BP, GB0007980591

Die BP-Aktie bleibt vom Ölpreis und höheren Gewinnen gestützt

Veröffentlicht am: 20.07.2026 um 06:47 Uhr | Redaktionelle Verantwortung: Rafael Müller, Chefredakteur AD HOC NEWS

Die BP-Aktie reagiert auf robuste Ergebnisse und einen höheren bereinigten Gewinn. Der Öl- und Gaskonzern nutzt den freien Cashflow für Rückkäufe, während der Markt den Kurs weiter eng am Ölpreis ausrichtet.

Fotorealistische Offshore-Ölplattform in der Nordsee bei goldenem Abendlicht mit Helipad
BP plc GB0007980591 betreibt Offshore-Ölplattformen in der Nordsee mit Helipad und Flackerflamme, Illustration mit AI erstellt.

Die BP-Aktie des britischen Energiekonzerns BP (ISIN GB0007980591) steht mit soliden Zahlen und einem anhaltend hohen Ölpreis im Fokus internationaler Anleger. Für das Geschäftsjahr 2023 meldete BP nach eigenen Angaben einen bereinigten Gewinn (adjusted profit) von rund 13,8 Milliarden US-Dollar, nach etwa 27,7 Milliarden US-Dollar im Jahr 2022, und unterstreicht damit die weiterhin hohe Ertragskraft trotz eines deutlichen Rückgangs zum Rekordjahr. Zugleich lag der operative Cashflow 2023 im deutlich zweistelligen Milliardenbereich, was BP einen umfangreichen Einsatz für Schuldenabbau, Dividenden und Aktienrückkäufe ermöglicht.

Gewinne und Cashflow bleiben auf hohem Niveau

Der Gewinnsprung im Jahr 2022 war vor allem durch den starken Ölpreis und hohe Margen im Raffineriegeschäft getrieben; 2023 fiel der Vergleichswert niedriger aus, liegt aber weiterhin deutlich über dem Vorpandemie-Niveau. Während der bereinigte Gewinn 2023 mit rund 13,8 Milliarden US-Dollar etwa um die Hälfte unter dem Rekordniveau des Vorjahres liegt, reflektiert er ein Umfeld, in dem BP seine Kostenstruktur gestrafft und gleichzeitig die Investitionen in klassische Öl- und Gasprojekte sowie in erneuerbare Energien fortführt. Anleger achten dabei besonders auf die Entwicklung des freien Cashflows, der nach Unternehmensangaben im Jahr 2023 ebenfalls im zweistelligen Milliardenbereich lag und damit klar über typischen Niveaus der Jahre vor 2021 liegt.

Aus Sicht des Kapitalmarkts ist insbesondere der Vergleich mit den Jahren vor dem Energiepreisschock relevant: BP hatte in den Jahren vor 2021 regelmäßig deutlich niedrigere Gewinne ausgewiesen, sodass die aktuellen Profitabilitätskennzahlen trotz Rückgangs zum Rekordjahr ein strukturell höheres Ertragsniveau anzeigen. Der Rückgang von etwa 27,7 Milliarden US-Dollar bereinigtem Gewinn 2022 auf rund 13,8 Milliarden US-Dollar 2023 verdeutlicht zugleich, wie stark die Ergebnissituation von Ölpreis, Gaspreisen und Raffineriemargen abhängt.

Dividende und Aktienrückkäufe als Renditetreiber

Ein zentrales Element der BP-Strategie bleibt die Ausschüttungspolitik. Für das Geschäftsjahr 2023 zahlt BP eine Dividende, die im Vergleich zu den Jahren unmittelbar nach dem Deepwater-Horizon-Unglück wieder deutlich höher liegt und sich im Bereich von rund einem US-Dollar je Aktie pro Jahr bewegt, abhängig von der jeweiligen Quartalsdividende und Wechselkursen. Verglichen mit dem stark gekürzten Dividivendenniveau im Jahr 2010 zeigt sich damit eine klare Normalisierung; die Dividende je Aktie liegt heute deutlich über dem Tiefpunkt der damaligen Krise. Hinzu kommen laufende Aktienrückkaufprogramme, über die der Konzern im Jahresverlauf 2023 und Anfang 2024 Aktien im insgesamt mehrstelligen Milliarden-US-Dollar-Volumen eingezogen hat.

Für Anleger entscheidend ist, dass BP den freien Cashflow gezielt für Shareholder-Returns einsetzt, ohne die Investitionen ins operative Geschäft zu vernachlässigen. So fließen jährlich Milliardenbeträge in neue Öl- und Gasprojekte, in die Modernisierung bestehender Anlagen sowie in Projekte zur Dekarbonisierung und zum Ausbau erneuerbarer Energien. Diese Doppelstrategie aus Ausschüttungen und Investitionen wird an den Märkten genau beobachtet, weil sie letztlich darüber entscheidet, ob BP seine Profitabilität auch bei einem moderaten Ölpreis behaupten kann.

Ölpreis, Schuldenabbau und Bilanzstruktur

Die Bilanzstruktur von BP hat sich seit den 2010er Jahren erkennbar verbessert. Während die Nettoverschuldung nach dem Deepwater-Horizon-Unglück einen deutlichen Anstieg verzeichnete, konnte BP in den vergangenen Jahren durch den hohen Cashflow und gezielte Rückzahlung von Verbindlichkeiten die Verschuldungskennzahlen wieder senken. Die Nettoverschuldung liegt heute im niedrigen bis mittleren zweistelligen Milliardenbereich und damit deutlich unter dem Niveau unmittelbar nach der Katastrophe im Golf von Mexiko. Dieser Rückgang der Schuldenlast ist ein wichtiger Faktor dafür, dass Rating-Agenturen BP nicht als hochriskanten Emittenten einstufen.

Gleichzeitig bleibt der Ölpreis der entscheidende externe Faktor für die Ertragslage des Konzerns. Bei Ölpreisen im Bereich von 70 bis 90 US-Dollar je Barrel kann BP seine Investitionen finanzieren, die Dividende zahlen, Aktien zurückkaufen und gleichzeitig Schulden weiter abbauen. Fällt der Ölpreis deutlich darunter, geraten die Margen im Upstream-Geschäft und in der Raffinerie unter Druck; steigt der Ölpreis hingegen wieder klar über 90 US-Dollar, kann BP seine Gewinne und den freien Cashflow weiter erhöhen. Die historische Erfahrung der Jahre 2014 bis 2016 mit sehr niedrigen Ölpreisen zeigt, wie schnell sich Gewinn und Cashflow halbieren können, wenn der Markt dreht.

Segmentstruktur: Öl, Gas und Erneuerbare

BP erzielt den Großteil seines Umsatzes und Gewinns weiterhin im klassischen Öl- und Gasgeschäft. Der Konzern teilt seine Aktivitäten in Upstream (Förderung), Downstream (Raffinerie und Vertrieb) und ein wachsendes Segment für erneuerbare Energien und low-carbon-Lösungen. Im Jahr 2023 stammte der überwiegende Teil des bereinigten Gewinns und des Cashflows aus der Förderung und der Verarbeitung fossiler Energieträger; der Anteil der Erneuerbaren wächst zwar, macht aber bislang nur einen einstelligen Milliardenbetrag beim Umsatz aus. Verglichen mit den frühen 2010er Jahren ist dieser Beitrag jedoch deutlich gestiegen, was den strategischen Umbau widerspiegelt.

In den kommenden Jahren plant BP nach eigener Kommunikationslinie weitere Milliardeninvestitionen in Wind- und Solarprojekte, Wasserstofflösungen und Ladeinfrastruktur für Elektrofahrzeuge. Diese Projekte sollen einerseits neue Erlösquellen eröffnen, andererseits helfen, den CO2-Fußabdruck des Konzerns zu verringern. Der Übergang in eine weniger fossile Energiewelt wird für BP vor allem dann attraktiv, wenn die Rendite auf diese Investitionen mit den klassischen fossilen Projekten mithalten kann. Ein quantitativer Maßstab dafür ist die interne Rendite (IRR) der Projekte, die BP nach eigenen Angaben im Bereich der fossilen Kernprojekte weiterhin im deutlich zweistelligen Prozentbereich anpeilt, während Erneuerbare häufig niedrigere, aber stabilere Renditen versprechen.

BP-Marke und Downstream-Produkt: klassische Treibstoffe

Ein für Verbraucher sichtbares Produkt von BP sind die klassischen Treibstoffe Benzin und Diesel, die an BP-Tankstellen weltweit verkauft werden. Das Downstream-Geschäft mit Kraftstoffen, Schmierstoffen und petrochemischen Produkten liefert stabile Cashflows und trägt im Verbund mit dem Raffineriegeschäft wesentlich zur Profitabilität des Konzerns bei. Jährlich setzt BP über dieses Netzwerk von Tankstellen und Vertriebskanälen weltweit Milliarden Liter Kraftstoff ab; die Margen sind im Vergleich zum Upstream-Geschäft niedriger, aber weniger stark vom Ölpreis abhängig.

Kurs und Bewertung der BP-Aktie

Die BP-Aktie wird primär an der London Stock Exchange gehandelt und ist Bestandteil des FTSE-Index. Die Marktkapitalisierung des Konzerns liegt im mittleren bis hohen zweistelligen Milliarden-US-Dollar-Bereich und spiegelt die Bedeutung von BP als einem der weltweit größten börsennotierten Öl- und Gaskonzerne wider. Bewertungskennzahlen wie Kurs-Gewinn-Verhältnis und Dividendenrendite orientieren sich stark an den Erwartungen für Ölpreis, Gaspreise und Investitionsprogramm.

BP-Aktie im Überblick

  • Unternehmen: BP plc
  • ISIN: GB0007980591
  • Ticker: BP.L
  • Handelsplatz: London Stock Exchange
  • Sektor / Branche: Energie, Öl und Gas
  • Indexzugehörigkeit: FTSE 100
  • Nächstes Earnings-Datum: nicht offiziell terminiert

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