Bio legt weiter krÀftig zu - bleibt das robust?
03.05.2026 - 09:35:04 | dpa.deVon Januar bis Ende MĂ€rz stieg der Umsatz im Vergleich zum ersten Quartal 2025 um sechs Prozent auf 4,91 Milliarden Euro, wie Daten des Bundes Ăkologische Lebensmittelwirtschaft (BĂLW) ergeben, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegen. Ein GroĂteil entfĂ€llt auf Discounter und SupermĂ€rkte, DrogeriemĂ€rkte legten zu. Die Branche wirbt fĂŒr Anreize, damit mehr Bauern auf Ăko umstellen.
Verbandschefin Tina Andres sagte: "Bio bleibt auch in Krisenzeiten eine Wachstumsbranche." Angesichts der Weltlage sei dies nicht nur gut fĂŒr die Umwelt, sondern trage zur Versorgungssicherheit bei. "Die derzeitige Preisexplosion bei DĂŒngemitteln tangiert Bio-Landwirte nicht."
Der Bio-Spitzenverband BĂLW legte in Zusammenarbeit mit der Agrarmarkt-Informations-Gesellschaft erstmals aktuelle Quartalszahlen vor, die auf Daten von vier Marktforschungsinstituten basieren. Grundlage fĂŒr den Vergleich zum ersten Quartal 2025 sind demnach damalige Marktdaten der Institute.
ZuwĂ€chse bei SĂŒĂwaren, RĂŒckgang bei Kartoffeln
Deutliche UmsatzzuwĂ€chse gab es demnach nun bei Fleischersatzprodukten, Mehl, SĂŒĂwaren, Eis, TiefkĂŒhlkost, Feinkost, Fertigprodukten, HeiĂgetrĂ€nken und Backwaren. Der Umsatz mit Bier und Spirituosen ging deutlich zurĂŒck. Bei frischen Eiern und Fleisch gab es ZuwĂ€chse vor allem durch Preiserhöhungen. Bei Butter, Brot und Kartoffeln wurden dagegen UmsatzrĂŒckgĂ€nge verzeichnet.
Die gröĂten Anteile am Bio-GeschĂ€ft haben den Daten zufolge die Discounter mit 30 Prozent und die SupermĂ€rkte mit 29 Prozent. Treiber waren erneut die Bio-Eigenmarken des Handels mit plus 12,5 Prozent. Der Naturkostfachhandel legte um 1,1 Prozent auf 840 Millionen Euro zu und kommt auf einen Marktanteil von 17 Prozent. Die DrogeriemĂ€rkte kommen auf knapp 13 Prozent, nachdem sie von Januar bis MĂ€rz ein krĂ€ftiges Bio-Umsatzplus von 14 Prozent erzielten.
Die restlichen Marktanteile verteilen sich demnach auf E-Commerce-Angebote mit Lieferdiensten und Onlineshops (5 Prozent) sowie auf HoflÀden, BÀckereien, Metzgereien, WochenmÀrkte und Tankstellen.
Wie robust ist der Trend?
Die Branche knĂŒpft mit dem Plus im ersten Quartal an ihren Wachstumstrend an. Angesichts der angespannteren Wirtschaftslage infolge des Iran-Kriegs mit PreissprĂŒngen nicht nur an den Tankstellen muss sich weiter zeigen, wie robust der Trend ist. Im Gesamtjahr 2025 war der Bio-Umsatz mit Lebensmitteln und GetrĂ€nken um 6,7 Prozent auf Rekordhöhe von 18,23 Milliarden Euro gestiegen. Der Bio-Anteil am gesamten Lebensmittelmarkt liegt nun bei 6,5 Prozent.
Der Spitzenverband rief die Politik in Berlin und BrĂŒssel auf, auch bei der EU-Agrarfinanzierung mehr Anreize fĂŒr die Umstellung auf Ăkolandbau zu schaffen. "Immer mehr Verbraucherinnen und Verbraucher entscheiden sich fĂŒr eine Lebensmittelwirtschaft, die mit der Natur arbeitet, ohne chemisch-synthetische Pestizide und ohne KunstdĂŒnger", sagte die Vorstandvorsitzende Andres.
Hintergrund ist, dass die Nachfrage nach Bio-Produkten, die meist etwas mehr kosten, bis auf einen DĂ€mpfer 2022 wegen der hohen Inflation kontinuierlich wĂ€chst. Die heimische Ăko-Produktion auf den Feldern und in den StĂ€llen bleibt aber dahinter zurĂŒck. Die Umstellungsbereitschaft in der Landwirtschaft sei 2025 erneut Ă€uĂerst verhalten gewesen, erlĂ€uterte der Bauernverband.
Machen heimische Bauern das wachsende Bio-GeschÀft?
Bio bewirtschaftet werden nach jĂŒngsten Daten des Bundesagrarministeriums von 2024 nun 11,5 Prozent der AgrarflĂ€che - nach 11,4 Prozent 2023. Das Ziel eines Bio-Anteils von 30 Prozent bis 2030, das einst die Ampel-Koalition aufstellte, bleibt weit entfernt. Die Zahl der Ăko-Betriebe ging 2024 sogar um 2,2 Prozent auf 35.881 zurĂŒck, ihr Anteil liegt nunmehr noch bei 14,1 Prozent.
Minister Alois Rainer hebt aber die wirtschaftlichen Chancen hervor. "Bei aller europĂ€ischen SolidaritĂ€t will ich natĂŒrlich, dass vor allem unsere deutschen Landwirte von einem wachsenden Bio-GeschĂ€ft profitieren", sagte der CSU-Politiker zu Jahresbeginn anlĂ€sslich der Agrarmesse GrĂŒne Woche. "Wenn sich der Markt gut entwickelt, motiviert das mehr Betriebe, auf Bio umzustellen."
Höhere Kosten im Ăkolandbau
Die Produktion mĂŒsse mit dem Markt mitwachsen, erlĂ€uterte der Minister. "Wenn sie schneller wĂ€chst als der Absatz und man am Markt vorbeiproduziert, dann fallen die Preise." Bio-Landwirte hĂ€tten aber höhere Kosten, und die wollten sie am Markt erlösen.
Generell ist es eine Kalkulationsfrage, ob Bauern auf Ăkolandbau umstellen. So ist etwa der Aufwand bei der mechanischen Bodenbearbeitung höher, und da schlagen Treibstoffkosten fĂŒr Traktoren zu Buche. Andererseits sind chemisch-synthetische DĂŒnge- und Pflanzenschutzmittel bei Bio tabu, bei denen es infolge des Iran-Kriegs gerade wieder PreissprĂŒnge gab.
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