Chevron Aktie: Bagdad wirbt um den Ölriesen
Veröffentlicht: 14.07.2026 um 03:00 Uhr, Redaktion boerse-global.de
Ein neuer irakischer Premierminister, ein Besuch im Weißen Haus, ein Milliardenfeld im Süden des Landes — und mittendrin Chevron. Was sich diese Woche in Washington anbahnt, könnte den US-Konzern zum zentralen Partner einer irakischen Energiewende machen, die Bagdad dringend braucht.
Premierminister Ali al-Zaidi reist bis zum 18. Juli in die USA und will laut eigener Ankündigung amerikanische Firmen in Öl, Gas und Stromversorgung bevorzugt behandeln. Sein Kabinett hat die staatliche Basra Oil Company bereits angewiesen, US-Energiefirmen von bestimmten regulatorischen Hürden bei Vorabvereinbarungen zu befreien. Im Zentrum der Gespräche steht das Ölfeld West Qurna-2 — eines der produktivsten Vorkommen des Landes, das Chevron übernehmen könnte, nachdem Bagdad den russischen Betreiber Lukoil dort ablösen will.
Geopolitik als Kurstreiber
Die Nähe zum Nahost-Konflikt zahlt sich für Chevron derzeit doppelt aus. Bank of America bekräftigte ihre Kaufempfehlung und nennt ein Kursziel von 210 US-Dollar, sollte sich die Lage um die Straße von Hormus erneut zuspitzen und die Meerenge blockiert werden. Die Aktie legte seit Jahresbeginn bereits deutlich zu und lag zuletzt über 18 Prozent im Plus. An den frühen Handelsreaktionen am Dienstag zeigte sich das Muster erneut: Das Papier zog spürbar an, während Wettbewerber wie ExxonMobil ähnlich profitierten.
Auch bei Goldman Sachs taucht Chevron auf der Liste der zehn bevorzugten Energiewerte auf, wenngleich der Favoritenplatz dort an Devon Energy geht. Die Bank sieht im Sektor durchschnittlich rund 26 Prozent Kurspotenzial, verteilt auf Themen von Fusionsfantasie bis zum Strombedarf durch Rechenzentren.
Ein Testfall für die neue Nähe
Die irakische Führung argumentiert offen, dass die Zusammenarbeit mit Chevron und weiteren US-Konzernen wie ExxonMobil und HKN Energy signalisieren soll: Das Land ist nach Jahren von Sicherheitsbedenken und bürokratischen Hürden wieder investierbar. Iraqische Beamte verweisen zudem auf verstärkte Sicherheitsmaßnahmen an Ölanlagen seit dem jüngsten Iran-Konflikt.
Für Chevron wäre eine Übernahme der Betriebsführung bei West Qurna-2 ein strategischer Fußabdruck in einem der ölreichsten Länder der Welt — auch wenn die OPEC+-Förderquoten dem Irak enge Grenzen setzen. Zaidis Treffen mit US-Präsident Donald Trump in dieser Woche dürfte zeigen, wie konkret die Gespräche mit Chevron inzwischen fortgeschritten sind.
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