DAX, Wall

DAX zieht an Wall Street vorbei

Veröffentlicht am: 24.07.2026 um 22:16 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Der DAX steigt um 1,45 Prozent und übertrifft Dow Jones und S&P 500. SAP-Aktie legt nach Quartalszahlen um fast zehn Prozent zu.

DAX überflügelt US-Börsen: SAP treibt deutschen Leitindex an
Steigende grüne Börsenkurse auf einer digitalen Anzeigetafel im Frankfurter Finanzviertel. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Während in New York die Sommermüdigkeit regiert, zeigt der DAX an diesem Freitag deutlich mehr Schwung. Der deutsche Leitindex klettert um 1,45 Prozent auf 25.108,13 Punkte und lässt damit sowohl den Dow Jones als auch den S&P 500 hinter sich. Zugpferd des Tages: SAP, dessen Kurssprung die Skeptiker der vergangenen Wochen Lügen straft.

SAP widerlegt die Zweifler

Vor den Quartalszahlen hatte sich unter Anlegern ein ausgesprochen pessimistisches Sentiment breitgemacht — die Sorge, der KI-Hype könnte dem Cloud-Geschäft eher schaden als nutzen. Das Gegenteil ist eingetreten. Das Cloud-Segment wächst weiter kräftig, SAP tritt ähnlich wie der US-Wettbewerber ServiceNow als Infrastrukturgewinner der KI-Welle auf. Die Aktie legt am DAX-Ende des Handelstages um 9,67 Prozent zu und ist damit klarer Spitzenreiter im Index, vor Siemens Healthineers und Scout24.

Auf der Verliererseite steht Volkswagen. Die Vorzugsaktie verliert 1,93 Prozent — belastet von anhaltender Restrukturierungslast und rückläufigen Umsätzen. Auch Infineon und Airbus geben nach. Munich Re dagegen meldete vorläufige Zahlen, die bei der Überschussentwicklung über den Analystenschätzungen liegen, konnte davon im DAX selbst aber nicht profitieren, da die Aktie nicht unter den Tagesgewinnern auftaucht.

Der TecDAX legt mit 1,73 Prozent auf 3.770,68 Punkte sogar noch stärker zu als der DAX. MDAX und SDAX hinken mit 0,80 beziehungsweise 0,72 Prozent hinterher — die Rally konzentriert sich sichtbar auf Technologie- und Schwergewichte.

Konjunkturdaten liefern Rückenwind

Die Kursgewinne fallen nicht in ein Vakuum. Der Einkaufsmanagerindex für die Eurozone stieg im Juli um 1,9 Punkte auf 51,9 Zähler — deutlich über der von Analysten erwarteten Marke von 50,2 Punkten und damit klar in der Wachstumszone. Auch in Deutschland überraschten die Frühindikatoren: Das verarbeitende Gewerbe kletterte auf 52 Punkte statt der erwarteten 50,4, der Dienstleistungssektor auf 51,6 statt der prognostizierten 49 Punkte.

Ein Wermutstropfen bleibt: Die Kauflaune der deutschen Verbraucher verharrt laut GfK-Konsumklimaindex auf niedrigem Niveau. Hohe Spritpreise und pessimistische Einkommenserwartungen bremsen die Stimmung der Privathaushalte — ein Kontrast zur Zuversicht in den Unternehmen.

Nahost und Zinssorgen als Unsicherheitsfaktor

Nicht alle Nachrichten des Tages wirken beruhigend. Die EU-Marineoperation Aspides hat ihre Bedrohungseinschätzung für das Rote Meer nach einem Angriff der Huthi-Miliz auf einen saudischen Öltanker von mittel auf hoch angehoben. Die Lage an der Meerenge Bab al-Mandab bleibt damit ein Risikofaktor für den Welthandel. In den USA sorgt zudem die anstehende Fed-Sitzung am 29. Juli für Zurückhaltung — Anxiety vor möglichen Zinssignalen dämpfte zuletzt die Stimmung, obwohl Unternehmen wie American Express und Verizon besser als erwartete Zahlen vorlegten.

Auf der Zollfront gibt es dagegen Entspannung: Die EU-Kommission bewertet die jüngsten US-Zollregelungen positiv und sieht für deutsche Exporteure keine Verschlechterung gegenüber bisherigen Vereinbarungen.

Wie die Märkte auf die Entwicklungen im Nahen Osten reagieren, dürfte sich am Montag zeigen — das Wochenende bleibt ein Unsicherheitsfaktor, den Investoren aktuell einpreisen, ohne die Kauflaune spürbar zu bremsen.

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