernichtend. Boston Scientific hat in zwölf Monaten mehr als die Hälfte seines Börsenwerts verloren. Am Freitag schloss die Aktie bei 39,05 Euro – gerade einmal 1,4 Prozent über dem 52-Wochen-Tief. Der RSI von 33,6 signalisiert: Der Abverkauf war brutal, aber eine echte Erholung ist nicht in Sicht.
Am 29. Juli legt der Medizintechnikkonzern seine Quartalszahlen vor. Es wird eine Bewährungsprobe. Denn die Probleme sind hausgemacht.
Gewinnwarnung aus April belastet
Das erste Quartal 2026 lief operativ solide: Der Umsatz stieg um 11,6 Prozent auf 5,2 Milliarden Dollar, der Gewinn pro Aktie lag mit 0,80 Dollar leicht über den Erwartungen. Doch das reichte nicht. Das Management senkte den Ausblick fürs Gesamtjahr – und löste damit den Kurssturz aus.
Der neue Umsatzkorridor von 7 bis 8,5 Prozent Wachstum liegt unter den ursprünglichen Prognosen. Zwei Produktbereiche bereiten Sorgen.
Die Watchman-Franchise, ein Gerät zum Verschluss des linken Vorhofohrs, verliert an Dynamik. Ärzte kombinieren den Eingriff immer häufiger mit anderen Herzbehandlungen – die eigenständigen Watchman-Prozeduren gehen zurück. Parallel dazu verliert Boston Scientific Marktanteile bei der gepulsten Feldablation (PFA). Dabei wächst der Markt insgesamt. Nur der Konzern profitiert zu wenig.
Wettbewerb wird aggressiver
Die Konkurrenz schläft nicht. Medtronic und Johnson & Johnson drängen mit eigenen PFA-Systemen in den Markt. Die Daten der jüngsten Jahreskonferenz der Heart Rhythm Society zeigen: Das Feld wird enger. Boston Scientifics FARAPULSE-System war der Einstieg – jetzt geht es um die industrielle Skalierung und die Optimierung der Behandlungsabläufe.
Genau hier liegt die Herausforderung. Nicht neue Zulassungen entscheiden über Erfolg oder Misserfolg, sondern die Fähigkeit, Ärzte und Kliniken von der eigenen Technologie zu überzeugen. Boston Scientific hat in diesem Wettlauf Boden verloren.
Am 29. Juli gibt das Management neue Details. Die Quartalszahlen werden zeigen, ob die Talsohle erreicht ist – oder ob weitere Abwärtsrisiken drohen. Bislang spricht wenig für eine schnelle Wende.
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