ChemikalienhÀndler Brenntag erhöht Prognose
23.06.2026 - 11:13:44 | dpa.deHatten der Iran-Krieg und die zeitweise Sperrung der StraĂe von Hormus die Essener zum Jahresstart noch ausgebremst, profitierten sie zuletzt nach eigener Aussage von einer robusten Nachfrage. Auch die Margen hĂ€tten sich im Zusammenhang mit den Marktverwerfungen im Mittleren Osten verbessert, teilte der Dax-Konzern am Vorabend mit. An der Börse zeigte sich die Aktie am Dienstag zuletzt wenig verĂ€ndert.
Das Papier kletterte zunĂ€chst gegen den schwachen Markttrend um fast zwei Prozent, radierte die Gewinne aber wieder aus und gab zuletzt leicht um 0,3 Prozent nach auf 53,56 Euro. Dabei haben die durch die Auseinandersetzungen am Persischen Golf ausgelösten Marktschwankungen in diesem Jahr auch den Brenntag-Kurs schon stark getroffen: Anfang MĂ€rz war das Papier auf ein Tief seit fast sechs Jahren bei 43,72 Euro gefallen, von dem aus es sich bis zum Zwischenhoch Anfang Mai um fast die HĂ€lfte verteuert hatte. Seitdem hatte die Aktie aber um bis zu 17 Prozent wieder nachgegeben. Durch die aktuellen Kursgewinne vergröĂert sich nunmehr das Plus seit dem Jahresbeginn auf immerhin knapp neun Prozent.
Das Management um Brenntag-Chef Jens Birgersson rechnet nun damit, dass das bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) im laufenden Jahr bei 1,25 bis 1,40 Milliarden Euro herauskommen wird. Das neue Ziel liegt damit im Mittelpunkt in etwa gleichauf mit den jĂŒngsten Markterwartungen, am oberen Ende aber klar darĂŒber. Bisher hatte die Brenntag-Spitze ein operatives Ergebnis von 1,15 bis 1,35 Milliarden Euro fĂŒr 2026 im Visier gehabt - nach einem RĂŒckgang um knapp 9 Prozent auf 1,29 Milliarden Euro im Jahr 2025.
Im zweiten Quartal erzielte der Konzern den eigenen ersten Berechnungen zufolge ein operatives Ergebnis "um die 450 Millionen Euro", dies wĂ€re ein Plus von fast 35 Prozent gegenĂŒber dem entsprechenden Vorjahreswert. Laut Analysten hat der Konzern damit die Markterwartungen deutlich ĂŒbertroffen. Das operative Quartalsergebnis des ChemikalienhĂ€ndlers liege rund 23 Prozent ĂŒber der KonsensschĂ€tzung, schrieb etwa Nicole Manion von der Schweizer GroĂbank UBS. Die endgĂŒltigen Zahlen zum zweiten Quartal soll es am 12. August geben.
Noch zu Jahresbeginn hatte Brenntag unter den Auswirkungen des Konflikts im Nahen Osten gelitten, Umsatz und operatives Ergebnis waren im ersten Quartal spĂŒrbar zurĂŒckgegangen. Doch in der Folge spielte der Iran-Krieg und die Sperrung der StraĂe von Hormus, durch die sonst rund ein FĂŒnftel des Weltölhandels lĂ€uft, einigen europĂ€ischen Spezialchemiekonzernen sogar in die HĂ€nde: Sie konnten weiterhin verlĂ€sslich liefern und teilweise sogar die Preise deutlich anheben, wĂ€hrend vor allem asiatische Anbieter wegen ihrer starken AbhĂ€ngigkeit von den Lieferungen aus Nahost unter den gestörten Logistikketten und VersorgungsengpĂ€ssen litten.
BezĂŒglich dieser Sonderkonjunktur fĂŒr die europĂ€ische Spezialchemie traten einige Experten zuletzt aber bereits auf die Euphoriebremse - so etwa Chetan Udeshi von JPMorgan. In Europas Chemiebranche ĂŒbernehme der strukturelle Gegenwind bei nachlassendem Auftrieb durch die Kriegsfolgen wieder die Oberhand, schrieb er. Brenntag zĂ€hlt sogar zu den von ihm am schwĂ€chsten eingeschĂ€tzten Werten.
Auch Brenntag selbst betonte trotz Prognoseanhebung, wegen der weiterhin bestehenden Unsicherheiten vorsichtig bleiben zu wollen. Dabei verwies der Konzern auch auf das Risiko, dass die Nachfrage in der zweiten JahreshÀlfte wieder schwÀcheln könnte.
Aufgrund der schwierigen wirtschaftlichen Lage hat der erst seit dem 1. September 2025 amtierende Brenntag-Chef Birgersson das Korsett inzwischen noch enger geschnĂŒrt. UrsprĂŒnglich wollte der Konzern bis 2027 jĂ€hrliche 300 Millionen Euro einsparen. Im MĂ€rz kĂŒndigte das Management dann das Ziel an, die Kosten bis dahin um weitere 200 bis 250 Millionen Euro im Vergleich zu 2025 senken.
Der Konzern straffte bereits etwa administrative Prozesse und beseitigte Doppelstrukturen. Auch StandortschlieĂungen und der Abbau von ArbeitsplĂ€tzen zĂ€hlten in der jĂŒngeren Vergangenheit schon zum Sparprogramm. Birgersson will den Konzern mit weltweit gut 17 000 Mitarbeitenden aber noch effizienter aufstellen. Dazu sollen zentrale Strukturen vereinfacht und die Kostenbasis weiter verbessert werden. Eine neue Strategie will der Vorstand am 12. November im Rahmen eines Kapitalmarkttags vorstellen.
