Aktien Europa: Schwache Halbleiterwerte und Inflationssorgen belasten
Veröffentlicht: 17.07.2026 um 12:09 Uhr, dpa.deIm Laufe des Vormittags glitten die Notierungen dabei zunehmend ins Minus. Neue US-Angriffe gegen den Iran belasteten ebenso wie die krĂ€ftigen Verluste der Halbleiterwerte in den USA und in Fernost. "Gute Quartalsberichte werden nicht mehr gefeiert, sondern seziert - und jeder kleine Makel reicht fĂŒr Gewinnmitnahmen", merkte der Anbieter von Handelsstrategien Index Radar dazu an. "Das sorgt kurzfristig fĂŒr NervositĂ€t."
Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 EU0009658145 sank gegen Mittag um 1,27 Prozent auf 6.203,77 Punkte. AuĂerhalb des Euroraums tendierte der Schweizer SMI CH0009980894 unverĂ€ndert. Der britische FTSE 100 GB0001383545 trat ebenfalls auf der Stelle.
Der bange Blick galt zudem der Inflation. "Die durch den Krieg im Iran hervorgerufenen hohen Energiepreise lassen weiterhin das Inflationsgespenst ĂŒber das Börsenparkett spuken", warnte Marktanalyst Andreas Lipkow vom Broker CMC Markets. "Je lĂ€nger der Krieg im Iran fortgesetzt wird, desto schwerer sind die Folgen fĂŒr die Konjunkturentwicklungen in Europa."
SchwĂ€chster Sektor waren die Technologiewerte. Halbleitertitel litten unter den schwachen Vorgaben und fielen deutlich. So sanken ASML NL0010273215 um 4,3 Prozent. "Aus Euphorie wird Skepsis", stellte Kapitalmarktexperte JĂŒrgen Molnar vom Broker Robomarkets fest. "Nach der monatelangen Rally flieĂt Kapital aus Chip- und KI-Aktien ab." Die Messlatte liege inzwischen so hoch, dass selbst Spitzenzahlen kaum noch Begeisterung auslösten.
Im ebenfalls schwachen Rohstoffsektor gaben Aktien von Yara NO0010208051 um ein Prozent nach. Die Experten von JPMorgan sprachen von schwĂ€cher als erwartet ausgefallenen Ergebnissen zum zweiten Quartal. Die KonsensschĂ€tzungen fĂŒr das Gesamtjahr dĂŒrften unter Druck kommen.
Unter den Reiseaktien schwĂ€chelten Air France-KLM FR001400J770 und sanken um 3,5 Prozent. Die Analysten von Kepler Cheuvreux hatten den Wert auf "Reduce" abgestuft. Die zurĂŒckliegende Rally des Kurses sei ĂŒbertrieben gewesen, so die BegrĂŒndung.
Im Fahrzeugsektor gab es Zahlen aus Schweden. Ein ĂŒberraschend schwaches zweites Quartal belastete dabei die Aktien des Autobauers Volvo Cars SE0021628898, die um sieben Prozent fielen und sich damit den Jahrestiefs von Ende Juni nĂ€herten. Besser hielten sich die Anteile des Lkw-Bauers Volvo AB SE0000115446, die wenig verĂ€ndert tendierten. Der Nutzfahrzeughersteller hatte sich im zweiten Quartal besser als gedacht entwickelt und eine starke Nachfrage nach Lkw verzeichnet.
Anleger hielten sich vermehrt an defensive Sektoren wie Versorger, Nahrungsmittel und Telekommunikation. Die ansonsten soliden Pharmawerte wurden etwas durch die Abgaben von GSK GB0009252882 gebremst, die um drei Prozent nachgaben. Das Unternehmen stellt die Entwicklung von Medikamenten gegen chronischen Husten ein.
