Deutsche Börse: Rüstung und Industrie führen Börsen-Comeback an
19.04.2026 - 17:09:52 | boerse-global.deNach einer Flaute kehren erstmals wieder namhafte Unternehmen an die Frankfurter Börse zurück, während andere Großprojekte lieber privat verkauft werden. Neue Steuergesetze verändern zudem die Rahmenbedingungen für Börsengänge grundlegend.
Rüstungs-IPO und Energiewende-Pioniere
Den Anfang machte im Januar ASTA Energy Solutions. Der Spezialist für Energieinfrastruktur sammelte rund 166 Millionen Euro ein und erreichte eine Bewertung von etwa 420 Millionen Euro. Die Nachfrage zeigte: Das Thema Energiewende zieht bei Investoren nach wie vor.
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Der eigentliche Aufsehen erregende Schritt folgte im Februar. Die Gabler Group, ein Marinezulieferer, kündigte ihren Gang an den Scale-Segment der Frankfurter Börse an. Mit einer geplanten Bewertung von 266 Millionen Euro startete der handel Anfang März. Gabler ist damit der zweite bedeutende Rüstungs-IPO in Europa in diesem Jahr – ein klares Signal für den Trend hin zu sicherheitsrelevanten Branchen.
Trotz der geringen Anzahl an Neuemissionen überzeugte die Qualität der Unternehmen. Der DAX und der MDAX setzten ihre monatelange Aufwärtsbewegung fort und legten im Februar um 3,0 Prozent bzw. 1,3 Prozent zu.
M&A statt Börse: Die großen Deals bleiben privat
Doch nicht alle Großprojekte schaffen es bis zum Parkett. Hohe Volatilität und geringe Bewertungsunterschiede zwischen privatem und öffentlichem Markt führen dazu, dass Eigentümer lieber den direkten Verkauf wählen.
Das zeigt das Beispiel des Pharmakonzerns Stada. Seit Ende 2024 für einen Milliarden-IPO gehandelt, entschieden sich die Eigentümer für den Verkauf einer Mehrheitsbeteiligung an die Beteiligungsgesellschaft CapVest. Das Volumen: rund 10 Milliarden Euro. Ein ähnliches Schicksal ereilte die deutsche Tochter des Netzbetreibers TenneT. Der Staat kaufte hier für 3,3 Milliarden Euro einen Minderheitsanteil.
Die Quartalsbilanz trübte zudem ein feindlicher Übernahmeversuch. Die italienische UniCredit legte Mitte März ein unerwartetes Kaufangebot über 35 Milliarden Euro für die Commerzbank vor. Vorstandschefin Bettina Orlopp wehrt sich entschieden gegen die Übernahme und pocht auf die Eigenständigkeit der Bank.
Neue Steuergesetze prägen die IPO-Landschaft
Für börsenwillige Unternehmen haben sich zu Jahresbeginn 2026 die steuerlichen Rahmenbedingungen spürbar verändert. Maßgebend ist das Mindeststeuer-Änderungsgesetz, das Vorgaben der OECD umsetzt. Es betrifft alle Steuerperioden ab dem 1. Januar 2026 und bringt neue Regeln für komplexe Gesellschaftsstrukturen.
Gleichzeitig trat das Gesetz für ein steuerliches Sofort-Investitionsprogramm in seine erste Phase. Es sieht vor, den Körperschaftsteuersatz ab 2028 jährlich um einen Prozentpunkt zu senken. Für IPO-Kandidaten sind vor allem zwei Dinge attraktiv: die Wiedereinführung der degressiven Abschreibung für bewegliche Wirtschaftsgüter und erweiterte Forschungsförderungen.
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Die Bürokratie wurde zudem gelockert. Die Aufbewahrungsfrist für Buchungsbelege wurde von zehn auf acht Jahre verkürzt und digitale Steuerverfahren standardisiert.
Ausblick: Warten auf den nächsten Groß-IPO
Für das zweite Halbjahr 2026 bleibt der Fokus auf großen, profitablen Unternehmen. Alle Blicke richten sich auf die mögliche Privatisierung des Energiekonzerns Uniper durch den deutschen Staat. Es wäre der mit Abstand größte Deal des Jahres.
Im Rüstungssektor könnte der Munitionshersteller KNDS noch in der ersten Jahreshälfte an die Börse gehen. Die erfolgreichen Vorgängeremissionen ebnen den Weg. Sollten die erwarteten Zinssenkungen der EZB später im Jahr kommen, könnte sich auch das Fenster für Technologie-IPOs wieder öffnen – etwa für die Neobank OLB oder den Dating-Riesen ParshipMeet Group.
Doch die Lage bleibt fragil. Investmentbanker berichten, dass viele Eigentümer vorsorglich „Dual-Track“-Prozesse vorbereiten. Sollten die Börsenkurse wieder einbrechen, steht der private Verkauf als Plan B bereit. Die Zukunft der deutschen IPO-Börse hängt also weiterhin am seidenen Faden der globalen Stabilität.
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