Bahn, Italo-Einmarsch

Deutsche Bahn AG 0625% 20/ 50: Italo-Einmarsch sorgt für Druck

Veröffentlicht: 04.06.2026 um 14:58 Uhr, Redaktion boerse-global.de

Italienischer Anbieter Italo fordert DB ab 2028 auf Heimatmarkt heraus. Bahn warnt vor Engpässen und fordert fünfjährige Übergangszeit.

Italo plant 2028 Einmarsch: Deutsche Bahn unter Druck
Ein italienischer Hochgeschwindigkeitszug überholt einen deutschen Zug auf parallelen Gleisen, symbolisiert Wettbewerb. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Der Kampf um das deutsche Schienennetz wird konkreter. Das italienische Bahnunternehmen Italo plant ab 2028, die Deutsche Bahn auf deren Heimatmarkt herauszufordern — mit Stundentakt zwischen München, Frankfurt, Köln und Dortmund sowie Zweistundentakt auf der Nord-Süd-Achse. Die Bahn reagiert mit deutlicher Warnung.

Überlastete Knoten, gefährdeter Nahverkehr

Regio-Vorstand Harmen van Zijderveld benennt das Kernproblem direkt: Bahnknoten wie München, Berlin, Hamburg und Frankfurt stoßen bereits jetzt an ihre Kapazitätsgrenzen. Mehr Fernzüge bedeuten nach bestehenden Vorrangregeln automatisch weniger Platz für Regionalbahnen. Die Folge wären ausgedünnte Verbindungen, mehr Verspätungen und verpasste Anschlüsse — auf dem Rücken von täglich fast fünf Millionen Pendlern, die der Regionalverkehr transportiert.

Die Bahn hält im Fernverkehr einen Marktanteil von rund 95 Prozent. Diese Position gibt ihr Gewicht im laufenden Regulierungsverfahren — aber kein Vetorecht. Noch im Juni erwartet das Unternehmen eine Grundsatzentscheidung der Bundesnetzagentur zum möglichen Markteinritt von Italo. Das Ergebnis könnte die Wettbewerbslandschaft auf der Schiene dauerhaft verändern.

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Fünf Jahre Übergangszeit gefordert

Die Deutsche Bahn positioniert sich nicht als Wettbewerbsverweigerer. Van Zijderveld betont, man sei grundsätzlich offen für Konkurrenz — fordert aber mindestens fünf Jahre Übergangszeit. Der Verweis auf die EU-Kapazitätsverordnung, die Deutschland bis 2031 umsetzen muss, ist dabei kein Zufall. Die Bahn argumentiert, dieser Prozess biete die Chance, das gesamte Schienennetz neu zu ordnen, bevor neue Anbieter mit Hochdruck einsteigen.

Für Anleiheinhaber der bis 2050 laufenden Unternehmensanleihe ist das Bild zweischneidig. Mehr Wettbewerb im Fernverkehr belastet mittelfristig Marktanteile und Erlöspotenzial. Ein regulatorisch erzwungener Rückzug aus Kapazitäten im Regionalverkehr wiederum würde den gesellschaftlichen Auftrag der Bahn berühren — und damit auch ihre politische Rückendeckung als staatseigenes Unternehmen. Die Entscheidung der Bundesnetzagentur in den kommenden Wochen gibt erste Antworten auf diese Frage.

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