DAX Aktie: SAP rettet den Juni-Start
01.06.2026 - 23:48:33 | boerse-global.deDer Iran hat es geschafft, was Makrodaten allein selten können: Er drehte einen vielversprechenden Börsentag ins Minus. Der DAX schloss mit einem Rückgang von 0,4 Prozent auf 25.003 Punkte — knapp über der psychologisch wichtigen 25.000er-Marke.
Wie Teheran Frankfurt bewegt
Die Ausgangslage war zunächst freundlich. SAP zog den Index kräftig in die Pluszone. Dann meldeten iranische Medien, Teheran habe alle indirekten Gespräche mit den USA wegen israelischer Angriffe im Libanon ausgesetzt. Die Straße von Hormus, zumindest zeitweise wieder ein Thema. Der Ölpreis reagierte umgehend mit einem Plus von knapp 5,7 Prozent auf rund 96 Dollar je Fass Brent — und die Gewinne im DAX lösten sich auf.
Das Muster ist bekannt: Steigende Energiepreise wecken Inflationssorgen, die Renditen ziehen an, und Aktien geraten unter Druck. Laut EZB-Umfrage rechnen Verbraucher im Euroraum für die nächsten zwölf Monate ohnehin bereits mit einer Inflationsrate von 4,0 Prozent. Ein anhaltend hoher Ölpreis würde diesen Erwartungsanker weiter befestigen.
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SAP als Gegengewicht
Ohne SAP wäre der Tagesverlust deutlich größer ausgefallen. Die Walldorfer Papiere stiegen um gut 8 Prozent auf das höchste Niveau seit Mitte März. Der Treiber: KI-Fantasie. Investoren entdeckten SAP neu als Infrastrukturprofiteur des KI-Booms — nachdem das Unternehmen lange vor allem als potenzielles Disruptions-Opfer im SaaS-Bereich galt. Ähnliche Neubewertungen gab es zuletzt bei ServiceNow und Salesforce.
Kein Wunder, dass diese Bewegung kaum auf den Rest des Marktes abfärbte. Rüstungswerte wie Rheinmetall, RENK und HENSOLDT verzeichneten deutliche Abgaben, Mercedes-Benz fiel um 1,4 Prozent — belastet durch einen US-Gesetzentwurf, der Fahrzeuge von Herstellern mit mindestens 15 Prozent Eigentumsanteil aus sogenannten US-Gegnerstaaten vom amerikanischen Markt ausschließen könnte. Fast 20 Prozent der Mercedes-Anteile liegen bei chinesisch kontrollierten Konzernen.
Resilienz mit Ablaufdatum?
Bemerkenswert bleibt, dass sich der DAX trotz alledem in Schlagdistanz zu seinem Allzeithoch hält. Der Mai war ein vergleichsweise guter Börsenmonat, und von einem breiten Rückzug aus dem Aktienmarkt ist bisher wenig zu sehen. Die Unsicherheit über eine dauerhafte Entspannung im Nahen Osten ist real — eine 60-tägige Waffenruhe ist kein Friedensvertrag. Ob die KI-Rally bei SAP der Auftakt zu einer breiteren Neubewertung des deutschen Tech-Segments wird oder ein Einzelphänomen bleibt, entscheidet sich in den kommenden Wochen mit den nächsten Quartalsergebnissen aus dem Softwaresektor.
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