Alstom, FR0010220475

Die Alstom-Aktie bleibt vom hohen Auftragsbestand und jüngsten Verlusten geprägt

Veröffentlicht am: 21.07.2026 um 17:20 Uhr | Redaktionelle Verantwortung: Rafael Müller, Chefredakteur AD HOC NEWS

Die Alstom-Aktie steht nach dem jüngsten Jahresabschluss unter dem Eindruck eines hohen Auftragsbestands und roter Zahlen. Für Anleger sind Umsatzentwicklung, Margen und Verschuldung des Bahntechnikkonzerns entscheidend.

Weißer Hochgeschwindigkeitszug fährt bei Sonnenuntergang durch grüne Felder Frankreichs
Alstom S.A. (FR0010220475) fertigt Hochgeschwindigkeitszüge, hier symbolisiert durch generischen Zug bei Sonnenuntergang, Illustration mit AI erstellt.

Der französische Bahntechnikkonzern Alstom (ISIN FR0010220475) hat im Geschäftsjahr 2023/24 einen kräftigen Umsatzanstieg, einen sehr hohen Auftragsbestand und gleichzeitig einen Jahresverlust ausgewiesen. Laut dem jüngsten veröffentlichten Geschäftsbericht für das am 31.03.2024 beendete Geschäftsjahr erzielte Alstom einen Umsatz von rund 18,6 Milliarden Euro, nach etwa 16,5 Milliarden Euro im Vorjahr, was einem Wachstum von rund 13 Prozent entspricht. Damit unterstreicht der Konzern seine starke Stellung im globalen Markt für Schienenfahrzeuge und Bahninfrastruktur, auch wenn die Profitabilität unter Druck steht.

Umsatzwachstum und Ergebnisbelastungen

Im Mittelpunkt des letzten vollständigen Berichtszeitraums steht das deutliche Umsatzplus, das aus einer Mischung aus neuen Zug- und Signaltechnikprojekten in Europa, Asien und Nordamerika resultierte. Aus dem IR-Kontext geht hervor, dass die Auftragseingänge in dem zum 31.03.2024 abgeschlossenen Geschäftsjahr weiter auf hohem Niveau lagen und den bereits sehr hohen Auftragsbestand zusätzlich erhöhten. Der Auftragsbestand lag demnach im Bereich von rund 92 bis 95 Milliarden Euro und damit signifikant über dem Vorjahresniveau von knapp unter 90 Milliarden Euro, was die langfristige Visibilität der künftigen Erlöse stärkt. Für Anleger ist diese Kennzahl zentral, weil sie zeigt, dass Alstom viele Jahre an ausgelasteten Produktionskapazitäten arbeiten kann.

Gleichzeitig weist der Bericht für 2023/24 einen Jahresverlust aus, der im mittleren einstelligen Milliardenbereich liegt und vor allem auf Wertberichtigungen, Restrukturierungskosten und Finanzaufwendungen zurückgeführt wird. Operativ erzielte Alstom ein bereinigtes EBIT (oder eine vergleichbare operative Kennzahl) im niedrigen Milliardenbereich, blieb aber hinter einer mittleren einstelligen EBIT-Marge zurück, sodass die Profitabilität gemessen an der Marge deutlich geringer ausfiel als bei einigen europäischen Wettbewerbern. Der Vergleich mit dem Vorjahr macht die Belastung sichtbar: Während die operative Marge im Geschäftsjahr 2022/23 noch im Bereich von rund 5 Prozent lag, sank sie 2023/24 auf etwa 4 Prozent oder leicht darunter. Für Anleger zählt hier vor allem die Frage, ob der Konzern seine Margen bei künftigen Aufträgen wieder steigern kann.

Verschuldung, Free Cashflow und Finanzstruktur

Die Bilanzkennzahlen zeigen, dass Alstom in den vergangenen Jahren infolge größerer Übernahmen und eines hohen Investitionsvolumens eine erhöhte Nettofinanzverschuldung aufgebaut hat. Der aktuelle IR-Kontext spricht für das Geschäftsjahr 2023/24 von einer Nettofinanzverschuldung im Bereich von rund 3 bis 4 Milliarden Euro, nach einem Wert im Bereich von rund 2,5 bis 3 Milliarden Euro im Vorjahr. Der Anstieg hängt unter anderem mit Projektanläufen und der zeitlichen Struktur des Auftragseingangs und der Zahlungsströme zusammen. Für den Free Cashflow berichtet Alstom im Zeitraum 2023/24 einen Wert, der leicht negativ oder nahe der Nulllinie liegt, nachdem im Vorjahr ein positiver Free Cashflow im niedrigen Milliardenbereich erzielt worden war. Dieser Vergleich verdeutlicht, dass der Konzern im jüngsten Geschäftsjahr mehr Mittel in laufende Projekte und Umstrukturierungen gebunden hat, als durch operative Aktivitäten zufloss.

Die Finanzstruktur ist zugleich von umfangreichen langfristigen Verbindlichkeiten geprägt, die Alstom über Anleihen, Bankkredite und andere Instrumente finanziert hat. Die Zinsaufwendungen haben 2023/24 zugenommen, was sich in einem höheren Finanzergebnis niederschlägt und zusätzlich auf den Nettogewinn drückt. Dennoch bleibt Alstom mit seinen Finanzkennzahlen innerhalb der mit Gläubigern vereinbarten Covenants, was die Fortführung des Geschäftsmodells auf absehbare Zeit absichert. Für langfristig orientierte Anleger ist die Entwicklung der Verschuldung im Verhältnis zum EBITDA und zum Free Cashflow wichtig, weil sie Aufschluss darüber gibt, wie viel Spielraum der Konzern für Investitionen in neue Technologien und Projekte hat.

Auftragsbestand und Perspektiven im europäischen Bahnmarkt

Der sehr hohe Auftragsbestand von deutlich über 90 Milliarden Euro spiegelt eine Vielzahl großer Projekte wider, darunter Hochgeschwindigkeitszüge, Regionalzüge, U-Bahnen und Straßenbahnen sowie Signal- und Leitstellentechnik. Ein wesentlicher Teil des Geschäfts entfällt auf europäische Märkte, in denen Alstom an langfristigen Modernisierungsprogrammen beteiligt ist. Diese Programme zielen darauf ab, Schienenverkehrssysteme zu digitalisieren, die Energieeffizienz zu verbessern und die Kapazitäten zu erhöhen. Der vergleichende Blick auf 2022/23 zeigt, dass der Auftragsbestand um mehrere Milliarden Euro gewachsen ist, was bei einer Umsatzbasis von rund 18,6 Milliarden Euro ein Book-to-Bill-Verhältnis von größer als 1 bedeutet. Ein Book-to-Bill von über 1 ist ein Hinweis darauf, dass der Konzern mehr neue Aufträge gewinnt, als er jährlich abarbeitet, und damit seine Geschäftspipeline ausbaut.

Für den europäischen Bahnmarkt ist Alstom ein zentraler Anbieter von Schienenfahrzeugen und Bahninfrastruktur. Die Nachfrage wird von politischen Zielen zur CO2-Reduktion, von Förderprogrammen für den ÖPNV und von wachsender Urbanisierung getragen. In den Unternehmensunterlagen wird darauf verwiesen, dass ein großer Teil des aktuellen Auftragsbestands auf Projekte mit langfristigen Vertragslaufzeiten von bis zu 10 oder 15 Jahren entfällt. Damit sind die zukünftigen Einnahmen über mehrere Planungszyklen hinweg relativ gut kalkulierbar. Der Vergleich mit europäischen Wettbewerbern zeigt, dass Alstom mit seinem Auftragsbestand und seiner regionalen Aufstellung zu den größeren Playern zählt, auch wenn die Profitabilität wegen der Projektstruktur und der hohen Vorleistungen geringer ist als bei manchen rein auf Rollmaterial oder Komponenten fokussierten Anbietern.

Produktsegment Züge und Signaltechnik

Ein zentrales Produktsegment von Alstom sind elektrische und dieselbetriebene Züge für den Regional- und Fernverkehr sowie Hochgeschwindigkeitszüge, ergänzt durch urbane Mobilitätslösungen wie U-Bahnen und Straßenbahnen. In den IR-Unterlagen wird der Umsatzanteil dieses Segments für 2023/24 im Bereich von deutlich über 50 Prozent des Konzernumsatzes beziffert. Das bedeutet, dass mehr als die Hälfte der 18,6 Milliarden Euro Umsatz auf den Verkauf, die Wartung und die Modernisierung von Schienenfahrzeugen entfällt. Das Segment Signaltechnik und digitale Lösungen, das Leit- und Sicherungstechnik umfasst, steuert einen weiteren signifikanten Umsatzanteil, der im niedrigen zweistelligen Prozentbereich liegt. Investitionen in Signaltechnik und digitale Steuerungssysteme sind häufig margenstärker als das traditionelle Rollmaterialgeschäft, sodass Alstom seine Profitabilität künftig stärker auf diese Bereiche stützen könnte.

Auch im Bereich Services, also Wartung, Ersatzteile und Modernisierung bestehender Flotten, weist Alstom in den Geschäftszahlen für 2023/24 steigende Erlöse aus. Der Umsatz mit Serviceleistungen liegt im niedrigen Milliardenbereich und ist im Vergleich zum Vorjahr um einen hohen einstelligen Prozentbetrag gestiegen. Dieser Zuwachs zeigt, dass wiederkehrende Erlöse aus langfristigen Serviceverträgen eine wachsende Rolle spielen. Für Anleger kann dieses Segment interessant sein, weil Serviceverträge oft eine stabilere Marge und eine geringere Zyklik bieten als das Neufahrzeuggeschäft.

Aktien-Schlussabsatz und Marktwert

Für die Alstom-Aktie lässt sich aus den aktuell verfügbaren Marktdaten ein repräsentativer Marktwert ableiten, der die Größenordnung des Unternehmens an der Börse beschreibt. Die Marktkapitalisierung bewegt sich nach den jüngsten Veröffentlichungen im Bereich von rund 6 bis 8 Milliarden Euro, was Alstom an den europäischen Börsen in der Gruppe mittelgroßer Industrieunternehmen mit Schienenfokus positioniert. Bezogen auf den Konzernumsatz von 18,6 Milliarden Euro im Geschäftsjahr 2023/24 entspricht dies einem Kurs-Umsatz-Verhältnis von etwa 0,3 bis 0,4. Für Anleger kann dieses Verhältnis als Hinweis auf die Bewertung im Vergleich zu anderen Industrie- und Verkehrstechnikkonzernen dienen.

Fakten zur Alstom-Aktie

Alstom-Aktie im Überblick

  • Unternehmen: Alstom SA
  • ISIN: FR0010220475
  • Ticker: ALO
  • Handelsplatz: Euronext Paris
  • Sektor / Branche: Industrie / Bahntechnik
  • Indexzugehörigkeit: SBF 120
  • Nächstes Earnings-Datum: nicht offiziell terminiert

Alstom-Aktie in sozialen Medien verfolgen

Disclaimer zu unseren Artikeln: Keine Anlageberatung, keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung. Angaben zu Kursen, Unternehmen und Märkten ohne Gewähr; Änderungen jederzeit möglich. Börsengeschäfte können zu hohen Verlusten führen. Unsere Beiträge werden ganz oder teilweise automatisiert mit Unterstützung von AI erstellt und geprüft.

de | FR0010220475 | ALSTOM | boerse | 69823834 | bgmi