Broadcom Aktie: Cloud-Verbände fordern EU-Eingreifen
Veröffentlicht: 17.07.2026 um 19:26 Uhr, Redaktion boerse-global.de
Fünf europäische Cloud-Verbände greifen Broadcom frontal an. In einem gemeinsamen Brief an die EU-Wettbewerbshüter fordern sie sofortige Maßnahmen gegen die Geschäftspraktiken des Konzerns rund um die Virtualisierungsplattform VMware.
Der Vorwurf: Preise hoch, Zugang dicht
Der Brief trägt das Datum 10. Juli. Absender sind unter anderem die Cloud Infrastructure Services Providers in Europe (CISPE). Die Verbände werfen Broadcom vor, VMware-Kunden mit massiven Preiserhöhungen zu belasten und zahlreiche Anbieter vom Zugang zur Plattform auszuschließen.
Der Konflikt reicht zurück bis zur VMware-Übernahme. Broadcom hatte den Softwarehersteller im November 2023 für rund 61 Milliarden Dollar gekauft. Seither hat der Konzern das Ökosystem der VMware-Cloud-Partner umgebaut — genau diese Neuordnung steht jetzt im Zentrum der Beschwerde.
Die EU-Kommission hat den Brief nach eigenen Angaben erhalten. Sie hatte die Lizenzänderungen bei VMware bereits zuvor kritisch hinterfragt. Die Cloud-Verbände fordern nun konkret: vorläufige Maßnahmen sowie eine Übergangsfrist von mindestens drei Jahren, während die Behörde weiter ermittelt.
Broadcom weist die Vorwürfe zurück
Der Konzern kontert scharf. Nach eigener Darstellung wird CISPE von großen Cloud-Anbietern finanziert — den sogenannten Hyperscalern. Diese würden die Marktlage falsch darstellen, so Broadcom.
Das Unternehmen betont zudem, weiter in seine europäischen VMware-Cloud-Partner zu investieren. Ziel sei es, Alternativen zu den Hyperscalern zu bieten und auf die Bedürfnisse europäischer Firmen einzugehen.
Der Kurs spiegelt die Unsicherheit
Broadcom-Aktien kosten aktuell 325,75 Euro, ein Rückgang von 0,69 Prozent zum Vortag. Auf Wochensicht steht ein Minus von 7 Prozent, was den Abstand zum 52-Wochen-Hoch von 429,60 Euro auf gut 24 Prozent vergrößert. Der RSI von 44,3 signalisiert dabei keine überkaufte oder überverkaufte Lage, sondern eine neutrale Konsolidierung.
Trotz der jüngsten Schwäche bleibt das Jahresbild positiv: Seit Januar steht ein Plus von 9,44 Prozent, auf Zwölfmonatssicht sogar von fast 32 Prozent. Der Wettbewerbsstreit mit den Cloud-Anbietern hat den Kurs bislang nicht sichtbar belastet — er dürfte aber zum Belastungsfaktor werden, sollte die EU-Kommission tatsächlich vorläufige Maßnahmen verhängen.
Die Kommission hat sich zum weiteren Verfahren noch nicht öffentlich positioniert. Sollte sie den Forderungen der Cloud-Verbände nachkommen, müsste Broadcom seine Lizenzpraxis bei VMware innerhalb der geforderten Übergangsfrist grundlegend anpassen.
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