Coinbase Aktie: Gekappte Prognosen, steigender Kurs
Veröffentlicht am: 16.07.2026 um 04:22 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Normalerweise drĂŒckt es den Kurs, wenn eine Bank ihre GewinnschĂ€tzungen krĂ€ftig zusammenstreicht. Bei Coinbase passierte am Mittwoch das Gegenteil. Die Aktie legte trotz massiv gesenkter Prognosen um rund drei bis vier Prozent zu â ein Muster, das nur Sinn ergibt, wenn der Markt den Boden bereits eingepreist hat.
Auslöser war eine Studie von William Blair. Die Investmentbank kappte ihre UmsatzschĂ€tzung fĂŒr Coinbase 2026 um 12 Prozent, fĂŒr 2027 um 13 Prozent. Noch deutlicher fiel der Schnitt beim bereinigten EBITDA aus: minus 34 Prozent in beiden Jahren. Trotzdem belieĂ das Haus sein "Outperform"-Rating unverĂ€ndert und begrĂŒndete das mit der Erwartung, dass der Gewinn in der zweiten JahreshĂ€lfte 2026 seinen Tiefpunkt erreicht, bevor 2027 die Erholung einsetzt.
Das Handelsvolumen von Coinbase soll laut William Blair 2026 um etwa 44 Prozent auf 669 Milliarden Dollar einbrechen, um 2027 dann um mehr als 32 Prozent zuzulegen. Als strukturellen Unterschied zum Krypto-Winter 2022 nennt die Bank die inzwischen etablierten Spot-Bitcoin-ETFs, gewachsene institutionelle KapitalflĂŒsse und ein gereiftes regulatorisches Umfeld. Als zusĂ€tzlichen Wachstumstreiber sieht William Blair das Layer-2-Netzwerk Base sowie Prediction Markets und Derivate im Retail-GeschĂ€ft â allein die annualisierten Erlöse aus Retail-Derivaten ĂŒberschritten im ersten Quartal 200 Millionen Dollar.
Nicht jeder teilt den Optimismus in vollem Umfang. Piper-Sandler-Analyst Patrick Moley senkte sein Kursziel von 170 auf 155 Dollar und belieĂ es bei "Neutral". Er verweist auf den wachsenden Wettbewerbsdruck durch Perpetual Futures und warnt vor verstĂ€rkter Investorenaufmerksamkeit fĂŒr dieses Segment im dritten Quartal. Die Aktie notiert nach den jĂŒngsten Bewegungen rund 30 Prozent unter ihrem Jahresstartniveau, Bitcoin selbst liegt etwa 26 Prozent im Minus.
RĂŒckzug an der Basis
Parallel zur Analystendebatte gibt es einen FĂŒhrungswechsel bei Base, Coinbases Ethereum-Layer-2-Netzwerk. Base-GrĂŒnder Jesse Pollak zieht sich von der Leitung der Base App zurĂŒck und ĂŒbergibt die Verantwortung zurĂŒck an Coinbase. Sein Fokus soll kĂŒnftig der Blockchain-Infrastruktur selbst gelten.
Pollak rĂ€umte öffentlich ein, mit seiner Strategie rund um On-Chain-Social-Funktionen und Creator Coins danebengelegen zu haben â das entsprechende Marktsegment sei in den vergangenen Monaten praktisch zusammengebrochen. Stattdessen hĂ€tten sich Prediction Markets, Perpetuals und Stablecoins als eigentliche Wachstumstreiber erwiesen. Die FĂŒhrung der Base App ĂŒbernimmt kĂŒnftig Jordan Fish, bekannt als "Cobie".
Am 30. Juli 2026 nach Börsenschluss veröffentlicht Coinbase seine Zahlen zum zweiten Quartal, begleitet von einer Fragerunde auf X am selben Tag. Dann zeigt sich, ob die von William Blair erwartete Talsohle bereits erreicht ist oder ob die Perpetual-Futures-Konkurrenz, vor der Piper Sandler warnt, das GeschÀft stÀrker belastet als gedacht.
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