Commerzbank bestÀtigt Prognose - Aktie verliert trotzdem krÀftig
Veröffentlicht am: 07.08.2024 um 17:13 Uhr | dpa, AD HOC NEWS(neu: Weitere Details, Aktienkurs)
FRANKFURT (dpa-AFX) - Die Commerzbank DE000CBK1001 sieht sich trotz eines nachlassenden RĂŒckenwinds von der Zinsseite auf Kurs zu einem höheren Ergebnis im laufenden Jahr. Das Ergebnis soll 2024 den Vorjahreswert "deutlich" ĂŒbertreffen, wie es im am Mittwoch veröffentlichten Zwischenbericht der Bank heiĂt. 2023 hatte das Institut dank der gestiegenen Zinsen und der damit deutlich höheren Einnahmen im GeschĂ€ft mit Einlagen und Krediten 2,2 Milliarden Euro verdient und damit so viel wie noch nie.
Konzernchef Manfred Knof sieht die seit der Finanzkrise teilverstaatlichte Bank zudem finanziell gut aufgestellt. Deshalb traut er dem Institut den weiteren RĂŒckkauf von eigenen Aktien zu. Sorgen bereitet den Anlegern die Risikovorsorge. Die in diesem Jahr gut gelaufene Aktie gab deutlich nach.
"Unser KundengeschĂ€ft entwickelt sich weiter positiv. Das erste Halbjahr war unser bestes seit 15 Jahren. Unternehmen haben vermehrt Kredite fĂŒr Investitionen nachgefragt und Privatkunden waren bei Wertpapieren aktiver", sagte Konzernchef Knof. Dank des gut laufenden KerngeschĂ€fts könne die Commerzbank weiterhin die Sonderbelastungen wie die Kosten fĂŒr Rechtsstreitigkeiten bei der polnischen Tochter mBank PLBRE0000012 und in Russland ausgleichen.
Die komfortable Kernkapitalquote bestĂ€rkt die Bank den Worten der Finanzchefin Bettina Orlopp zufolge in ihrem Vorhaben, stetig mehr Kapital an die AktionĂ€re zurĂŒckzugeben. "Deshalb haben wir die erste Tranche unseres dritten AktienrĂŒckkaufs in Höhe von 600 Millionen Euro bei der EZB und der Finanzagentur beantragt", sagte sie. Investoren hatten diesen Schritt erwartet.
Auch die bestĂ€tigte Prognose und die Zahlen fĂŒr das zweite Quartal lieferten keine positiven Ăberraschungen - im Gegenteil. So richtete zum Beispiel JPMorgan-Analyst Kian Abouhossein in einer ersten EinschĂ€tzung den Fokus auf die Risikovorsorge. Diese sei im zweiten Quartal höher ausgefallen als zum Jahresstart und auch höher als von ihm erwartet.
An der Börse sackte die Aktie deutlich ab. Der Kurs fiel im frĂŒhen Handel um bis zu sechs Prozent auf 12,375 Euro und damit auf den tiefsten Stand seit MĂ€rz. Zuletzt konnte die Aktie das Minus auf rund vier Prozent reduzieren, war damit aber am Nachmittag der gröĂte Verlierer in einem anziehenden Dax DE0008469008.
Auf Jahressicht sieht dies allerdings anders aus: Mit den jĂŒngsten Verlusten reduzierte die Aktie ihr bisheriges Jahresplus zwar auf 18 Prozent, liegt damit aber immer noch im Spitzenfeld des deutschen Leitindex. Dank der Zinswende und den so sprudelnden Gewinnen ist die Aktie in den vergangenen Jahren ohnehin einer der stĂ€rksten Titel unter den deutschen Standardwerten. Seit Ende 2021 zog der Kurs um fast 90 Prozent an - mehr hat im Leitindex nur der RĂŒstungskonzern Rheinmetall DE0007030009 geschafft.
Wegen des wieder deutlich gestiegenen Börsenwerts ist die Bank seit Februar 2023 zurĂŒck im erweiterten Dax, nachdem sie 2018 aus der ersten deutschen Börsenliga abgestiegen war. Derzeit wird das Unternehmen, an dem der Staat weiter knapp 16 Prozent hĂ€lt, mit rund 15 Milliarden Euro bewertet.
Im zweiten Quartal fiel der Gewinn unter dem Strich um fĂŒnf Prozent auf 538 Millionen Euro. Experten hatten mit einem RĂŒckgang in dieser GröĂenordnung gerechnet. Da die Bank im Vorquartal allerdings deutlich mehr verdient hatte, zog der Gewinn im ersten Halbjahr noch prozentual zweistellig an.
Im zweiten Quartal bekam die Bank den nachlassenden Zinseffekt zu spĂŒren. Da diese nicht weiter gestiegen sind und inzwischen auch ein höherer Anteil der höheren Zinsen an Kunden weitergegeben werden muss, war der ZinsĂŒberschuss im zweiten Quartal leicht auf 2,1 Milliarden Euro gesunken. Der ProvisionsĂŒberschuss legte dagegen um rund 5 Prozent auf 879 Millionen Euro zu.
Die Risikovorsorge konnte die Bank trotz des weiterhin herausfordernden wirtschaftlichen Umfeldes im Vergleich zum Vorjahresabschnitt stabil bei rund 200 Millionen Euro halten. Im ersten Quartal hatte die Risikovorsorge aber noch deutlich unter der Marke von 100 Millionen gelegen. Die Bank reduzierte zudem den Puffer fĂŒr Risiken aus GroĂereignissen (Top-Level-Adjustments) in den vergangenen drei Monaten um 87 auf 336 Millionen Euro.
Damit steht der Bank weniger fĂŒr die erwarteten SekundĂ€reffekte aus geopolitischen Krisen und Unsicherheiten aufgrund der Inflation sowie der Auswirkungen der restriktiveren Geldpolitik zur VerfĂŒgung. Knof und Orlopp versuchten, die Investoren zu beruhigen. "Als einer der gröĂten Kreditgeber Deutschlands mĂŒssen wir achtsam sein. Die QualitĂ€t des Kreditbuches ist weiterhin hoch", sagte Knof. Die Risikovorsorge im zweiten Quartal sei zum groĂen Teil auf vier groĂe FĂ€lle zurĂŒckzufĂŒhren.
Orlopp bestĂ€tigte zudem das Ziel, diese im laufenden Jahr unter der Marke von 800 Millionen Euro halten zu wollen. 2023 hatte die Commerzbank etwas mehr als 600 Millionen Euro fĂŒr KreditausfĂ€lle zur Seite gelegt. Dabei könnte es aber auch sein, dass wie in den ersten beiden Vierteljahresabschnitten weitere Teile des Puffers aufgelöst werden.
Weitere Belastungen musste die Commerzbank in den ersten drei Monaten bei ihrer polnischen Tochter mBank verkraften: FĂŒr Rechtsrisiken im Zusammenhang mit FremdwĂ€hrungskrediten wurde dort weitere Vorsorge in Höhe von 240 Millionen Euro gebildet. Dazu kommen noch Aufwendungen von 60 Millionen Euro fĂŒr ausgesetzte Kreditzahlungen.
Seit Jahren machen Probleme in Polen der Commerzbank zu schaffen. Hauptgrund sind Schweizer-Franken-Kredite, die etliche Polen fĂŒr die Baufinanzierung aufgenommen hatten. Als der polnische Zloty gegenĂŒber dem Franken an Wert verlor, stiegen die Belastungen fĂŒr die Kreditnehmer. Viele klagten daraufhin wegen möglicherweise unrechtmĂ€Ăiger Klauseln gegen polnische GeldhĂ€user.
Ăber auĂergerichtliche Einigungen versucht die Commerzbank, Rechtsrisiken in diesem Bereich zu mindern. Die Zahl der abgeschlossenen Vergleiche stieg im zweiten Quartal um etwas mehr als 1.000 auf circa 17.000. Dazu wurden fast 6.000 FĂ€lle vor Gericht geklĂ€rt. Aktuell gibt es noch etwas mehr als 23.000 Kredite der mBank in Franken.
Abseits der Rechtsstreitigkeiten lĂ€uft es bei der mBank gut. Der um Sondereffekte bereinigte operative Gewinn legte im zweiten Quartal um fast 40 Prozent auf 447 Millionen Euro zu. Im Firmen- und PrivatkundengeschĂ€ft stieg das operative Ergebnis nicht so deutlich. So zog es in der Privatkundensparte um vier Prozent auf 311 Millionen Euro an. Im GeschĂ€ft mit Firmenkunden legte es um etwas mehr als ein FĂŒnftel auf 551 Millionen Euro zu. Konzernweit ging das operative Ergebnis wegen der Sonderbelastungen zurĂŒck.
