Europa Schluss: Iran-Krieg sorgt fĂŒr Druck - Ălpreis im Fokus
02.03.2026 - 18:59:30 | dpa.deBesonders deutlich sackten vor allem Tourismusaktien ab. Die Ăl- und Gasbranche profitierte hingegen von krĂ€ftig steigenden Ăl- und Gaspreisen.
Der EuroStoxx 50 EU0009658145 verlor 2,47 Prozent auf 5.987,02 Punkte. Damit gab der Leitindex der Eurozone seine Gewinne aus dem vergangenen Monat fast vollstĂ€ndig ab. AuĂerhalb der Euroregion sank der britische Leitindex FTSE 100 GB0001383545 um 1,20 Prozent auf 10.780,11 Punkte. Der Schweizer SMI CH0009980894 verlor 1,29 Prozent auf 13.834,10 Punkte. In den USA dagegen gelang es den Börsen ihre moderaten Verluste vom Handelsstart zuletzt auszugleichen oder sogar ins Plus zu drehen.
Am Wochenende hatten die USA gemeinsam mit Israel den Iran angegriffen. Das iranische Staatsoberhaupt Ajatollah Ali Chamenei wurde getötet. Derzeit werden weiter Ziele im Iran angegriffen, wÀhrend Teheran mit GegenschlÀgen auf Israel und andere LÀnder antwortet, was Sorgen vor einem FlÀchenbrand in Nahost weckt.
Der Ălpreis schoss entsprechend in die Höhe, denn mit dem Iran-Krieg steht erneut die StraĂe von Hormus im Fokus. Iran hat dort den Schiffsverkehr eingeschrĂ€nkt. Die Meerenge ist eine der wichtigsten Routen fĂŒr den weltweiten Handel mit Ăl und Gas. Rund ein FĂŒnftel der globalen Ăltransporte passiert tĂ€glich die Meerenge in der ölreichen Region am Persischen Golf.
Brent-Ăl erreichte zeitweise den höchsten Stand seit Juli 2024, US-Ăl WTI den höchsten Stand seit Juni 2025. Im Sommer vergangenen Jahres hatte das US-MilitĂ€r bereits Anlagen des Iran angegriffen.
"In Anbetracht der stark steigenden Energiepreise hĂ€tten die Kursverluste rund um den Globus durchaus höher ausfallen können", resĂŒmierte Chef-Marktanalyst Andreas Lipkow von CMC Markets. Investoren schauen ihm zufolge nun darauf, wie lange das höhere Preisniveau anhalten und wie sich das WĂ€hrungspaar Euro/Dollar weiter entwickeln werde.
Der Stoxx Europe 600 Travel & Leisure EU0009658624 rutschte zeitweise um mehr als 5,5 Prozent ab und fand erst knapp ĂŒber seinem Zwischentief aus dem Monat November Halt. Der Branchenindex der Ăl- und Gaswerte EU0009658780 setzte dagegen seinen Rekordlauf mit krĂ€ftigem Schwung fort. Im EuroStoxx waren Eni IT0003132476 Favorit mit plus 3,6 Prozent. Totalenergies FR0000120271 folgten mit plus 3,1 Prozent.
JPMorgan-Analyst Matthew Lofting hob die Bedeutung der StraĂe von Hormus hervor und schrieb, dass Anleger im Energiebereich aktuell insbesondere auf Unternehmen mit hohem Ălpreis-Hebel setzen sollten. Er sieht vor allem RĂŒckenwind fĂŒr Eni und TotalEnergies und hob sein Anlageurteil fĂŒr beide auf "Overweight". In London ging es fĂŒr BP GB0007980591 und Shell GB00BP6MXD84 zudem deutlich nach oben.
Stark profitierten auch RĂŒstungswerte, wie etwa BAE Systems GB0002634946. Die Aktie gewann in London 6,1 Prozent und erreichte zudem ein Rekordhoch. BAE liefert die Infrarot-Zielerfassung der Lenkflugkörper im THAAD-Raketenabwehrsystem der US-Armee. In den ersten Angriffen gegen den Iran im Juni 2025 sind Medienberichten zufolge zwischen 15 und 25 Prozent des gesamten THAAD-Arsenals gebraucht worden, um iranische Raketen gegen Israel abzufangen, wie Analyst David Perry von JPMorgan schrieb. Derzeit dĂŒrfte das VerschleiĂtempo weitaus höher liegen.
Im Tourismussektor sackte die Aktie des gröĂten europĂ€ischen Reiseveranstalters Tui DE000TUAG505 um fast 10 Prozent ab. Fluggesellschaften wie Air France-KLM FR001400J770, IAG ES0177542018 oder Easyjet GB00B7KR2P84 bĂŒĂten ebenfalls krĂ€ftig ein. Die Anleger sorgen sich um Flugstreichungen, operative Behinderungen, steigende Ălpreise und eine möglicherweise geringere Nachfrage. Autoaktien gaben ebenfalls deutlich nach. Renault FR0000131906 und Stellantis NL00150001Q9 etwa bĂŒĂten 5,1 und 7,1 Prozent ein. Anleger sorgen sich vor Lieferketten- aber auch Nachfragestörungen und einer Kostenexplosion auf mehreren Ebenen infolge des Ălpreisanstiegs.
Im Blick stand zudem das Papier von Smith & Nephew GB0009223206, das um 4,3 Prozent nachgab. Der Medizintechnikkonzern aus GroĂbritannien hatte Jahreszahlen und auch einen Ausblick auf 2026 und 2028 veröffentlicht.
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