Sandoz-Chef warnt vor Antibiotika-Dumping aus China
28.05.2026 - 12:37:01 | dpa.deDer Schweizer Generikahersteller Sandoz CH1243598427 schlÀgt Alarm: Die europÀische Antibiotika-Produktion steht nach EinschÀtzung von Chef Richard Saynor zunehmend unter Druck durch internationale Preisverzerrungen und unfaire Wettbewerbsbedingungen.
Besonders kritisch sieht der Unternehmenschef dabei die Rolle chinesischer Anbieter, die den Markt mit stark subventionierten und sehr gĂŒnstigen Antibiotika beeinflussen, wie er am Donnerstag im GesprĂ€ch mit der Schweizer Finanz-Nachrichtenagentur AWP betonte. "Ich denke nicht, dass die Politik das ignoriert", sagt Saynor. Vielmehr seien viele EntscheidungstrĂ€ger in Europa "ĂŒber zu lange Zeit zu zögerlich gewesen".
In der Gesundheitspolitik werde hĂ€ufig "nur der Preis eines Medikaments gesehen, nicht der Wert, den es schafft". Genau darin liege das grundlegende Problem. "Antibiotika werden systematisch unterschĂ€tzt, obwohl sie eine zentrale Rolle fĂŒr die breite Gesundheitsversorgung spielen."
Sandoz kÀmpft derzeit darum, die letzte verbleibende Antibiotika-Fabrik in Europa am Leben zu halten. Die Rede ist von der ProduktionsstÀtte im österreichischen Kundl, deren 80-jÀhriges JubilÀum am Berichtstag gefeiert wird. Gleichzeitig fordert Saynor faire Wettbewerbsbedingungen.
Schritte gegen chinesische Marktverzerrung
Um sich gegen die Marktverzerrungen chinesischer Anbieter zu wehren, hat Sandoz bei der EuropĂ€ischen Kommission einen wegweisenden Entwurf fĂŒr eine Anti-Dumping-Beschwerde gegen chinesische Importe des Antibiotika-Wirkstoffs Amoxicillin eingereicht. Dies kĂŒndigte der Konzern am Donnerstag an. Ob tatsĂ€chlich Dumping vorliege, mĂŒsse nun geprĂŒft werden, betonte der Sandoz-Chef.
Zudem beschreibt der Sandoz-Chef komplexe Lieferketten, ĂŒber die chinesische Wirkstoffe zunĂ€chst nach Indien gelangen, dort verarbeitet und anschlieĂend als gĂŒnstige Fertigarzneimittel nach Europa exportiert werden. Dies fĂŒhre zu einem "doppelten Effekt", der europĂ€ische Produzenten zusĂ€tzlich unter Druck setze.
Mit Blick auf die EU seien beim Thema Antibiotika-Versorgung zwar Fortschritte zu erkennen, etwa im Rahmen des sogenannten Alpbach Communiqués und des geplanten Critical Medicines Act, doch bleibe die Umsetzung unklar.
Das Alpbach Memorandum sieht vor, dass europÀische Staaten mindestens 30 Prozent ihrer Medikamente von vertikal integrierten Herstellern beziehen. Auch der Critical Medicines Act gehe grundsÀtzlich in die richtige Richtung, konkrete Details fehlten jedoch noch. "Jetzt brauchen wir nicht nur GesprÀche, sondern Handlungen", so Saynor.
So schÀtzen die Börsenprofis Aktien ein!
FĂŒr. Immer. Kostenlos.
