ChatGPT: EU prüft schärfere Regeln für KI-Riese
12.04.2026 - 19:19:31 | boerse-global.deDie EU-Kommission stellt Weichen für eine strenge Regulierung von OpenAI. Der Grund: ChatGPT hat in Europa eine Nutzerschwelle überschritten, die eine Einstufung als besonders große Plattform oder Suchmaschine erzwingt. Das hätte massive Folgen.
Nutzerboom löst Prüfung aus
Auslöser sind Nutzerzahlen, die OpenAI selbst veröffentlicht hat. Demnach hatte der KI-Chatbot in der EU im zweiten Halbjahr 2025 durchschnittlich 120,4 Millionen aktive Nutzer pro Monat. Diese Zahl liegt fast dreimal so hoch wie die gesetzliche Schwelle von 45 Millionen Nutzern. Sie ist der Auslöser für die aktuelle Prüfung durch die Brüsseler Behörden.
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Der Digital Services Act (DSA) sieht für solche "Very Large Online Platforms" (VLOPs) oder "Very Large Online Search Engines" (VLOSEs) deutlich schärfere Pflichten vor. Ein Sprecher der Kommission bestätigte am 10. April, dass die Einstufung von ChatGPT nun geprüft wird. Eine Entscheidung wird in den kommenden Tagen erwartet.
Die Gretchenfrage: Suchmaschine oder Plattform?
Die größte Herausforderung für die Behörden ist die Einordnung des Dienstes. Ist ChatGPT eine Suchmaschine, weil er mit seiner "Search"-Funktion das Internet durchforstet? Oder ist er eine Plattform, da Nutzer über "Custom GPTs" eigene KI-Agenten erstellen und teilen können?
Diese hybride Natur macht die Regulierung kompliziert. Bislang gelten nur eine Handvoll Dienste wie Google Search oder Bing als besonders große Suchmaschinen. Die Einstufung von ChatGPT wäre ein Präzedenzfall und würde den Geltungsbereich des DSA massiv in den Bereich der generativen KI ausweiten. Experten rechnen mit einer Klassifizierung, die beide Funktionen berücksichtigt.
Was eine Einstufung für OpenAI bedeutet
Fällt die Entscheidung gegen OpenAI, tritt eine viermonatige Übergangsfrist in Kraft. In dieser Zeit müsste das Unternehmen ChatGPT an die strengsten Vorgaben des DSA anpassen. Die Pflichten wären weitaus umfangreicher als für kleinere digitale Dienste.
Konkret müsste OpenAI:
* Jährliche Risikobewertungen durchführen, etwa zur Verbreitung von Desinformation oder "Deepfakes".
* Externe, unabhängige Audits seiner Systeme zulassen.
* Transparenz schaffen und Regulierern Einblick in Algorithmen gewähren.
* Wirksame Moderationstools und ein Werbe-Transparenzregister einrichten.
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Bei Verstößen drohen empfindliche Strafen von bis zu sechs Prozent des weltweiten Jahresumsatzes. Für ein schnell wachsendes Unternehmen wie OpenAI bedeutete dies erhebliche zusätzliche Compliance-Kosten.
KI-Regulierung wird zur globalen Realität
Der Schritt der EU-Kommission ist kein Einzelfall. Bereits im Mai 2024 hatte eine Taskforce der europäischen Datenschutzbehörden Bedenken hinsichtlich der Rechtmäßigkeit von ChatGPT geäußert. Parallel dazu steht OpenAI auch in den USA unter Druck: Das Justizministerium von Florida kündigte erst am 9. April eine Untersuchung der Geschäftspraktiken des Unternehmens an.
Gleichzeitig treibt OpenAI seine Kommerzialisierung voran. Nur einen Tag vor der Bekanntgabe aus Brüssel stellte das Unternehmen ein neues Abo-Modell für professionelle Nutzer vor. Die Zeit des reinen Forschungsbetriebs ist endgültig vorbei – die Zeit der regulatorischen Verantwortung hat begonnen.
Die anstehende Entscheidung aus Brüssel wird zum Lackmustest: Kann das Flaggschiff der EU-Digitalgesetze mit Technologien Schritt halten, die in keine traditionelle Schublade passen? Die Antwort wird den Weg für alle großen KI-Entwickler wie Anthropic oder Google ebnen.
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