Handwerk drÀngt auf Abschaffung des 'Sonntagsbackverbots'
Veröffentlicht am: 23.07.2026 um 06:25 Uhr | dpa.de"Im Koalitionsvertrag steht, dass fĂŒr BĂ€cker und Konditoren das Sonntagsbackverbot aufgehoben wird. Bitte umsetzen", sagte HandwerksprĂ€sident Jörg Dittrich der Deutschen Presse-Agentur. "Ich verstehe nicht, warum wir immer noch weiter darĂŒber diskutieren. Es ist eine groĂe Ungerechtigkeit, dass Backstationen an der Tankstelle sonntags Teiglinge aufbacken dĂŒrfen und dem HandwerksbĂ€cker erklĂ€rt wird: Du darfst es nicht, weil du BĂ€cker bist."
Es werde mit zweierlei MaĂ gemessen, sagte Dittrich. "Es soll mir bitte keiner erzĂ€hlen, dass die Zukunft Deutschlands davon abhĂ€ngt, ob einige Hundert Menschen sonntags einige Stunden arbeiten. Zumal viele BeschĂ€ftigte diese Zeiten bewusst wĂ€hlen, weil sie dafĂŒr gute ZuschlĂ€ge erhalten und mehr Geld verdienen, und dafĂŒr beispielsweise an einem anderen Tag freihaben."
Nach dem Arbeitszeitgesetz dĂŒrfen BĂ€ckereien bisher an Sonn- und Feiertagen nur bis zu drei Stunden Backwaren herstellen und an diesem Tag verkaufen. Im Koalitionsvertrag heiĂt es, der sogenannte Ausnahmekatalog im Arbeitszeitgesetz fĂŒr Sonn- und FeiertagsbeschĂ€ftigung solle um das BĂ€ckereihandwerk erweitert werde. Die Spitzen der Koalition hatten Anfang Juli vereinbart, dass die Ănderungen fĂŒr BĂ€ckereien zum 1. Januar 2027 in Kraft treten sollen.
Noch keine genauen PlÀne
Bisher fehlt aber noch ein Gesetzentwurf. Mitte Juni war ein erster Entwurf zur Ănderung des Arbeitszeitgesetzes aus dem zustĂ€ndigen Arbeitsministerium durchgesickert. Demnach sollen BeschĂ€ftigte an Sonn- und Feiertagen kĂŒnftig bis zu fĂŒnf Stunden fĂŒr die Herstellung von Backwaren sowie bis zu drei Stunden fĂŒr das Austragen und Ausfahren eingesetzt werden können. Aus Kreisen des Ministeriums wurde darauf verwiesen, dass der bekanntgewordene Entwurf in einem frĂŒhen Stadium sei und im Haus noch abgestimmt werde. Der Zentralverband des Deutschen BĂ€ckerhandwerks hatte kritisierte, es drohe erneut eine Sonderregelung mit andauernden Wettbewerbsnachteilen.
HandwerksprÀsident: Arbeitszeiten flexibler gestalten
CDU, CSU und SPD haben in ihrem Koalitionsvertrag vereinbart, fĂŒr mehr FlexibilitĂ€t "die Möglichkeit einer wöchentlichen anstatt einer tĂ€glichen Höchstarbeitszeit" zu schaffen. Gewerkschaften lehnen eine Abschaffung des Acht-Stunden-Tags vehement ab. Sie warnen etwa vor einer Aufweichung des Gesundheitsschutzes.
"Niemand möchte den generellen Acht-Stunden-Tag abschaffen", sagte Dittrich. "Aber in Zeiten von Digitalisierung, Work-Life-Balance und Disruption in vielen Bereichen muss es aus meiner Sicht doch machbar sein, Betrieben und BeschĂ€ftigten mehr FlexibilitĂ€t einzurĂ€umen und ihnen die Chance zu geben, neue Modelle auszuprobieren." Der Acht-Stunden-Tag solle erhalten bleiben, aber es mĂŒsse mehr FlexibilitĂ€t geben.
"Gesundheitsschutz wird ab einer gewissen Grenze ein Totschlagargument gegen VerĂ€nderungen", sagte der HandwerksprĂ€sident. "Auch eine monotone TĂ€tigkeit kann bereits nach kurzer Zeit zu Belastungen fĂŒhren. Pauschal den Gesundheitsschutz als Argument ins Feld zu fĂŒhren, greift heutzutage zu kurz."
