ROUNDUP, Armeechef

Neuer Armeechef in Kiew soll Offensive verstÀrken

Veröffentlicht am: 22.07.2026 um 15:25 Uhr | dpa.de

Der ukrainische PrÀsident Wolodymyr Selenskyj fordert vom neuen Armeechef Mychajlo Drapatyj (43) eine VerstÀrkung der Angriffe auf Russland.

Das teilte der Generalmajor auf seiner Facebookseite mit: Er solle "die Offensivhandlungen in allen Bereichen fortsetzen und verstÀrken". Dazu gehörten neue Operationen gegen das Hinterland des russischen Angreifers und ein Ausbau der ukrainischen StreitkrÀfte in technologischer Hinsicht.

Unter dem Druck einer tagelangen Protestwelle hatte Selenskyj am Dienstagabend den bisherigen Oberbefehlshaber der StreitkrĂ€fte, Olexander Syrskyj (60), entlassen. EntzĂŒndet hatte sich der Protest an der Entlassung des jungen und bei vielen Ukrainern populĂ€ren Verteidigungsministers Mychajlo Fedorow (35) vergangene Woche.

Dessen Schicksal blieb nach den Umbesetzungen im MilitĂ€r unklar. Selenskyj kĂŒndigte ohne Details eine "wĂŒrdige Aufgabe" fĂŒr Fedorow in der Regierung an, in der er sich um die technische Entwicklung der Ukraine kĂŒmmern könne. Medienberichten zufolge lehnt Fedorow dies aber ab.

Generationswechsel im Kiewer MilitÀr

Drapatyj ist nach Walerij Saluschnyj und Olexander Syrskji der dritte Oberkommandierende der ukrainischen StreitkrĂ€fte, seit Russland im Februar 2022 seine großangelegte Invasion in das Nachbarland begonnen hat. Seine Berufung bedeutet im MilitĂ€r einen Generationswechsel. 17 Jahre jĂŒnger als der noch zu Sowjetzeiten ausgebildete Syrskyj, soll Drapatyj modernere Methoden der Kriegs- und MenschenfĂŒhrung anwenden.

Zum neuen Chef des Generalstabs wurde Ihor Skybjuk (49) ernannt. Der neue Verteidigungsminister Jewhenij Chmara, bislang kommissarisch im Amt, gehört mit 40 Jahren zur gleichen Offiziersgeneration. Mit dieser FĂŒhrung dĂŒrfte die Ukraine noch stĂ€rker auf eine asymmetrische KriegsfĂŒhrung setzen, indem sie ihren technologischen Vorteil bei Drohnen ausspielt und ihre knappe Ressource, nĂ€mlich Soldaten, schont.

Drapatyjs Husarenstreich in Mariupol 2014

Drapatyj ist nach eigenen Angaben seit 26 Jahren Soldat. Er erlangte schon 2014 als Major BerĂŒhmtheit, als er mit einem gepanzerten Mannschaftstransporter eine Straßensperre prorussischer KrĂ€fte in Mariupol durchbrechen ließ. Damals konnte die Hafenstadt von der Ukraine verteidigt werden. In seinem 2022 begonnenen Angriffskrieg eroberte Russland Mariupol.

2024 half Drapatyj als Kommandeur, den russischen Einmarsch in das Gebiet Charkiw zu begrenzen. SpĂ€ter wurde er Befehlshaber der ukrainischen Bodentruppen. Von diesem Posten trat er 2025 zurĂŒck, weil beim Einschlag einer russischen Iskander-Rakete in eine Ausbildungseinheit zwölf Soldaten getötet worden waren. Er ĂŒbernehme die Verantwortung dafĂŒr, dass im Heer Soldaten nicht genĂŒgend geschĂŒtzt worden seien, erklĂ€rte er. Zuletzt befehligte Drapatyj eine Armeegruppe, die fĂŒr die Verteidigung des Gebiets Charkiw zustĂ€ndig ist.

Das Portal "Kyiv Independent" schrieb, der General habe einen Ruf als "der oberste moderne, auf Menschen fokussierte MilitĂ€rfĂŒhrer der Ukraine". In einem Facebook-Eintrag erklĂ€rte Drapatyj seine UnterstĂŒtzung fĂŒr Fedorow und forderte eine Armee-Reform: "Die Armee braucht VerĂ€nderungen, aber ohne Gerechtigkeit sind VerĂ€nderungen fĂŒr die Menschen sinnlos, die diesen Krieg jeden Tag auf ihren Schultern tragen."

Entlassener Armeechef Syrskyj sieht Ukraine in Offensive

Der scheidende Armeechef Syrskyj sieht Kiew in der Offensive im Abwehrkampf gegen Russland. "Ich ĂŒbergebe meinem Nachfolger eine Armee, die nicht nur die Verteidigung hĂ€lt, sondern sich auch im Offensivmodus befindet - mit Initiative, mit Struktur und mit Menschen, die wissen, wie man den Feind besiegt", schrieb Syrskyj zum Abschied auf seinem Telegram-Kanal.

Unter seiner FĂŒhrung sei die Armee von Grund auf verĂ€ndert worden, sagte er. So seien erstmals DrohnenstreitkrĂ€fte gegrĂŒndet worden, die dem Feind keine sicheren RĂŒckzugsgebiete mehr ließen. Das Land habe eine neue eigene Flugabwehr aufgebaut.

In Moskau hieß es, die Umbesetzung werde an der militĂ€rischen Lage nichts Ă€ndern. Kremlsprecher Dmitri Peskow behauptete erneut, russische Truppen rĂŒckten an allen Frontabschnitten vor. Der Personalwechsel zeige aber, dass es Risse in der Kiewer FĂŒhrung gebe, sagte er.

Selenskyj handelte unter Druck

Innenpolitisch bleibt die Lage tatsĂ€chlich schwierig fĂŒr Selenskyj. Er hatte die FĂŒhrungskrise im MilitĂ€r mit einer Regierungsumbildung erst verursacht und musste in tagelangen Beratungen einen Ausweg finden - begleitet von den Protesten fĂŒr Fedorow und gegen Syrskyj. "Es hat sich wieder einmal gezeigt, dass Innenpolitik die schwache Seite der PrĂ€sidentschaft von Wolodymyr Selenskyj ist", kommentierte der Kiewer Politologe Wolodymyr Fessenko auf Facebook. "Und das ist ein ernsthaftes Problem fĂŒr ihn, gerade wenn er Anspruch auf eine weitere Amtszeit erhebt."

NĂ€chtliche Drohnenangriffe

In der Nacht herrschte wieder Luftalarm ĂŒber der Ost- und Zentralukraine wegen angreifender russischer Drohnen. Auch die Hauptstadt Kiew war betroffen. Gleichzeitig meldeten russische Gebiete wie Orjol, Kaluga oder Woronesch zeitweise Drohnen- oder Raketengefahr. In Russland trafen ukrainische Drohnen erneut zwei Lager des grĂ¶ĂŸten russischen Online-VersandhĂ€ndlers Wildberries. Die Behörden sprachen von mindestens zwei Toten und 14 Verletzten.

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