Chinas Wirtschaft wÀchst trotz Konflikten stÀrker
16.04.2026 - 06:15:05 | dpa.deIn den ersten drei Monaten legte das Bruttoinlandsprodukt (BIP) nach vorlÀufigen Daten um 5,0 Prozent im Vergleich zum selben Vorjahreszeitraum zu, wie die Statistikbehörde in Peking mitteilte.
Analysten hatten zuvor ein geringeres Wachstum von bis zu 4,8 Prozent prognostiziert. Die zweitgröĂte Volkswirtschaft der Welt hatte im vierten Quartal 2025 lediglich einen BIP-Anstieg von 4,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr verbucht. Dies war das schwĂ€chste Quartalswachstum seit Ende des Corona-Lockdowns drei Jahre zuvor.
China plagen seit lĂ€ngerem Wirtschaftsprobleme wie eine schwache Nachfrage gepaart mit einem Ăberangebot in vielen Branchen. Peking will den Konsum in China fördern, um damit zum Wirtschaftswachstum beizutragen. Doch Konflikte wie der Iran-Krieg und steigende Kosten etwa durch höhere Ălpreise sorgen fĂŒr Unsicherheit.
Peking begrĂŒndete das Wachstum mit der jĂŒngsten Wirtschaftspolitik. Die Beziehung zwischen hohem Angebot und schwacher Nachfrage sei verbessert worden, sagte der Vize-Kommissar des Statistikamtes, Mao Shengyong. Mögliche Auswirkungen durch die Lage im Ausland mĂŒsse man abwarten. Durch sein Industriesystem und die Energieinfrastruktur könne Chinas Wirtschaft mit solchen Risiken umgehen, erklĂ€rte Mao.
Neue Sorgen durch problematisches Gesetz
AuslĂ€ndische Unternehmen in China klagen ĂŒber die erschwerten Wettbewerbsbedingungen. Sorgen bereitet zudem eine neue Regelung zur "Lieferkettensicherheit". Darin droht Peking etwa in vagen Formulierungen mit Untersuchungen gegen auslĂ€ndische Organisationen oder Personen, sollten diese "gewöhnliche GeschĂ€fte" mit chinesischen Organisationen oder BĂŒrgern unterbrechen.
Laut der ChefreprĂ€sentantin des Bundesverbandes der Deutschen Industrie in China, Elisa Hörhager, stĂ€rkt China mit den neuen Regeln die Grundlage, um gegen auslĂ€ndische Unternehmen vorzugehen, die die Exportkontrollen anderer Staaten befolgen. "FĂŒr die deutsche Industrie ist das hochproblematisch, weil Unternehmen dadurch zwischen konkurrierende Rechts- und Sanktionsregime geraten könnten", sagte sie.
Chinas Handelspartner Ă€rgert Ăberschuss
Als problematisch gelten seit langem auch die extremen PreiskĂ€mpfe, die Margen vieler Firmen schwinden lassen. Einige Unternehmen suchen einen Ausweg, indem sie neue AbsatzmĂ€rkte im Ausland erschlieĂen. Chinas enormer HandelsĂŒberschuss stöĂt bei seinen Wirtschaftspartnern jedoch schon lange auf Kritik.
ING-Analyst Lynn Song verwies vorab auf die Auslandsnachfrage als einer der wichtigsten Wachstumsmotoren, da zu Jahresbeginn starke Exporte verzeichnet wurden, wÀhrend die Binnennachfrage in den ersten beiden Monaten noch relativ schwach war.
Peking setzt geringeres Wachstumsziel an
Auch Peking stellt sich auf eine langsamere Konjunktur ein. Im MĂ€rz schrieb sich die Kommunistische Partei ein Wachstumsziel zwischen 4,5 und 5 Prozent in ihren Arbeitsplan - so niedrig wie seit Jahrzehnten nicht.
Ob Peking damals den Ende Februar ausgebrochenen Krieg der USA und Israels gegen Chinas Wirtschaftspartner Iran eingepreist hatte, ist fraglich. Als wichtigster Importeur iranischen Ăls beobachtet China die Lage in der StraĂe von Hormus genau und gilt gegenĂŒber Teheran als einflussreich.
Wie sich der Krieg in Nahost auf China auswirkt
Bislang konnte China laut Experten zwar auf seine ĂŒppigen Ăl-Reserven bauen. "Als weltweit gröĂter Ălimporteur fĂŒhren höhere Ălpreise zu teureren Importen und könnten den HandelsĂŒberschuss schmĂ€lern", sagte Song. Chinas MĂ€rz-Statistiken hĂ€tten bereits deutliche Auswirkungen auf die Inflation gezeigt, erklĂ€rte er.
Perspektivisch könnte der Krieg auch die Exporte und damit einen wichtigen Antreiber des chinesischen Konjunkturmotors bremsen. Der Iran-Krieg werde sich in erster Linie durch weltweit steigende Preise und eine mögliche EinschrĂ€nkung der Gesamtnachfrage nach chinesischen Exporten auĂerhalb Chinas auswirken, sagte Alex Brown, Analyst am Berliner Institut fĂŒr China-Forschung Merics.
Im MĂ€rz hatte Chinas Zoll ein deutlich verlangsamtes Exportwachstum von nur noch 2,5 Prozent verzeichnet. Dies lasse sich zum Teil mit Basiseffekten erklĂ€ren, sagte Brown. Aber es könnte ihm zufolge auch ein erstes Anzeichen dafĂŒr sein, dass sich die Verbraucher weltweit aufgrund hoher Preise fĂŒr Kraftstoff und andere GĂŒter von chinesischen Exporten abwenden. Bei Elektronik oder grĂŒner Technologie aus China dĂŒrfte die Nachfrage jedoch wegen Kostenvorteilen hoch bleiben.
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