Bedrohung durch Sabotage hat 'erheblich zugenommen'
Veröffentlicht am: 14.09.2026 um 13:18 Uhr | dpa, AD HOC NEWSDabei sei Deutschland "priorisiertes AufklĂ€rungsziel russischer SpionageaktivitĂ€ten", heiĂt es im Jahresbericht des MilitĂ€rgeheimdienstes. Grund dafĂŒr seien die geostrategische Lage Deutschlands in Europa und der Nato, der Aufwuchs der Bundeswehr und die EinfĂŒhrung neuer Waffensysteme.
"Die hybride Bedrohungslage in Deutschland hat sich weiter verschÀrft", stellt der Dienst zudem fest. Hybride Angriffe sind eine Kombination aus militÀrischen, wirtschaftlichen, geheimdienstlichen und propagandistischen Mitteln, die darauf abzielen, andere Staaten zu destabilisieren. Dazu gehören Cyberattacken, Drohnenangriffe, Versuche der politischen Einflussnahme bis hin zu Störangriffen auf Verkehr, Energieanlagen und Telekommunikation.
"Erheblich zugenommen" habe zudem das Bedrohungspotenzial durch Sabotage, die von sogenannten "Low-Level-Agents" verĂŒbt wird, warnt der MAD. In dem Bericht fĂŒr das Jahr 2025 werden zu diesem Themenkomplex keine vergleichenden Zahlenangaben gemacht, um Gegnern keine RĂŒckschlĂŒsse zu ermöglichen.
Ein zentrales Instrument der russischen Informationsbeschaffung im Ausland seien die sogenannten Legalresidenturen, getarnte StĂŒtzpunkte russischer Nachrichtendienste in Botschaften oder halbstaatlichen Vertretungen. Genannt werden auch Presseagenturen.
Mit Sorge sieht der MAD Reisen von Bundeswehrsoldaten. So sei festgestellt worden, "dass trotz der angespannten Sicherheitslage in den letzten Jahren zahlreiche Angehörige der Bundeswehr nach Russland oder Belarus reisten und dabei in das Blickfeld der russischen und belarussischen Nachrichtendienste gerieten". HĂ€ufig handele es sich um Soldaten mit verwandtschaftlichen Beziehungen in diese LĂ€nder. "Hieraus resultiert eine besondere GefĂ€hrdung fĂŒr Erpressungen und Bedrohungen durch die dortigen Sicherheitsbehörden", so der MAD.
Auch China ist in Deutschland aktiv
Der Bericht nennt auch Spionageversuche aus China. So geht der MAD davon aus, dass zumindest einige der AusspĂ€hungen militĂ€rischer Infrastruktur - darunter DrohnenĂŒberflĂŒge und das Eindringen in Liegenschaften der Bundeswehr - auf chinesische Nachrichtendienste zurĂŒckzufĂŒhren sind. Diese setzten auch Teile der chinesischen Diaspora ein.
Mehr VerdachtsfÀlle wegen Rechtsextremismus
Der MAD registriert eine zunehmende Zahl von VerdachtsfĂ€llen wegen Extremismus in der Bundeswehr. "FĂŒr das Jahr 2025 wurde ein Anstieg der Neuaufnahmen der Fallbearbeitungen auf 610 gegenĂŒber 524 im Jahr 2024 verzeichnet", heiĂt es im Jahresbericht.
Dabei gab es vor allem mehr Hinweise auf Rechtsextremismus. So wurden im Jahr 2025 insgesamt 519 sogenannte Fallbearbeitungen in diesem PhÀnomenbereich neu aufgenommen (2024: 413), was einen Anstieg um rund 26 Prozent bedeutet.
Der MAD hat laut Bericht im Jahr vergangenen Jahr 11 Menschen als Rechtsextremisten erkannt (2024: ebenfalls 11) und 21 Personen mit vorhaltbaren Erkenntnissen, die den Verdacht der fehlenden Verfassungstreue begrĂŒnden (2024: 26).
Der Bericht weist auf die VorfĂ€lle um sexualisiertes Fehlverhalten, Drogen und Extremismus bei FallschirmjĂ€gern in ZweibrĂŒcken hin, die wiederholt Schlagzeilen auslösten. Diese FĂ€lle hatten laut MAD "einen signifikanten Einfluss auf die Erhöhung der Anzahl der Neuaufnahmen".
Neue Jugendgruppierungen gewinnen an Einfluss
DarĂŒber hinaus stellt der MAD eine anhaltende "Entgrenzung" des Rechtsextremismus fest: Positionen der extremen Rechten wĂŒrden zunehmend "normalisiert". "Die Grenze des Sagbaren wird weiterhin sukzessive verschoben", heiĂt es in dem Bericht.
Seit Mitte des Jahres 2024 lassen sich nach MAD-EinschĂ€tzung vermehrt neue, rechtsextremistische Jugendgruppierungen feststellen, die sich im virtuellen Raum ĂŒber die Nutzung sozialer Medien etabliert haben. Der Bericht nennt die Gruppierungen "Jung & Stark", "Deutsche Jugend Voran" und "Der Störtrupp". Es konnten "BezĂŒge einiger Angehöriger des GeschĂ€ftsbereichs zu diesen neuen Jugendgruppierungen festgestellt werden".
Diese Gruppierungen sind laut Bericht wiederholt im Zusammenhang mit rechtsextremistischen Störaktionen gegen öffentliche Veranstaltungen zum Christopher Street Day oder Angriffen auf politische Gegner in Erscheinung getreten. Auch die Verfolgung vermeintlich pÀdophiler Personen - sogenanntes "Pedo-Hunting" - zÀhle zu deren Aktionsformen, so der Abschirmdienst weiter.
Der MAD wird gröĂer
Zum Stichtag 1. Dezember 2025 hatte der MAD laut Bericht rund 1.600 Bedienstete. Es laufen Vorbereitungen fĂŒr weitere MAD-Stellen im Inland ĂŒber die bestehenden acht Dienststellen hinaus. Zudem wurden im vergangenen Jahr Planungen fĂŒr eine permanente MAD-Stelle in Litauen abgeschlossen. Dort will die Bundesregierung eine gefechtsbereite Panzerbrigade zum Schutz der Nato-Ostflanke stationieren.
