ROUNDUP, Asse

'Die Asse sĂ€uft ab' - Wie umgehen mit dem AtommĂŒlllager?

15.04.2026 - 16:50:48 | dpa.de

Das AtommĂŒlllager Asse mit rund 126.000 FĂ€ssern mit schwach- und mittelradioaktiven AbfĂ€llen gilt als eines der grĂ¶ĂŸten umweltpolitischen Probleme des Landes.

Dabei ist seit 2013 mit der sogenannten "Lex Asse" im Atomgesetz festgelegt, dass der AtommĂŒll schnellstmöglich geborgen werden soll und die marode Schachtanlage im Osten Niedersachsens unverzĂŒglich stillzulegen ist. Nun sorgt eine Verzögerung fĂŒr Unmut und befeuert eine Debatte.

Betreiber: Beginn der RĂŒckholung nicht mehr darstellbar

Die fĂŒr die Bergung zustĂ€ndige Bundesgesellschaft fĂŒr Endlagerung (BGE) teilte am Dienstagabend mit, dass sich die RĂ€umung des Bergwerks um mehrere Jahre verschiebt. "Mit dem jetzigen Kenntnisstand lĂ€sst sich der RĂŒckholbeginn 2033 nicht mehr darstellen", teilte die Gesellschaft mit Sitz im niedersĂ€chsischen Peine mit. Erst wenn ein neuer Schacht Asse 5 mit Förderanlage gebaut sei, könne mit den vorbereitenden Maßnahmen fĂŒr die RĂŒckholung begonnen werden, hieß es.

In ihren Planungen gehen die Betreiber nun davon aus, dass die Einsatzbereitschaft der Schachtförderanlage 2039 hergestellt sein kann. Mit einem RĂŒckholplan aus dem Jahr 2020 hatte die BGE den Beginn der Bergung fĂŒr 2033 anvisiert. In den vergangenen Wochen war aber bekanntgeworden, dass der Termin geplatzt. "Der RĂŒckholplan 2020 war ein Konzept, das an vielen Stellen noch nicht so detailliert planungsuntersetzt sein konnte, wie es mit dem heutigen Kenntnisstand möglich ist", begrĂŒndete die BGE.

Umweltminister Meyer empört ĂŒber Verzögerung

Niedersachsens Umweltminister Christian Meyer zeigte sich verĂ€rgert ĂŒber Verzögerungen. "Ich bin empört, dass die beschlossene RĂ€umung der Asse immer weiter verzögert wird und das bisherige Datum 2033 nun aufgegeben wird", sagte der GrĂŒnen-Politiker. Die versprochene und gesetzlich fixierte schnellstmögliche RĂŒckholung darf nicht auf den Sankt-Nimmerleinstag verschoben werden", forderte Meyer.

Die Bundesregierung mĂŒsse sicherstellen, dass die BGE sich an das Asse-Gesetz halte und die RĂ€umung des absaufenden Bergwerks endlich entschlossen angehe. "Die Zeit drĂ€ngt - die Asse sĂ€uft ab", betonte Meyer.

In der Schachtanlage im Landkreis WolfenbĂŒttel liegen in 13 Kammern rund 126.000 FĂ€sser mit schwach- und mittelradioaktiven AbfĂ€llen, die in den 60er und 70er Jahren dort eingelagert worden waren. Weil seit Jahren Wasser eindringt, gilt das marode Bergwerk als einsturzgefĂ€hrdet und soll gerĂ€umt werden. FĂŒr die Umsetzung des gesetzlichen Auftrags ist die BGE in Peine zustĂ€ndig.

BGE: Kein neuer Termin möglich

Ein neuer RĂŒckholbeginn könne zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht valide genannt werden, teilte die Gesellschaft mit. Neue Ergebnisse zeigen nach Angaben der BGE nun, welche Arbeitsschritte sich parallel und welche sich nur nacheinander umsetzen lassen. Der Bau eines neuen Schachts Asse 5 inklusive der zugehörigen Förderanlage sei dabei zentral. Ohne einen funktionierenden Schacht werde es nicht möglich sein, die erforderlichen untertĂ€gigen Arbeiten fĂŒr das RĂŒckholbergwerk und die Technikbereiche an den Einlagerungskammern voranzubringen.

In ihrem Plan von 2020 hatte BGE mit Kosten bis zum Start der RĂŒckholung von mehr als drei Milliarden Euro kalkuliert. Wie sich dieser Betrag angesichts der neuen Zeitplanung verĂ€ndert, blieb zunĂ€chst unklar.

Meyer nennt Vorgehen nicht akzeptabel

Umweltminister Meyer kritisierte das Vorgehen als nicht akzeptabel. "Auch die BGE ist an geltendes Recht gebunden", sagte er. Ihm zufolge zeigen neue Untersuchungen, dass das radioaktive Inventar aus der Asse schneller an die BiosphĂ€re gelangen könnte, als bislang berechnet. "Auch verĂ€ndern sich die WasserzuflĂŒsse im Bergwerk immer wieder ĂŒberraschend", sagte Meyer.

Der "Runde Tisch Asse II", ein Zusammenschluss unter anderem aus Lokalpolitikern und UmweltverbĂ€nden will eine offene Diskussion ĂŒber alle Schließungsvarianten und auch eine TeilrĂŒckholung forcieren. "Ein Nachdenken und AbwĂ€gen ĂŒber einen teilweisen Verbleib von AtommĂŒll in der Schachtanlage Asse II muss fachorientiert geschehen und darf nicht politisch motiviert sein", forderten Vertreter des Gremiums in Hannover.

Initiative kritisiert Bundesumweltminister Schneider

"Die Faktenlage ist eine völlig andere als vor vielen Jahren", sagte der BĂŒrgermeister der Samtgemeinde Elm-Asse, Dirk Neumann (parteilos). Er habe das GefĂŒhl, dass das auf Bundesebene sehr nachlĂ€ssig behandelt werde. FrĂŒhere Bundesumweltminister hĂ€tte zumindest durch Besuche Interesse gezeigt. Beim jetzigen Minister Carsten Schneider (SPD) habe er den Eindruck, dass das Thema ĂŒberhaupt nicht interessiere, sagte Neumann.

"Wir sind uns einig, dass die RĂŒckholung des Asse-Inventars weiter mit Hochdruck vorangetrieben werden muss", sagte StaatssekretĂ€r Jochen Flasbarth aus dem Bundesumweltministerium. Daran arbeiteten alle Beteiligten, insbesondere die BGE, sehr konsequent. Es bestehe auch Einigkeit darĂŒber, dass bei dem instabilen Bergwerk und dem komplexen Vorhaben der RĂŒckholung Sicherheit immer an erster Stelle stehen mĂŒsse. "Der Charakter dieses Bergwerks ist die stetige VerĂ€nderung", sagte der Umwelt-StaatssekretĂ€r.

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