ParitÀtischer Wolhlfahrtsverband: 'Trauriger Rekord' bei Armut in Deutschland
02.06.2026 - 06:19:30 | dpa.deVon 2024 zu 2025 stieg dieser Anteil laut dem Armutsbericht um 0,6 Prozentpunkte auf 16,1 Prozent der Bevölkerung. "13,3 Millionen Menschen leben hierzulande in Armut - betrachtet man allein die relative Einkommensarmut", so der Verband.
Diese Zahlen hatte das Statistische Bundesamt im Februar bereits mitgeteilt. Offiziell gelten die Betroffenen dabei - auf Basis einer Definition der EuropÀischen Union - als armutsgefÀhrdet. Der Verband unterstreicht nun, dass es einen "einen traurigen Rekord" gegeben habe. In keinem der vorangegangenen Jahre seien so vielen Menschen von Armut betroffen gewesen.
Menschen, denen weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens zur VerfĂŒgung stehen, gelten als armutsgefĂ€hrdet, wie die Statistiker dies nennen, oder als arm, wie es der Wohlfahrtsverband formuliert. Bei Alleinlebenden lag diese Grenze zuletzt bei netto 1.446 Euro im Monat, fĂŒr Haushalte mit zwei Erwachsenen und zwei Kindern unter 14 Jahren bei 3.036 Euro.
"Negative Trendwende"
Nach rĂŒcklĂ€ufigen Quoten von 2020 bis 2023 habe es "eine negative Trendwende" gegeben, betont der Verband. Die Unterschiede zwischen den Regionen sind dabei groĂ. So gebe es in Bayern und Baden-WĂŒrttemberg mit ihrer jeweils starken Wirtschaftsstruktur die niedrigsten Betroffenenquoten, mit 12,6 bzw. 13,2 Prozent.
Die höchsten Anteile an Betroffenen gibt es demnach in Bremen (27,5 Prozent), Sachsen-Anhalt (21,3 Prozent) sowie den Stadtstaaten Hamburg (18,9 Prozent) und Berlin (18,7 Prozent). Besonders betroffen in Westdeutschland seien Regionen wie Trier (21,4 Prozent), Weser-Ems (20,8 Prozent) und Arnsberg (19,6 Prozent), in Ostdeutschland beispielsweise Chemnitz (18,2 Prozent) oder Leipzig (17,4 Prozent).
Armutsfalle Lebensabend?
"Der Lebensabend droht zur Armutsfalle zu werden", schreibt der ParitĂ€tische Wohlfahrtsverband. Die Situation Ălterer sei "angespannt". Den Zahlen zufolge ist fast jede fĂŒnfte Person ab 65 Jahren von Armut betroffen beziehungsweise armutsgefĂ€hrdet.
Auch andere Gruppen sind stÀrker betroffen: Alleinlebende (Quote der Armen bzw. ArmutsgefÀhrdeten: 30,3 Prozent), Alleinerziehende (28,9 Prozent) oder Menschen mit niedrigem Bildungsabschluss (29,1 Prozent).
70 Prozent mit deutscher Staatsangehörigkeit
"Insgesamt zeigen die aktuellen Entwicklungen, dass Armut insbesondere dort zunimmt, wo strukturelle Benachteiligungen bestehen", erlĂ€utern die Autoren des Verbands, "etwa bei geringer Bildung oder eingeschrĂ€nktem Zugang zum Arbeitsmarkt". Vier von fĂŒnf Betroffenen sind demnach nicht erwerbstĂ€tig. 70 Prozent der Betroffenen haben laut dem Armutsbericht die deutsche, 30 Prozent keine deutsche Staatsangehörigkeit.
In vielen Haushalten herrscht akute Finanznot. Bei 6,9 Prozent der Bevölkerung haben die Finanzen laut dem Bericht vergangenes Jahr nicht gereicht, um laufende Kosten zu decken. Oft konnten die steigenden Preise fĂŒr Strom und Heizung nicht bezahlt werden, oft auch kein neuer KĂŒhlschrank oder neuer Herd.
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