ROUNDUP, Söder

Söder fordert mehr Einsatz in Berlin gegen US-MilitÀrplÀne

05.05.2026 - 15:13:19 | dpa.de

Die Bundesregierung muss sich nach Ansicht von CSU-Chef Markus Söder jetzt mit aller Kraft gegen die US-PlÀne zur Truppenreduzierung in Deutschland wehren.

"Bei aller Coolheit und aller Coolness - das sind ernstzunehmende VorgĂ€nge, wenn Soldaten abgezogen werden", sagte der bayerische MinisterprĂ€sident am Rande von Beratungen seines Kabinetts in BrĂŒssel. Deswegen seien "Achselzucken und Schulterzucken irgendwie zu wenig und ein bisschen Einsatz gefragt".

Söder: Probleme sind "teilweise in Berlin" entstanden

Ohne Kanzler Friedrich Merz (CDU) oder andere Regierungsmitglieder beim Namen zu nennen, machte Söder deutlich, dass er die Verantwortung fĂŒr die jĂŒngste Entwicklung auch in Berlin sieht: "Und wir sind uns auch nicht ganz sicher, ob es wirklich zwingend gewesen ist, dass das passiert ist." Die Probleme seien "teilweise in Berlin" entstanden. "Also mĂŒssen sie dort auch gelöst werden."

Es mĂŒsse nun versucht werden, die genannte Zahl von 5.000 Soldaten, die abgezogen werden sollen, noch einmal deutlich zu reduzieren, so Söder. Und es mĂŒsse aufgezeigt werden, wie wichtig der Standort Deutschland fĂŒr die USA sei. Sollte es zum Abzug kommen, brauche es auch Kompensationen fĂŒr betroffene Regionen, die dĂŒrfe man nicht alleine lassen.

Abzug von 5.000 Soldaten aus Vilseck?

Das US-Verteidigungsministerium hat angekĂŒndigt, rund 5.000 der etwa 39.000 in Deutschland stationierten US-Soldaten abzuziehen. Die AnkĂŒndigung erfolgte vor dem Hintergrund zunehmender Spannungen zwischen US-PrĂ€sident Donald Trump und Merz. Die Soldaten sollen in den nĂ€chsten sechs bis zwölf Monaten verlegt werden - nach Trumps Worten könnten es am Ende sogar "weit mehr" sein.

Der Bayerische Rundfunk berichtete am Montag, dass es um die sogenannte Stryker-Brigade in Vilseck gehen soll. Die 6.600-Einwohner-Stadt Vilseck grenzt an den TruppenĂŒbungsplatz Grafenwöhr, den grĂ¶ĂŸten außerhalb der USA. In den dortigen Rose Barracks sind nach Angaben der Stadt rund 8.000 Soldaten stationiert, hinzu kommen etwa 12.000 Familienangehörige. Sie wohnen auf dem KasernengelĂ€nde oder in einem Umkreis von etwa 20 Kilometern. Überdies gibt es in Vilseck den Angaben nach etwa 1.500 zivile ArbeitsplĂ€tze, die von der Kaserne abhĂ€ngig sind.

Das 2nd Cavalry Regiment in den Rose Barracks stand 2020 schon kurz vor einem Abzug. Damals verhinderte nur die Abwahl Donald Trumps als US-PrÀsident den Abzug.

Söder nennt Überlegungen "Ă€rgerlich und gefĂ€hrlich"

Söder betonte, die ungewisse Situation zeige, wie wichtig es fĂŒr Deutschland sei, selbst militĂ€rische StĂ€rke aufzubauen. "GrundsĂ€tzlich gibt es nur eine echte Alternative auf Dauer: stĂ€rker werden, so der CSU-Chef. Er unterstrich die Notwendigkeit, "mittelfristig" doch die Wehrpflicht wieder einzufĂŒhren. Eine Freiwilligenarmee werde das Ganze nicht schaffen.

Söder nannte den drohenden US-Truppenabzug ebenso wie einen möglichen Verzicht der US-Regierung auf eine Stationierung von Mittelstreckenraketen in Deutschland "Ă€rgerlich und gefĂ€hrlich". ZunĂ€chst brauche es aber Klarheit darĂŒber, "wann, wie, was und wer". AnkĂŒndigungen der USA seien ja manchmal schneller als deren Umsetzung.

CSU-Landesgruppenchef Hoffmann want vor "schwerem Schlag"

Anders als Söder in BrĂŒssel bestĂ€tigte CSU-Landesgruppenchef Alexander Hoffmann in Berlin US-Überlegungen ĂŒber den Abzug einer US-Kampfbrigade aus dem bayerischen Vilseck. Er warnte vor einem "schweren Schlag" fĂŒr Bayern. "Dieser Truppenabzug in Vilseck, wenn er denn kommen sollte, das ist ein schwerer Schlag fĂŒr Bayern, ein schwerer Schlag fĂŒr die Oberpfalz und im Übrigen auch ein schwerer Schlag fĂŒr die Sicherheitsarchitektur innerhalb der Nato", sagte der Chef der CSU-Abgeordneten im Bundestag. Man dĂŒrfe da "nicht einfach zur Tagesordnung ĂŒbergehen".

Hoffmann sagte, dass er noch keine Kenntnis von einer endgĂŒltigen Entscheidung ĂŒber den Abzug aus Vilseck hat. "Im Moment habe ich nur die Information, dass das in Rede stehen soll. Ich habe da im Moment noch nicht die abschließende BestĂ€tigung." Es lohne sich daher, da "noch alle Leitungen in die USA glĂŒhen zu lassen" und den Amerikanern deutlich zu machen, dass US-Truppen auf deutschem Boden in ihrem eigenen Interesse seien.

Söder Ă€ußerte sich vorsichtiger: "Wir wissen noch nicht endgĂŒltig, ob es so ist, dass US-Truppen abgezogen werden, und wenn - so deutet sich die Nachrichtenlage an - aus Bayern. Das ist genauso Ă€rgerlich, wie es gefĂ€hrlich ist, dass Amerika ĂŒberlegt, die Mittelstreckenwaffen nicht zu liefern. Beides ist Ă€rgerlich und gefĂ€hrlich."

EVP-Chef Weber fĂŒrchtet militĂ€rische SchwĂ€chung Europas

EVP-Chef und CSU-Vize Manfred Weber befĂŒrchtet durch einen Truppenabzug aus Vilseck eine deutliche militĂ€rische SchwĂ€chung fĂŒr ganz Europa: "Wenn Amerika diese Truppen jetzt aus Europa zurĂŒckzieht, hat Europa keine FĂ€higkeiten mehr, schnell auf Krisen zu reagieren, auf dem europĂ€ischen Kontinent." Es brauche daher sowohl fĂŒr die US-Truppen als auch fĂŒr die Mittelstreckenraketen eine adĂ€quate Kompensation entweder durch die Bundeswehr oder durch eine europĂ€ische Struktur, sagte er in BrĂŒssel. "Es kann nicht sein, dass wir EuropĂ€er nicht in der Lage sind, solche Mittelstreckenraketen selbst eigenstĂ€ndig zu produzieren und zu entwickeln."

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