ROUNDUP, Isar

Deutsche Rakete erreicht Orbit

Veröffentlicht am: 06.09.2026 um 14:05 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Das deutsche Raumfahrtunternehmen Isar Aerospace hat beim zweiten Testflug seiner TrĂ€gerrakete erfolgreich fĂŒnf Satelliten in die Erdumlaufbahn gebracht.

Die Rakete hob am Samstag um 22.12 Uhr vom norwegischen Weltraumbahnhof AndĂžya, wie auf einem Livestream zu sehen war. Kanzler Friedrich Merz (CDU) und Norwegens Regierungschef Jonas Gahr StĂžre gratulierten, Merz wĂ€hlte große Worte: "Das ist der Beginn einer neuen Ära." Die Spectrum-Raketen drei bis sieben sind nach Worten von Isar-Aerospace-Chef Daniel Metzler bereits im Bau. "Europa kann schnell sein und liefern."

Großer Erfolg fĂŒr ein Jungunternehmen

Beim ersten Testflug im MĂ€rz 2025 waren nur 30 Sekunden bis zum Absturz vergangen. Das in Ottobrunn bei MĂŒnchen ansĂ€ssige Unternehmen feierte damit nach monatelangen Verzögerungen und viermaliger Verschiebung des zweiten Testflugs einen großen Erfolg.

Nach Angaben der Moderatoren bei der Live-Übertragung erreichte die 28 Tonnen schwere Rakete knapp vier Minuten nach dem Start eine Flughöhe von etwa 100 Kilometern ĂŒber dem Erdboden - die sogenannte Karman-Linie, die die gedachte Grenze zum Weltall markiert. Auch der weitere Flug der Rakete in den Orbit verlief demnach reibungslos, bis die Spectrum die wissenschaftlichen Satelliten mehrerer UniversitĂ€ten in erdnahen Umlaufbahnen gut 500 Kilometer ĂŒber dem Erdboden aussetzte.

Bei der Live-Übertragung war das Abstoßen der ersten Stufe zu sehen. "Das erste Mal gelingt ein solcher Flug vom europĂ€ischen Kontinent aus in die Erdumlaufbahn", teilte Kanzler Merz in der Nacht mit. Das Unternehmen selbst nannte den erfolgreichen Flug in einer Pressemitteilung einen "Wendepunkt fĂŒr Europa".

"Wir haben in wenigen Jahren erreicht, wofĂŒr die europĂ€ische Raumfahrtindustrie zuvor Jahrzehnte gebraucht hat", erklĂ€rte Metzler. "Europa hat jetzt souverĂ€nen Zugang zum Weltraum."

UrsprĂŒnglich hĂ€tte die Spectrum-Rakete bereits im Januar abheben sollen. Doch der erste Termin wurde wegen eines defekten Ventils verschoben, beim zweiten Anlauf im MĂ€rz kam ein norwegischer Fischer dazwischen, der mit seinem Boot die Sicherheitszone in den GewĂ€ssern vor der Startbasis nicht rechtzeitig verlassen hatte. Im April wurden die Startvorbereitungen wegen eines leckenden DruckbehĂ€lters abgebrochen, im Juni gab es erneut ein Problem.

Isar Aerospace will in diesem und im nÀchsten Jahr weitere Starts in Norwegen folgen lassen. Ab Anfang 2028 sollen die Spectrum-Raketen auch von einer geplanten zweiten Startbasis in Kanada abheben, im GesprÀch sind nach Angaben von Isar Aerospace-Missionschef Alexandre Dalloneau auch Starts vom Weltraumbahnhof Kourou in Französisch-Guayana.

Erfolg des Unternehmens von strategischer Bedeutung fĂŒr Europa

Die Spectrum soll nach der Serienreife sogenannte zivile und militĂ€rische Satelliten in erdnahe Umlaufbahnen bringen, geplant ist die Produktion von 40 Raketen im Jahr. Kanzler Merz' ĂŒberschwĂ€nglicher GlĂŒckwunsch erklĂ€rt sich auch daraus, dass sowohl die Bundesregierung als auch die EU und andere europĂ€ische Staaten ein strategisches Interesse am Erfolg des Unternehmens mit seinen guten 400 Mitarbeitern haben.

AbhÀngigkeit von US-Technik und SpaceX soll schwinden

Grund ist die derzeitige weitgehende UnfĂ€higkeit Europas, Satelliten mit eigener Technik ins All zu schießen. Seit langem wird die große Mehrheit der europĂ€ischen Satelliten von SpaceX <US84615Q1031 ins All befördert. Das ist bei europĂ€ischen Raumfahrtunternehmen unpopulĂ€r, weil die Auftraggeber in den USA die technischen Spezifikationen ihrer Satelliten offenlegen mĂŒssen. Nach Angaben von Isar Aerospace starteten die USA im vergangenen Jahr 198 Raketen, Europa lediglich acht.

"Strategischer Zugang zum Weltraum und nicht abhĂ€ngig zu sein von einem Monopol, ist offen gesprochen extrem wichtig fĂŒr unsere Sicherheit, fĂŒr unsere Wirtschaft, fĂŒr unsere strategische Autonomie", sagte Metzler am Sonntagmorgen. In die Schar der Gratulanten reihten sich Wissenschaftsministerin Dorothee BĂ€r und Bayerns MinisterprĂ€sident Markus Söder (beide CSU) ein.

Isar Aerospace hat nach Firmenangaben bislang ĂŒber eine halbe Milliarde Euro Investorengelder eingeworben. Zuletzt hatte das Jungunternehmen einen Vertrag ĂŒber 200 Millionen Euro mit der EuropĂ€ischen Weltraumbehörde ESA unterzeichnet - Teil eines ESA-Programms, das die Entwicklung europĂ€ischer TrĂ€gerraketen beschleunigen soll.

Rund 60 Prozent der Anfragen an Isar Aerospace kommen mittlerweile aus dem militĂ€rischen Bereich, wie Vorstandschef Metzler im FrĂŒhjahr berichtet hatte. Laut Unternehmen ist Isar Aerospace jetzt schon mit AuftrĂ€gen ĂŒber mehrere hundert Millionen Dollar bis zum Jahr 2028 ausgebucht, obwohl die Rakete nicht serienreif ist. Kanzler Merz hatte das GelĂ€nde in AndĂžya am 13. MĂ€rz gemeinsam mit dem norwegischen Regierungschef StĂžre besucht.

Auch die verspÀtete Ariane 6 soll in Schwung kommen

GrĂ¶ĂŸere Höhen im All wird die bayerische Spectrum-Rakete jedoch auch dann nicht ansteuern können, wenn sie eines Tages die Serienreife erreicht. Daran arbeitet die französisch-deutsche ArianeGroup, die in diesem Jahr insgesamt sieben bis acht Raketen des jahrelang verzögerten Typs Ariane 6 starten lassen will. Bisher gab es nach ZĂ€hlung des Fachportals "European Spaceflight" vier Ariane-Starts in diesem Jahr. Anders als die Spectrum ist die Ariane eine große TrĂ€gerrakete, die weit schwerere Nutzlast auch in geostationĂ€re Umlaufbahnen knapp 36.000 Kilometer ĂŒber dem Erdboden befördern kann.

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