Deutsche Firmen sind schlecht auf den Ernstfall vorbereitet
Veröffentlicht am: 11.02.2026 um 11:50 Uhr | dpa, AD HOC NEWSBei der Mehrheit der Unternehmen fehlt es zudem an grundlegenden Strukturen fĂŒr den Ernstfall. Lediglich 28 Prozent der Betriebe verfĂŒgen ĂŒber ein etabliertes Krisen- oder Notfallmanagement, ergab eine reprĂ€sentative Befragung von 604 Unternehmen ab 10 BeschĂ€ftigten in Deutschland im Auftrag des Digitalverbands Bitkom. Noch dramatischer sieht es bei der praktischen Erprobung aus: Nur jedes zehnte Unternehmen fĂŒhrt regelmĂ€Ăige KrisenĂŒbungen durch, um AblĂ€ufe fĂŒr Sabotageakte oder Cyberattacken zu trainieren.
Unter hybriden Bedrohungen versteht der Bitkom zum einen physische Angriffe auf Infrastruktur wie zuletzt den Brandanschlag auf das Berliner Stromnetz. Dazu gehören aber auch digitale Bedrohungen wie Desinformationen und Cyberangriffe, die sich ebenfalls gegen die kritische Infrastruktur richten.
Auf Stromausfall schlecht vorbereitet
Auch die physische Absicherung der GeschĂ€ftsfĂ€higkeit weist gravierende LĂŒcken auf. WĂ€hrend immerhin knapp 60 Prozent der Firmen ĂŒber alternative Kommunikationsmittel und funktionierende Backups verfĂŒgen, ist die Energieversorgung ein wunder Punkt: Nur 20 Prozent der Unternehmen haben eine eigene Notstromversorgung installiert.
Neben den technischen Defiziten tappen viele Firmen auch bei der Personalplanung im Dunkeln. Sollte es zu einem BĂŒndnisfall oder einer gröĂeren Krise kommen, mĂŒssten viele BeschĂ€ftigte ihren Dienst bei der Bundeswehr oder im Zivilschutz antreten. Den Unternehmen fehlt hierzu jedoch weitgehend der Ăberblick: Nur 20 Prozent wissen, wie viele ihrer Angestellten im Ernstfall von der Bundeswehr eingezogen wĂŒrden; beim Zivilschutz sind es lediglich 30 Prozent, die Bescheid wissen. Im Durchschnitt rechnen die Unternehmen damit, dass etwa 9 Prozent ihrer Belegschaft in einem solchen Szenario ausfallen wĂŒrden - eine logistische Herausforderung, auf die sich kaum ein Betrieb konkret vorbereitet hat.
Investitionsbereitschaft steigt angesichts der Bedrohungslage
Das Bewusstsein fĂŒr die Defizite scheint jedoch zu wachsen. Rund 37 Prozent der Unternehmen planen, ihre Investitionen in SchutzmaĂnahmen gegen hybride Angriffe im Jahr 2026 zu erhöhen, davon 9 Prozent sogar "deutlich". Dies erscheint angesichts der SelbsteinschĂ€tzung der Wirtschaft dringend nötig: Aktuell bezeichnen sich 40 Prozent der Firmen als "gar nicht" und weitere 38 Prozent als "eher schlecht" auf hybride Angriffe vorbereitet.
Die Ergebnisse der Umfrage unterstreichen, wie sehr die deutsche Wirtschaft von digitaler Infrastruktur abhĂ€ngig ist: Im Schnitt könnten die Unternehmen ihren GeschĂ€ftsbetrieb bei einem Internetausfall nur 20 Stunden aufrechterhalten. Gleichzeitig rechnen 83 Prozent der befragten Firmen damit, dass hybride Angriffe zu einer ernsthaften Krise in Deutschland fĂŒhren werden, und eine Mehrheit von 53 Prozent hĂ€lt sogar einen militĂ€rischen Konflikt zwischen der Nato und Russland in den kommenden fĂŒnf Jahren fĂŒr möglich.
