ROUNDUP, Iran-Krieg

Iran-Krieg belastet FinanzmÀrkte - Gold gefragt

02.03.2026 - 12:41:08 | dpa.de

Die Eskalation des Iran-Konflikts sorgt zum Wochenstart fĂŒr Verunsicherung an den Finanz- und RohstoffmĂ€rkten.

Vor allem der Anstieg der Gas- und Ölpreise infolge der EinschrĂ€nkung des Schiffsverkehrs durch die Straße von Hormus birgt Risiken fĂŒr die Weltwirtschaft. Die Straße ist ein Nadelöhr des weltweiten Energiehandels. Allerdings hatten sich die Angriffe der USA und Israels auf den Iran schon abgezeichnet, Panik an den FinanzmĂ€rkten gab es nicht.

Jetzt kommt es vor allem darauf an, ob der Konflikt lĂ€nger dauert oder zĂŒgig beendet wird. "Bleibt es bei einem kĂŒrzeren Konflikt, werden die wirtschaftlichen Folgen jedenfalls begrenzt bleiben", erklĂ€rt der Chefvolkswirt der VP Bank, Thomas Gitzel.

Der europĂ€ische Gaspreis schnellte am Montag zum Handelsstart um ein Viertel in die Höhe und kam dann nur etwas zurĂŒck. Allerdings ist Erdgas damit gerade einmal so teuer wie zuletzt im Januar, als niedrige Temperaturen in weiten Teilen Europas und vergleichsweise niedrige FĂŒllstĂ€nde der Gasspeicher den Preis nach oben getrieben hatten.

Am Ölmarkt waren in der Nacht zum Montag die Notierungen fĂŒr Brent-Öl aus der Nordsee und Rohöl aus den USA in den ersten Handelsminuten ebenfalls stark gestiegen. Brent erreichte in der Spitze den höchsten Stand seit Juli 2024 und US-Öl auf den höchsten Stand seit Juni 2025. Die Preise kamen danach aber rasch ein gutes StĂŒck zurĂŒck. FĂŒr Brent mussten zuletzt 78,40 Dollar je Barrel (159 Liter) gezahlt werden, fĂŒr US-Öl noch 71,94 Dollar. Das waren jeweils gut sieben Prozent mehr als vor dem Wochenende.

Entscheidend sei nun die Dauer des Konflikts und ob und in welchem Umfang die Straße von Hormus wieder befahrbar werde, erklĂ€rte Analyst Michael Hsueh von Deutsche Bank Research in einer ersten Reaktion. Höhere Ölpreise, ein zunehmender Druck auf US-PrĂ€sident Donald Trump in der Heimat sowie die PrioritĂ€t der Golfstaaten, ihre wirtschaftliche StabilitĂ€t zu sichern, seine einige der SchlĂŒsselelemente mit Blick auf eine mögliche Deeskalation.

Hsueh machte in einer Analyse drei wesentliche Szenarien auf. Sollte die wichtige Ölhandelsroute nach zwei Wochen durch den Iran wieder freigegeben werden und iranische Ölexporte durch SchĂ€den am Logistik-Hub auf der Insel Kharg nicht mehr eingeschrĂ€nkt sein oder Reparaturen rasch vorankommen und die USA Exporte erlauben, wĂŒrde der Brent-Preis nach einem Anstieg bis auf 80 Dollar wohl wieder auf 70 Dollar fallen.

Sollten zumindest einige Schiffe das Nadelöhr noch passieren, rechnet der Deutsche-Bank-Experte mit einem Brent-Preis zwischen 80 und 100 Dollar. Im Falle einer kompletten Schließung der Straße von Hormus - etwa durch eine Verminung durch den Iran und andere Maßnahmen - wĂŒrde der Brent-Preis wohl in Richtung 200 Dollar steigen.

Da höhere Ölpreise die Wirtschaftsleistung drĂŒcken, starteten die AktienmĂ€rkte ĂŒberwiegend mit Verlusten in die Woche. Berechnungen der EuropĂ€ischen Zentralbank zeigten, dass ein Ölpreisanstieg um 10 Prozent mittelfristig das Potenzialwachstum um 0,2 Prozent drĂŒcke, schrieb VP-Bank-Experte Gitzel. Zu einem Ă€hnlichen Ergebnis kĂ€men Berechnungen von Oxford Economics fĂŒr die US-Wirtschaft. Das Potenzialwachstum ist ein Maß fĂŒr die langfristige Wachstumsrate einer Volkswirtschaft bei normaler Auslastung.

In Asien geriet vor allem der japanische Nikkei 225 unter Druck, denn das rohstoffarme Land ist von Energieimporten besonders abhĂ€ngig. Am deutschen Aktienmarkt verdirbt der Ölpreisanstieg den Anlegern die Laune deutlich. Sie hatten vor dem Wochenende noch auf ein Rekordhoch des Dax gehofft. Der deutsche Leitindex gab bis gegen Mittag um 1,7 Prozent nach; auch am US-Aktienmarkt zeichneten sich Verluste ab.

Besonders stark sanken am deutschen Markt und anderswo die Aktienkurse von Chemie- und Touristikkonzernen. Zwar geben Chemieunternehmen Ölpreisschwankungen teils an die Kunden weiter, dennoch können höhere Ölpreise auf die Margen drĂŒcken. Zudem kam der Reiseverkehr in Nahost zum Erliegen. Der Luftraum ist weitrĂ€umig gesperrt, Flugzeuge starten nicht; und auch Kreuzfahrtschiffe fahren nicht ab.

Nach EinschĂ€tzungen von US-PrĂ€sident Trump könnte der Krieg mit dem Iran noch vier Wochen dauern. Gefragt sind in diesem Umfeld daher derzeit RĂŒstungswerte und Aktien von Ölunternehmen sowie ÖlfeldausrĂŒstern.

Zudem setzen Investoren wieder stark auf den "sicheren Hafen" Gold. Der Preis fĂŒr das Edelmetall zog deutlich an, zuletzt mussten fĂŒr eine Feinunze (etwa 31,1 Gramm) fast 5.400 Dollar bezahlt werden - das Rekordhoch von fast 5.600 Dollar von Ende Januar rĂŒckt langsam wieder nĂ€her. Auch der Silberpreis legte zu.

Am Devisenmarkt griffen Investoren beim US-Dollar und beim Schweizer Franken zu, und der Kurs des Euro fiel auf zuletzt 1,1737 Dollar. "ZunĂ€chst einmal profitiert der US-Dollar in Kriegssituationen in der Regel, da er die WeltleitwĂ€hrung ist", so Devisenexpertin Thu Lan Nguyen von der Commerzbank. Zudem dĂŒrfte sich die US-Wirtschaft gegenĂŒber einem möglichen Ölpreisschock als widerstandsfĂ€higer erweisen als die Wirtschaft im Euroraum.

"Der ultimative sichere Hafen unter den WÀhrungen ist aktuell jedoch nicht der US-Dollar, sondern, wie schon im vergangenen Jahr gesehen, der Schweizer Franken", schrieb Nguyen weiter in ihrem Marktkommentar. Das liege weniger an fundamentalen Faktoren, sondern eher daran, dass der Franken diesen Status ohnehin schon habe. Zudem habe die Schweizerische Nationalbank nur noch begrenzte Mittel, den Franken zu schwÀchen. Zuletzt notierte der Euro zu 0,9072 Franken.

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