Merz fĂŒr KĂŒrzung des EU-Haushalts um mehrere 100 Milliarden Euro
Veröffentlicht am: 28.07.2026 um 15:43 Uhr | dpa.deBei dem Budgetentwurf mĂŒsse in allen Bereichen gekĂŒrzt werden, sagte Merz bei einem Treffen mit Irlands Premierminister MicheĂĄl Martin in Dublin. "Diese KĂŒrzungen sind zwingend, unabhĂ€ngig davon, wie weit wir bei den neuen Eigenmitteln kommen", so der Kanzler.
Der EU-Haushalt ist eines der politisch sensibelsten Themen in BrĂŒssel. Er wird fĂŒr sieben Jahre festgelegt, aktuell wird ĂŒber das Budget fĂŒr 2028 bis 2034 verhandelt. Finanziert wird der riesige Topf ĂŒberwiegend aus einem Anteil des Bruttonationaleinkommens (BNE) der Mitgliedstaaten. Als gröĂte Volkswirtschaft der EU zahlt Deutschland den mit Abstand gröĂten Beitrag.
Merz nennt Kommissionsvorschlag "unausgewogen"
Die EuropĂ€ische Kommission schlĂ€gt inflationsbereinigt (zu Preisen von 2025) rund 1,76 Billionen Euro vor, die fĂŒr verschiedene EU-Vorhaben genutzt werden sollen - etwa Verteidigungsbeschaffung, Agrarpolitik, Strukturförderung oder das Austauschprogramm Erasmus. Den Kommissionsvorschlag sowie einen derzeit auf dem Tisch liegenden Kompromissvorschlag mit nur geringen KĂŒrzungen wies Merz vehement zurĂŒck. "Eine so weite und groĂe Ausdehnung des europĂ€ischen Budgets ist fĂŒr uns nicht tragbar. Die Zahlen sind nicht ausgewogen."
Seit Juli hat Irland den rotierenden Vorsitz der EU-Staaten inne und ist damit dafĂŒr zustĂ€ndig, die Haushaltsverhandlungen voranzutreiben. Es wird erwartet, dass Irland im Oktober einen neuen Kompromissvorschlag prĂ€sentiert. "Ich vertraue darauf, dass ihr, lieber MicheĂĄl, einen realistischen Vorschlag vorlegen werdet", sagte Merz an Irlands Regierungschef gewandt.
Kompromiss soll bis Ende des Jahres gefunden werden
Ziel ist es derzeit, bis Ende des Jahres zu einem Kompromiss zu kommen und somit auch vor der PrĂ€sidentschaftswahl in Frankreich. Eine VerstĂ€ndigung ĂŒber den Umfang des neuen Gemeinschaftsbudgets unter den EU-Staaten bis Ende des Jahres gilt allerdings als Ă€uĂerst ambitioniert, da die Vorstellungen der 27 Mitgliedstaaten sehr weit auseinanderliegen.
Neben Deutschland sprechen sich auch weitere LĂ€nder, die unter dem Strich mehr einzahlen als sie herausbekommen, fĂŒr einen kleineren Haushalt aus. Dazu zĂ€hlen etwa die Niederlande, Schweden und DĂ€nemark. Sogenannte NettoempfĂ€ngerstaaten wollen den bestehenden Vorschlag nicht weiter kĂŒrzen. Der Haushalt, der offiziell MehrjĂ€hriger Finanzrahmen (MFR) heiĂt, muss einstimmig beschlossen werden.
Daneben tragen sogenannte Eigenmittel als Einnahmequelle bei, die direkt nach BrĂŒssel flieĂen - etwa Zölle auf Einfuhren aus dem auĂereuropĂ€ischen Ausland. Ob es neue Eigenmittel geben soll und, wenn ja, wie sie aussehen wollen, ist auch Teil der Debatte unter den EU-Staaten. Die Kommission schlĂ€gt unter anderem eine Abgabe fĂŒr groĂe Unternehmen mit einem Jahresumsatz von mehr als 100 Millionen Euro vor.
