ROUNDUP, Triebwerksbauer

Triebwerksbauer MTU fĂŒrchtet Iran-Krieg kaum - Aktie gewinnt

30.04.2026 - 12:13:16 | dpa.de

Der Triebwerksbauer MTU DE000A0D9PT0 fĂŒrchtet trotz explodierender Kerosinpreise keine stĂ€rkeren Auswirkungen des Iran-Kriegs auf sein GeschĂ€ft.

Wenn die Treibstoffkosten weiterhin hoch blieben, dĂŒrften Airlines weniger effiziente, also Ă€ltere Flugzeuge am Boden lassen, erklĂ€rte Vorstandschef Johannes Bussmann bei der Vorlage der Quartalszahlen am Donnerstag in MĂŒnchen. MTU sei bei sparsameren Antrieben wie dem Getriebefan fĂŒr die Airbus-Mittelstreckenjets NL0000235190 gut im GeschĂ€ft. Finanzchefin Katja Garcia Vila erwartet daher "keine grĂ¶ĂŸeren Verwerfungen" fĂŒr MTU.

An der Börse kamen die Neuigkeiten und die Quartalszahlen gut an. Die MTU-Aktie gewann bis zum spĂ€ten Vormittag 2,2 Prozent auf 289,60 Euro und gehörte damit zu den grĂ¶ĂŸeren Gewinnern im Dax DE0008469008. Allerdings hat sie seit dem Jahreswechsel fast ein FĂŒnftel ihres Werts eingebĂŒĂŸt.

Analysten zeigten sich von den Quartalszahlen beeindruckt. Vor allem der Anstieg des freien Barmittelzuflusses auf 177 Millionen Euro ĂŒberraschte positiv. Branchenexpertin Meline Kerner von der britischen Bank Barclays erinnerte jedoch daran, dass andere Triebwerkshersteller ihre Erwartungen fĂŒr 2026 zuletzt angehoben hĂ€tten. Daher sei die Entwicklung im ErsatzteilgeschĂ€ft von MTU als eher schwach zu werten.

Im ersten Quartal steigerte MTU den Umsatz im Jahresvergleich um sechs Prozent auf 2,2 Milliarden Euro. Im GeschĂ€ft mit Antrieben fĂŒr Zivilflugzeuge ging der Erlös hingegen um fĂŒnf Prozent zurĂŒck. Dies sei "allein auf US-Dollar-Wechselkurseffekte zurĂŒckzufĂŒhren", sagte Garcia Vila. "Auf Dollar-Basis ist der Umsatz des zivilen TriebwerksgeschĂ€fts um fĂŒnf Prozent gewachsen." Flugzeuge werden weltweit in Dollar gehandelt.

In der Triebwerkswartung zog der Erlös in Dollar sogar um 20 Prozent an - in Euro belief sich der Zuwachs hingegen nur auf acht Prozent. Die Nachfrage nach Triebwerkswartung ĂŒbersteige nach wie vor die KapazitĂ€ten, sagte Bussmann.

Der um Sonderposten bereinigte operative Gewinn (ber Ebit) des Konzerns wuchs unterdessen wie der Gesamtumsatz um sechs Prozent auf 320 Millionen Euro und ĂŒbertraf damit die durchschnittlichen Erwartungen von Analysten. Allerdings zehrten die verĂ€nderten Wechselkurse am Überschuss, wie die Finanzchefin erlĂ€uterte: Der Nettogewinn des Konzerns ging um elf Prozent auf 200 Millionen Euro zurĂŒck.

Obwohl der MTU-Vorstand keine stĂ€rkeren Auswirkungen des Iran-Kriegs auf ihr GeschĂ€ft erwartet, rĂŒstet er sich fĂŒr ungĂŒnstige Entwicklungen. "Wir entwickeln Szenarien fĂŒr den Fall eines lĂ€nger andauernden Kriegsgeschehens und sind bereit, Maßnahmen zu ergreifen, um gegenzusteuern", sagte die Finanzchefin. Im ersten Quartal habe sich der Krieg auf die MTU-Zahlen noch nicht ausgewirkt. Bussmann betonte, dass MTU wo immer möglich auf mehrere Lieferanten setze.

Der Dax-Konzern aus MĂŒnchen baut zusammen mit Partnern an den Antrieben fĂŒr Passagierflugzeuge der Hersteller Airbus, Boeing US0970231058 und Embraer. Am stĂ€rksten gefragt ist der Getriebefan-Antrieb des US-Herstellers Pratt & Whitney, fĂŒr den MTU sogar eine eigene Endmontagelinie betreibt. Der Typ kommt bei dem kleinsten Airbus A220 und bei etwa jedem zweiten Exemplar der Airbus-Modellfamilie A320neo zum Einsatz, der meistgefragten Flugzeugreihe der Welt.

Airbus-Chef Guillaume Faury hat Pratt & Whitney im Februar vorgeworfen, zu wenige Triebwerke zu liefern und damit den Produktionsausbau von Airbus zu bremsen. Erst am Dienstag wiederholte er diese Kritik. MTU-Chef Bussmann erklĂ€rte, MTU habe die eigenen Lieferverpflichtungen jederzeit erfĂŒllt. Zu den GesprĂ€chen zwischen der RTX-Tochter Pratt & Whitney und Airbus könne er sich nicht Ă€ußern. Das höchste prozentuale Umsatzplus erzielte MTU im ersten Quartal im MilitĂ€rgeschĂ€ft: Hier stieg der bereinigte Umsatz um ein Viertel auf 142 Millionen Euro. Dies verdankte der Konzern vor allem den Antrieben fĂŒr den Kampfjet Eurofighter und den MilitĂ€rtransporter A400M.

Hinzu kamen der Erlös aus der Technologieentwicklung fĂŒr den Antrieb des geplanten europĂ€ischen Kampfflugzeugsystems FCAS. Das Projekt steht inzwischen allerdings auf der Kippe, weil sich die Partner Airbus und Dassault Aviation FR0014004L86 grundsĂ€tzlich uneins sind. "Daher ist es auch weiterhin unklar, wie es konkret weitergehen soll", sagte Bussmann. Derzeit versuchen die Regierungen eine Lösung zu finden.

An seinen GeschĂ€ftszielen fĂŒr 2026 hĂ€lt Bussmann unterdessen fest. So rechnet die MTU-Spitze weiterhin mit einem Umsatz zwischen 9,2 und 9,7 Milliarden Euro. Der bereinigte operative Gewinn soll bei 1,35 bis 1,45 Milliarden Euro liegen und damit mindestens so hoch wie im Vorjahr.

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