DAX, Wochengewinne

DAX: Ă–lpreis-Schub kappt Wochengewinne

Veröffentlicht am: 24.07.2026 um 03:34 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Geopolitische Spannungen treiben Ölpreis über 100 Dollar und lassen den DAX unter 25.000 Punkte fallen. Die EZB signalisiert mögliche Zinserhöhung im September.

DAX-RĂĽckfall: Ă–lpreis-Schock und EZB-Zins-Signale belasten
Digitales Börsendisplay mit fallendem DAX-Chart vor dem Hintergrund einer verschwommenen Ölraffinerie. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Ein Donnerstag, der mit Zurückhaltung begann, endete mit einem handfesten Kursrutsch. Der DAX verlor 1,56 Prozent und schloss bei 24.763 Punkten – die 25.000er-Marke, seit Wochen ein wichtiger Orientierungspunkt, rückte damit wieder in weite Ferne. Mit den Abschlägen fiel der Index auch unter seine 21-Tage-Linie bei 25.086 Zählern, ein Warnsignal für kurzfristig orientierte Charttechniker.

Auslöser war ein Zusammenspiel aus Nahost-Eskalation und enttäuschenden US-Zahlen. Die mit dem Iran verbündeten Huthi-Rebellen meldeten Angriffe auf zwei saudische Öltanker im Roten Meer, US-Präsident Trump drohte im Gegenzug mit "schweren militärischen Strafen". Die Ölpreise reagierten prompt: Brent kletterte auf über 100 US-Dollar je Fass, ein Plus von 7,1 Prozent gegenüber dem Vortag. Für energieabhängige deutsche Unternehmen ist das eine unangenehme Nachricht – und für die Notenbanker in Frankfurt ein zusätzliches Inflationsrisiko.

EZB lässt Zinsen unverändert, Blick geht Richtung September

Die Europäische Zentralbank beließ den Einlagenzins wie erwartet bei 2,25 Prozent. EZB-Präsidentin Christine Lagarde machte jedoch deutlich, dass die Sitzung intern nicht ohne Diskussion verlief: Einige Ratsmitglieder hätten offen die Frage gestellt, ob eine Zinsanhebung sinnvoll sein könnte. Der Rat sieht laut Lagarde weiterhin ein überwiegendes Risiko, dass die Inflation stärker steigt als bislang angenommen.

Der Chef-Ökonom der ING-Bank, Carsten Brzeski, wertete Lagardes Aussagen als klaren Hinweis auf eine Zinserhöhung im September, wenn der EZB neue Prognosen zu Inflation und Konjunktur vorliegen. Lagarde selbst wies zudem Spekulationen über einen vorzeitigen Rückzug von der Notenbankspitze zurück und kündigte an, mindestens bis 2027 im Amt zu bleiben.

Chipwerte unter Druck, Nutzfahrzeuge als Lichtblick

Für zusätzlichen Verkaufsdruck sorgte ein enttäuschender Umsatzausblick von STMicroelectronics, der auf den gesamten europäischen Halbleitersektor abfärbte. Infineon büßte 6,2 Prozent ein und bildete damit das Dax-Schlusslicht. Auch die schwachen US-Techzahlen belasteten die Stimmung: Alphabet übertraf zwar die Wall-Street-Erwartungen, doch die Ankündigung weiter steigender KI-Investitionen drückte die Aktie dennoch ins Minus.

Einen deutlichen Gegenpol bildete die Nutzfahrzeugbranche. Daimler Truck gewann 3,9 Prozent, nachdem Analysten die Aussagen zu US-Zöllen positiv werteten – ein höherer anerkannter Anteil US-amerikanischer Komponenten dürfte die Zollbelastung künftig spürbar senken. Noch deutlicher fiel die Reaktion bei Traton aus: Der Wettbewerber legte vorläufige Zahlen für ein starkes zweites Quartal vor, die bereinigte operative Rendite kletterte auf 8,1 Prozent. Die Aktie sprang um 11 Prozent nach oben.

Die Deutsche Börse lag mit ihren Quartalszahlen beim Umsatz und beim EBITDA über den Konsensschätzungen und hielt sich mit einem Abschlag von 0,2 Prozent vergleichsweise stabil. Sartorius bestätigte seine Jahresprognose, verlor aber dennoch knapp zwei Prozent, nachdem ein Analyst die Zahlen lediglich als "zufriedenstellend" einstufte.

Nach US-Börsenschluss rückt nun SAP in den Fokus: Der Softwarekonzern legt seine Geschäftszahlen vor, während Vorstandschef Christian Klein unter verstärktem Wettbewerbsdruck durch Konkurrenten im KI-Bereich steht. Ob die Zahlen dem DAX am Freitag neuen Schwung geben oder die Verluste vertiefen, dürfte sich bereits im frühen Handel zeigen.

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