Merck hebt nach unerwartet starkem Start Jahresziele an - Dax-Spitze
13.05.2026 - 12:37:07 | dpa.de(neu: Aussagen aus Pressekonferenz, Kurs, Analyst)
DARMSTADT (dpa-AFX) - Der Merck-Konzern DE0006599905 hat zum Jahresstart starken negativen Wechselkurseffekten und UmsatzrĂŒckgĂ€ngen bei wichtigen Medikamenten getrotzt. Operativ verdiente das Dax DE0008469008-Unternehmen mehr als gedacht, und der Anfang Mai angetretene Vorstandschef Kai Beckmann hob deshalb die Prognose fĂŒr 2026 an. Zugleich hĂ€lt er an den noch von seiner VorgĂ€ngerin Belen Garijo verabschiedeten Mittelfristzielen fest. Dabei gab Beckmann am Mittwoch einen ersten Einblick, wie es bei Merck strategisch weitergehen soll. An der Börse kamen die Nachrichten gut an.
"Da sich MĂ€rkte, Technologien und KundenbedĂŒrfnisse weiterentwickeln, werden wir das Betriebsmodell von Merck anpassen", kĂŒndigte Beckmann an. Dabei gehe es nicht um eine grundlegende Neuordnung der drei Unternehmensbereiche, erlĂ€uterte er. Vielmehr werde der Konzern kĂŒnftig einen stĂ€rkeren Fokus auf Wachstumsfelder mit "hoher Wertschöpfung" legen und Kompetenzen stĂ€rker spartenĂŒbergreifend nutzen. "Wir werden dort auf Geschwindigkeit und Skalierbarkeit optimieren, wo es entscheidend ist."
Merck sei dank seines breiten Portfolios "einzigartig" aufgestellt, um von Megatrends zu profitieren, ergĂ€nzte Beckmann. Dabei unterstrich er auch die hohe Bedeutung von KĂŒnstlicher Intelligenz (KI). Konkret setzt der Konzern auf mehr Komplettangebote aus Materialien, Software, Instrumenten und Dienstleistungen statt einzelner Produkte. Auch Ăbernahmen blieben ein zentraler Hebel fĂŒr kĂŒnftiges Wachstum, sagte Beckmann.
Gegen Mittag lagen die Merck-Papiere mit einem Plus von rund acht Prozent bei rund 122 Euro an der Dax-Spitze. Damit erreichten sie den höchsten Stand seit dem Kurseinbruch Anfang MĂ€rz und machten den RĂŒckgang seit Jahresbeginn fast wett. Experte Richard Vosser von JPMorgan sprach von einem starken Quartal und lobte die Prognoseanhebung. Die Gewinnerwartungen dĂŒrften nun steigen. Charles Pitman-King von Barclays hĂ€lt den neuen Ausblick dagegen weiterhin fĂŒr konservativ.
Das Management erwartet nun fĂŒr 2026 einen Umsatz von 20,4 bis 21,4 Milliarden Euro nach 21,1 Milliarden im Vorjahr. Dabei rechnet Merck mit etwas weniger Gegenwind durch Wechselkurse als bisher. Die Belastungen dĂŒrften im Jahresverlauf nachlassen, sagte Finanzchefin Helene von Roeder. Das bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) soll 2026 bei 5,7 bis 6,1 Milliarden Euro liegen und damit im besten Fall das Vorjahresniveau erreichen. Bisher hatte Merck 5,5 bis 6,0 Milliarden in Aussicht gestellt.
Die zunehmende Zuversicht begrĂŒndete der Vorstand unter anderem mit der wieder anziehenden Dynamik im LaborgeschĂ€ft. Die Sparte bietet Kunden Produkte und Dienstleistungen rund um Entwicklung und Produktion von Medikamenten. Nach dem Corona-Boom hatte der Bereich lĂ€ngere Zeit unter schwĂ€cherer Nachfrage gelitten, inzwischen ziehen die GeschĂ€fte aber wieder an.
Zudem geht Merck nun erst ab Mai statt bereits ab MĂ€rz davon aus, in den USA keine UmsĂ€tze mehr mit dem Multiple-Sklerose-Medikament Mavenclad zu erzielen. Nach dem Patentablauf wĂ€chst dort die Konkurrenz durch gĂŒnstigere Nachahmermittel (Generika). Finanzchefin von Roeder betonte mehrfach, Merck plane derzeit bewusst konservativ und fahre bei Mavenclad "auf Sicht". In der Prognose berĂŒcksichtige der Konzern nur das, "was bereits in den BĂŒchern steht".
Die weitere Entwicklung sei angesichts zusĂ€tzlicher Generikaanbieter schwer vorherzusagen. Nach dem ersten Wettbewerber im Dezember stehe der nĂ€chste Markteintritt bevor. Gleichzeitig deutete die Managerin an, dass es kurzfristig auch positive Ăberraschungen geben könnte. Im ersten Quartal sanken die UmsĂ€tze mit Mavenclad im Vorjahresvergleich um gut elf Prozent. Konzernweit sank der Umsatz zum Jahresstart um 2,8 Prozent auf gut 5,1 Milliarden Euro. Vor allem der schwache US-Dollar belastete. Organisch, also bereinigt um WĂ€hrungs- und Portfolioeffekte, legten die Erlöse dagegen um 2,9 Prozent zu. Das operative Ergebnis blieb mit 1,53 Milliarden Euro nahezu stabil und fiel damit besser aus als von Analysten erwartet. Unter dem Strich sank der Gewinn um gut 9 Prozent auf 669 Millionen Euro.
Wachstumstreiber war die Laborsparte. Dort profitierte Merck laut der Finanzchefin vor allem von der gestiegenen Nachfrage. Zudem hÀtten Kunden aus Sorge vor Lieferproblemen im Zusammenhang mit dem Iran-Krieg vorsorglich LagerbestÀnde aufgebaut. Der Effekt habe jedoch nur einen kleineren Teil des Wachstums ausgemacht.
Im PharmageschĂ€ft dagegen konnte Merck die RĂŒckgĂ€nge bei Mavenclad und anderen Medikamenten nicht vollstĂ€ndig ausgleichen. ZusĂ€tzlich belasteten WĂ€hrungseffekte und Kosten fĂŒr die Ăbernahme des US-Krebsspezialisten Springworks Therapeutics.
In der kleinsten Sparte Electronics, die Beckmann zuvor selbst gefĂŒhrt hatte, trafen die Wechselkurseffekte den Konzern mit der gröĂten Wucht. Wachstumstreiber blieb dort das GeschĂ€ft mit Halbleitermaterialien fĂŒr KI-Anwendungen. Positive Einmaleffekte sorgten zusĂ€tzlich fĂŒr einen Ergebnissprung. Ausschlaggebend waren laut Unternehmen unter anderem der Verkauf von OLED-Patenten sowie eine Erstattung im Zusammenhang mit einem Lieferantenstreit.
So schÀtzen die Börsenprofis Aktien ein!
FĂŒr. Immer. Kostenlos.
