Weniger Förderung - Solarbranche von ReformplÀnen alarmiert
Veröffentlicht: 19.07.2026 um 09:05 Uhr, dpa.deVor allem die vorgesehene Streichung der Förderung fĂŒr neue kleine Solaranlagen ab 2027 könne Investitionen in Milliardenhöhe einbrechen lassen und bundesweit Zehntausende ArbeitsplĂ€tze in Mittelstand und Handwerk gefĂ€hrden, warnte der Bundesverband Solarwirtschaft (BSW).
Das Ministerium von Katherina Reiche (CDU) hatte am Freitagabend seine EntwĂŒrfe fĂŒr die Neufassung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) und das sogenannte Netzpaket öffentlich gemacht. Demnach ist fĂŒr die Betreiber von Solaranlagen bis 25 Kilowatt installierter Leistung, die ab 2027 errichtet werden, eine garantierte VergĂŒtung von nur noch maximal 36 Monaten vorgesehen.
Nach dieser Ăbergangsphase sollen sie auf eine Direktvermarktung umsteigen. Direktvermarktung heiĂt, dass der Strom ĂŒber einen Dienstleister an Strombörsen verkauft wird. Dabei schwanken die Preise, sie sind kaum kalkulierbar.
"Die PlĂ€ne sind gĂ€nzlich aus der Zeit gefallen. Sie halten Privathaushalte lĂ€nger in fossiler EnergieabhĂ€ngigkeit und gefĂ€hrden Zehntausende Jobs in der Solarbranche", sagte BSW-HauptgeschĂ€ftsfĂŒhrer Carsten Körnig. Ăhnlich reagierte der Bundesverband Erneuerbare Energie (BEE). "Statt verlĂ€sslicher Investitionsbedingungen schafft die Bundesregierung neue Unsicherheit", meinte BEE-PrĂ€sidentin Ursula Heinen-Esser.
Geringere EntschÀdigung bei Zwangsabschaltung von Anlagen
FĂŒr neue Solar- und Windkraftanlagen, die in Regionen errichtet werden, die bereits NetzengpĂ€sse haben, soll es kĂŒnftig verringerte Ausgleichszahlungen geben, wenn diese Anlagen zeitweise abgeschaltet werden mĂŒssen, um eine NetzĂŒberlastung zu verhindern. Auch das sieht der BSW kritisch: Damit wĂŒrden groĂe Teile Deutschlands zu Sperrzonen fĂŒr erneuerbare Energien.
Die Deutsche Umwelthilfe sieht als entscheidenden Fehler, dass die Bundesregierung die Folgen eines unzureichenden Netzausbaus auf diejenigen verlagere, die die Energiewende ĂŒberhaupt erst möglich machten. Die Vorgaben fĂŒr die Netzbetreiber blieben vielfach unverbindlich, wĂ€hrend Betreiber erneuerbarer Anlagen stĂ€rker in die Pflicht genommen wĂŒrden, stellte BundesgeschĂ€ftsfĂŒhrer Sascha MĂŒller-Kraenner fest.
Der Bundesverband Neue Energiewirtschaft (BNE) kritisierte, weiterhin gebe der langsamste Netzbetreiber das Tempo der Energiewende vor. "Ein modernes Industrieland braucht bundesweit schnelle, digitale und verlĂ€ssliche Anschlussprozesse", sagte BNE-GeschĂ€ftsfĂŒhrer Robert Busch.
Auch Kritik von GrĂŒnen und Linken
FĂŒr die Linke Ă€uĂerte sich die stellvertretende Fraktionschefin Janine Wissler: "Das Kernproblem bleibt, dass Katherina Reiche durch die Ănderungen am EEG erneuerbare Energien unwirtschaftlicher macht. Das ist fĂŒr Anbieter von erneuerbaren Energien eine Katastrophe."
Der GrĂŒnen-Wirtschaftspolitiker Michael Kellner sagte, das Netzpaket nehme zu einseitig RĂŒcksicht auf die Netzbetreiber. Ihnen blieben sechs Jahre Zeit zum Beseitigen von NetzengpĂ€ssen. "Hier wird der Ausbau vertrödelt. Sonnenstrom vom Dach wird mit dem Paket massiv beschrĂ€nkt. Das ist falsch. Wir könnten die Energie gut gebrauchen, auch und gerade fĂŒrs KĂŒhlen mit Klimaanlagen", fĂŒgte Kellner hinzu.
Reiche hĂ€lt an Ăkostrom-Ziel fest
Ăber das Erneuerbare-Energien-Gesetz wird seit dem Jahr 2000 der Ausbau von Ăkostrom in Deutschland gefördert. 2025 lag der Anteil von Wind, Sonne, Biomasse und Co. an der Stromerzeugung nach Angaben der Energiebranche bei 58 Prozent. 2030 sollen es 80 Prozent sein. An diesem Ziel hĂ€lt Reiche erklĂ€rtermaĂen fest. Mit der EEG-Reform will sie die Kosten der Förderung reduzieren.
Ihr Ministerium hatte schon im Januar einen ersten Entwurf erarbeitet, der bei Finanzminister Lars Klingbeil (SPD) und Umweltminister Carsten Schneider (ebenfalls SPD) auf Widerspruch stieĂ. BefĂŒrchtet wurde ein Ausbremsen der Energiewende.
