Chinas Wirtschaft wÀchst langsamer als erwartet
Veröffentlicht: 15.07.2026 um 08:05 Uhr, dpa.de(Der Text wurde im 7. Absatz mit einer EinschÀtzung der AHK ergÀnzt.)
PEKING (dpa-AFX) - Chinas Wirtschaft ist im zweiten Quartal langsamer als erwartet gewachsen. Das Bruttoinlandsprodukt legte von April bis Juni um 4,3 Prozent gegenĂŒber dem Vorjahreszeitraum zu, wie das nationale Statistikamt in Peking mitteilte. Analysten hatten im Schnitt mit einem Wachstum von 4,5 Prozent gerechnet. Es war das schwĂ€chste Quartalswachstum seit Ende 2022. Im ersten Quartal hatte das Plus noch 5,0 Prozent betragen. Im gesamten ersten Halbjahr wuchs die zweitgröĂte Volkswirtschaft der Welt im Vorjahresvergleich um 4,7 Prozent.
Die Zahlen zeichnen das Bild einer zunehmend zweigeteilten Wirtschaft. Industrie und AuĂenhandel entwickeln sich weiterhin vergleichsweise stark. Konsum, Investitionen und Immobilienmarkt bleiben dagegen schwach. Die starke Auslandsnachfrage stĂŒtzt Chinas Industrie, fĂŒhrt bislang aber nicht zu einer breiten Erholung im Inland.
Chinas Statistiker zeigten sich optimistisch. Der RĂŒckgang des Wachstums im zweiten Quartal sei auf "Ă€uĂere Faktoren" zurĂŒckzufĂŒhren, sagte der Vize-Kommissar des Statistikamtes Mao Shengyong. Er nannte etwa die Konfliktlage im Nahen Osten und ein langsameres Wachstum der Weltwirtschaft. In China sei besonders die Petrochemie-Branche betroffen gewesen. Alle anderen Sektoren hĂ€tten sich jedoch normal entwickelt, erklĂ€rte er.
Produktion und Exporte bleiben stark
Im gesamten ersten Halbjahr wuchs die Industrieproduktion nach Angaben der Statistikbehörde um 5,4 Prozent. Im Juni legte sie um 5,3 Prozent gegenĂŒber dem Vorjahresmonat zu. Vor allem die internationale Nachfrage nach Halbleitern, Computertechnik und Autos stĂŒtzt die chinesischen Hersteller.
Das zeigte sich auch in den am Vortag veröffentlichten Handelszahlen. Die Exporte stiegen im Juni in US-Dollar gerechnet um 27 Prozent gegenĂŒber dem Vorjahresmonat, die Importe legten um 36 Prozent zu.
Der Exportboom dĂŒrfte allerdings die Handelskonflikte weiter verschĂ€rfen. In Deutschland und der EU wird darĂŒber diskutiert, wie mit den rasch steigenden Einfuhren chinesischer Produkte und den ĂberkapazitĂ€ten in einzelnen Industriezweigen umgegangen werden soll.
Binnenmarkt und Immobilien unter Druck
Im Inland bleibt die Lage dagegen schwierig. Die EinzelhandelsumsĂ€tze stiegen im gesamten ersten Halbjahr lediglich um 1,3 Prozent. Die gesamten Anlageinvestitionen gingen von Januar bis Juni um 5,7 Prozent zurĂŒck. Auch fĂŒr deutsche Unternehmen in China ist diese NachfrageschwĂ€che ein Problem. "Die dringend nötige Ankurbelung des Konsums bleibt ganz klar eine unserer zentralen Forderungen", kommentierte Oliver Oehms, geschĂ€ftsfĂŒhrendes Vorstandsmitglied der Deutschen Handelskammer in Nordchina, die aktuellen Zahlen.
Noch stĂ€rker zeigt sich die SchwĂ€che auf dem Immobilienmarkt. Die Investitionen in den Sektor brachen im ersten Halbjahr um 18 Prozent ein. Der Wert der verkauften Neubauimmobilien sank um 13,6 Prozent. Der Abschwung auf dem Immobilienmarkt gilt als Belastung fĂŒr das Vertrauen und die Kaufbereitschaft vieler Haushalte.
Laut Statistiker Mao zeigte eine Umfrage seiner Behörde, dass die Immobilienbranche in diesem Jahr mit stabilen oder sogar steigenden Wohnungspreisen rechne. Erste politische MaĂnahmen, um die Nachfrage anzukurbeln und den Wohnungsbestand zu senken, hĂ€tten Wirkung gezeigt, sagte er.
Hoffnung auf Wachstum durch KI
MinisterprĂ€sident Li Qiang hatte am Montag bei einem Treffen mit Experten und Unternehmern eine stĂ€rkere UnterstĂŒtzung der Wirtschaft und weitere MaĂnahmen zur Belebung der Binnennachfrage gefordert. FĂŒr das Gesamtjahr strebt die chinesische Regierung ein Wachstum zwischen 4,5 und 5 Prozent an. Das Halbjahreswachstum von 4,7 Prozent entspricht damit der Zielspanne fĂŒr das Gesamtjahr.
AuĂerdem fördert China verstĂ€rkt Zukunftsbranchen wie die Entwicklung von KĂŒnstlicher Intelligenz (KI) und erhofft sich dadurch weiteres Wirtschaftswachstum. Der Antrieb dafĂŒr soll nicht nur durch neue Wirtschaftszweige entstehen, sondern auch durch Modernisierung mit KI in traditionellen Branchen.
Unter den fĂŒhrenden Tech-Konzernen wie Alibaba KYG017191142 oder Tencent KYG875721220 herrscht schon lĂ€nger starker Konkurrenzkampf, etwa bei der Integration von KI in ihren Apps. Laut Statistikerin Wang Guanhua trugen IT- und Unternehmensdienstleistungen im ersten Halbjahr etwa ein Viertel zum Gesamtwachstum der Wirtschaft bei.
Zudem habe der weltweite technologische Wandel in der KI die Nachfrage nach Computerchips enorm erhöht, erklÀrte Wang. Im ersten Halbjahr hÀtten Chinas Industrieunternehmen deshalb 279,8 Milliarden Chips hergestellt, ein Anstieg um 23,1 Prozent.
