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Europa Schluss: Ölpreis und teils schwache Berichte belasten

Veröffentlicht am: 23.07.2026 um 19:09 Uhr | dpa.de

Der wieder über 100 US-Dollar gestiegene Ölpreis für die Nordseesorte Brent hat am Donnerstag die Anleger verschreckt.

Inflationssorgen und damit die Sorgen über Leitzinsanhebungen beherrschten die Gemüter. Die wie erwartet ausgefallene Entscheidung der Europäischen Zentralbank (EZB), die Leitzinsen im Euroraum unverändert zu lassen, bewegte nicht. Im September könnte aus Sicht von Ökonomen aber eine nächste Zinsanhebung anstehen. Hinzu kamen außerdem zum Teil enttäuschende Quartalsberichte, die zahlreiche Anleger zu Gewinnmitnahmen veranlasste.

Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 EU0009658145 schloss mit minus 1,69 Prozent auf 6.210,17 Punkte nur knapp über seinem kurz zuvor erreichten Tagestief. Außerhalb des Euroraums gab der schweizerische SMI CH0009980894 um 0,71 Prozent auf 14.214,95 Punkte nach. Der britische FTSE 100 GB0001383545 verlor 0,73 Prozent auf 10.639,17 Punkte.

"Die Anleger navigieren derzeit durch ein schwieriges Fahrwasser", so Marktanalyst Timo Emden von Emden Research. "Während geopolitische Risiken für Gegenwind sorgen und die Notenbanken den Takt vorgeben, liefert die Berichtssaison bislang ein gemischtes Bild." Mit Blick auf die Eskalation im Iran-Krieg teilten zuletzt die vom Iran unterstützte Huthi-Milizen mit, sie hätten zwei saudi-arabische Tanker im Roten Meer angegriffen. Dies verschärft den Nahostkonflikt weiter und könnte zu weiteren Versorgungsunterbrechungen zu führen.

Während Europas Öl- und Gasbranche angesichts des kräftigen Ölpreisanstiegs zu den wenigen Gewinnern an diesem Tag zählte, war ausgerechnet die defensive Nahrungs- und Getränkebranche Schlusslicht. Normalerweise entwickelt sie sich in schwierigen Phasen besser als der Gesamtmarkt. Auslöser für dieses ungewöhnliche Bild war der Kurseinbruch des Branchenschwergewichts Nestle CH0038863350.

Der weltgrößte Lebensmittelkonzern hatte sein Wachstumstempo aus eigener Kraft im ersten Halbjahr 2026 zwar gesteigert, allerdings bei gesunkener Profitabilität. Die Nestle-Aktie sackte am SMI-Ende um 8,0 Prozent ab und zog auch andere Branchenkollegen wie Unilever GB00BVZK7T90 als auch Danone FR0000120644 nach unten.

Im Technologiesektor brach die Aktie von STMicroelectronics NL0000226223 nach einer enttäuschenden Umsatzprognose für das laufende Quartal um fast 18 Prozent ein und ist nun zurück auf dem tiefsten Stand seit Mitte Mai. Allerdings hat sich der Aktienkurs trotz dieses Rücksetzers seit Jahresbeginn immer noch mehr als verdoppelt.

Im SMI büßten an zweiter Stelle das Papier von Givaudan CH0010645932 6,1 Prozent ein. Zwar beschleunigte sich das Wachstum des Aromen- und Duftstoffherstellers wieder, doch der Reingewinn ging wegen hoher Sonderkosten für Rechtsfälle kräftig zurück und verfehlte die Prognosen deutlich.

Im Bankensektor gaben Aktien von BNP Paribas FR0000131104 trotz ordentlicher Zahlen um 2,8 Prozent nach. Die Erträge im Aktienhandel waren im zweiten Quartal im Jahresvergleich zwar unerwartet stark gestiegen, im Vergleich zu den großen US-Banken fiel der Zuwachs jedoch eher gering aus. Die Erträge im Handel mit Anleihen, Währungen und Rohstoffen gingen sogar leicht zurück. Dagegen überzeugte in Paris der Autozulieferer Valeo FR0000130338 mit seinem Zahlenwerk und den Aussichten für das zweite Geschäftshalbjahr. Die Aktie gewann 5,6 Prozent.

Der Pharmasektor war der einzige Gewinner neben der Ölbranche. Hier gewannen Roche CH0012032048 5,2 Prozent, nachdem der schweizerische Arzneimittelhersteller den Gewinn im abgelaufenen Jahresviertel kräftig gesteigert hatte und seine Jahresziele bekräftigte. Im EuroStoxx waren die Papiere von Argenx NL0010832176 Spitzenwert mit plus 5,1 Prozent. Bernstein-Analyst Justin Smith attestierte dem niederländischen Pharmakonzern nach vorgelegten Quartalszahlen eine Geschäftsentwicklung von hoher Qualität. RBC-Analyst Luca Issi verwies auf den Umsatz mit dem Muskelschwäche-Medikament Vyvgart, der die Markterwartung solide überboten habe.

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