Produktion/Absatz, Thema des Tages

Boeing kauft Zulieferer Spirit zurĂŒck - Airbus will einige Werke

01.07.2024 - 09:02:54 | dpa.de

Der kriselnde Flugzeugbauer Boeing US0970231058 holt nach einer Pannenserie den wichtigen Zulieferer Spirit Aerosystems US8485741099 in einem rund 4,7 Milliarden Dollar schweren Aktien-Deal wieder zurĂŒck unter das Konzerndach.

Inklusive der Spirit-Schulden werde der RĂŒckkauf mit 8,3 Milliarden Dollar (rund 7,7 Mrd Euro) bewertet, teilte der Flugzeugbauer am Montag in Arlington im US-Bundesstaat Virginia mit. Der Boeing-Konkurrent Airbus will im Rahmen des Deals auch einige Werke ĂŒbernehmen.

Schon lĂ€nger wird kritisiert, die Abspaltung der einstigen Boeing-Sparte habe es schwer gemacht, die QualitĂ€ts-Standards einzuhalten. Wenige Stunden zuvor hatte der Finanzdienst Bloomberg ĂŒber Details des GeschĂ€fts berichtet.

SchlĂŒsselrolle bei Boeing 737

Bei Spirit wird unter anderem der Rumpf von Maschinen des Typs Boeing 737 gebaut. Das 2005 von Boeing abgespaltene Unternehmen produzierte nach spĂ€teren ZukĂ€ufen auch Teile von TragflĂ€chen und Rumpf-Fragmente fĂŒr Airbus NL0000235190. DafĂŒr musste eine Lösung gefunden werden, bevor Boeing sich Spirit wieder einverleiben konnte.

Airbus NL0000235190 teilt nun mit, dass mehrere Spirit-Werke an den europĂ€ischen Konzern gehen werden. Anders als Boeing zahlt Airbus dafĂŒr keinen Kaufpreis - sondern bekommt von Spirit 559 Millionen Dollar als eine Art Mitgift dazu.

Die Abspaltung der Sparte von Boeing war seinerzeit dem Trend gefolgt, Konzerne zu verschlanken und durch Verlagerung von AktivitĂ€ten an Zulieferer Geld zu sparen. Mit der Zeit setzte sich jedoch allgemein die Sicht durch, dass die Trennung von Spirit zu QualitĂ€tsproblemen und einem Kontrollverlust durch Boeing fĂŒhrte.

In den vergangenen Jahren gab es wiederholt Ärger. In einem Fall etwa wurde festgestellt, dass bei Spirit Löcher im Rumpf mehrerer Maschinen falsch gebohrt wurden.

Alaska-Zwischenfall war letzter Tropfen

Spirit spielte auch eine Rolle bei dem dramatischen Zwischenfall im Januar, bei dem ein Rumpf-Teil einer so gut wie neuen Boeing 737-9 Max von Alaska Airlines im Steigflug herausbrach. Der Rumpf war bei Spirit produziert und zu Boeing geliefert worden. Dort wurde das Fragment fĂŒr Nacharbeiten herausgenommen. Boeing konnte keine Unterlagen dazu finden - aber die Unfallermittlungsbehörde NTSB geht davon aus, dass die Maschine ohne zwei Befestigungsbolzen an dem Rumpf-Teil an die Fluggesellschaft ausgeliefert wurde.

Nach dem Alaska-Zwischenfall geriet Boeing unter verstĂ€rkten Druck, die QualitĂ€tskontrollen zu verbessern. Eine der Maßnahmen dabei war, mehr PrĂŒfer zu Spirit zu schicken, damit eventuelle Fehler direkt dort und nicht erst nach der Lieferung ins Boeing-Werk behoben werden. Im MĂ€rz gab Boeing dann auch bekannt, dass ĂŒber den Kauf von Spirit verhandelt werde.

Boeing-Chef Dave Calhoun betont, der Deal sei im Interesse der Flugpassagiere, der Flugzeugbauer, der Airlines "und des Landes insgesamt". Auch einige Spirit-AktivitĂ€ten im Verteidigungsbereich gehen zu Boeing ĂŒber.

Medien: Boeing droht Anklage der US-Regierung

Das Beinahe-UnglĂŒck mit der Alaska-Maschine könnte laut Medienberichten noch schwerwiegende Konsequenzen fĂŒr Boeing haben. Unter anderem die "New York Times" und Bloomberg berichteten, dass das US-Justizministerium dem Flugzeugbauer offiziell Betrug vorwerfen wolle.

Es geht dabei um die Vereinbarung, mit der Boeing seinerzeit einer Strafverfolgung nach dem Absturz von zwei 737-Max-Maschinen in den Jahren 2018 und 2019 entging. Der Konzern musste damals unter anderem eine Strafe von 243,6 Millionen Dollar zahlen und ein Compliance- und Ethik-Programm umsetzen. Das Justizministerium kam bereits im Mai zu dem Schluss, dass Boeing gegen Auflagen des Deals verstoßen habe.

Boeing habe einige Tage Zeit, zwischen einem SchuldeingestĂ€ndnis und einem Prozess zu entscheiden, hieß es in den Medienberichten. RĂ€umt Boeing die Schuld ein, mĂŒsse der Konzern noch einmal 243,6 Millionen Dollar zahlen und einen Aufseher akzeptieren, schrieb etwa Bloomberg.

Bei AbstĂŒrzen zweier Maschinen des Typs 737-Max im Oktober 2018 und MĂ€rz 2019 waren 346 Menschen ums Leben gekommen. Ein Auslöser der UnglĂŒcke war Ermittlungen zufolge eine Software der Flugzeuge, die Piloten unterstĂŒtzen sollte, aber stĂ€rker als von ihnen erwartet in die Steuerung eingriff. Boeing geriet in die Kritik, weil Mitarbeiter des Flugzeugbauers bei der Zertifizierung des Typs durch US-Behörden spezielle Schulungen fĂŒr die Software fĂŒr unnötig erklĂ€rt hatte.

So schÀtzen die Börsenprofis Produktion/Absatz Aktien ein!

<b>So schÀtzen die Börsenprofis Produktion/Absatz Aktien ein!</b>
Seit 2005 liefert der Börsenbrief trading-notes verlĂ€ssliche Anlage-Empfehlungen – dreimal pro Woche, direkt ins Postfach. 100% kostenlos. 100% Expertenwissen. Trage einfach deine E-Mail Adresse ein und verpasse ab heute keine Top-Chance mehr. Jetzt abonnieren.
FĂŒr. Immer. Kostenlos.
de | NL0000235190 | PRODUKTION/ABSATZ | boerse | 65396582 |