ROUNDUP, Ukraine-Verhandlungen

G7 will Ukraine-Verhandlungen wieder in Gang bringen

16.06.2026 - 07:05:02 | dpa.de

Die G7-Staaten wollen nach der Einigung auf ein Abkommen zur Beendigung des Iran-Kriegs auch die stockenden Ukraine-Verhandlungen wieder in Gang bringen.

An den Beratungen beim Gipfel der fĂŒhrenden demokratischen WirtschaftsmĂ€chte (G7) im französischen Évian will auch der ukrainische PrĂ€sident Wolodymyr Selenskyj teilnehmen. G7-Mitglieder sind neben Deutschland und Frankreich auch Großbritannien, Italien, Japan, Kanada, die USA und die EU. Frankreich hat in diesem Jahr den Vorsitz.

US-PrĂ€sident Donald Trump sagte am Abend bei einem Treffen mit dem französischen PrĂ€sidenten und Gipfel-Gastgeber Emmanuel Macron, er habe am Sonntag sehr gute GesprĂ€che mit Selenskyj und auch Kremlchef Wladimir Putin gefĂŒhrt. "Ich glaube, da können wir etwas erreichen. Wirklich." Er denke, dass beide dafĂŒr offen seien. Nach der Vereinbarung ĂŒber den Iran "werden wir uns darauf konzentrieren und sehen, ob wir das hinbekommen".

Selenskyj spricht von neuer diplomatischer Initiative

Wie das in etwa aussehen könnte, skizzierte Selenskyj bei einem Zwischenstopp in der moldauischen Hauptstadt Chisinau auf dem Weg zum G7-Gipfel. Seinen Angaben nach sei zunÀchst geplant gewesen, Putin an den Genfersee einzuladen - Moskau habe dies aber abgelehnt.

Daher habe er - Selenskyj - mit US-PrĂ€sident Donald Trump darĂŒber gesprochen, ein solches Treffen in den USA zu organisieren. Wenn Trump Putin einen solchen Vorschlag machte, dĂŒrfte es diesem auch deutlich schwerer fallen, ihn zurĂŒckzuweisen, meinte Selenskyj. "Wir werden sehen, was dabei herauskommt", sagte er in einem Video. Selenskyj nahm dabei offenbar Bezug auf ein Telefonat am Sonntag, als er Trump - Ă€hnlich wie Putin - zu dessen 80. Geburtstag gratuliert hatte. Dabei kam auch der Ukraine-Krieg zur Sprache.

Eine BestĂ€tigung aus den G7-LĂ€ndern fĂŒr die ursprĂŒngliche Einladung nach Évian gibt es ĂŒbrigens bislang nicht. Selenskyjs Äußerungen dĂŒrften auch dazu gedacht sein, den Kreml unter Druck zu setzen. Putin hat immer betont, dass er sich mit Selenskyj nur in Moskau oder bei einer endgĂŒltigen Regelung des Konflikts treffen werde. Von ihren Forderungen nach weiteren Gebieten der Ukraine fĂŒr einen Frieden ist die russische FĂŒhrung bislang nicht abgerĂŒckt. Der Kremlchef hatte zuletzt trotz der sich mehrenden Krisenzeichen mehrfach öffentlich erklĂ€rt, dass Russland den Krieg gewinne.

Was der Kanzler und die EU bei Trump erreichen wollen

Kanzler Friedrich Merz wiederum sagte direkt vor dem Abflug zum Gipfel, die Ukraine sei "heute in einer neuen Position der StĂ€rke". Russland könne militĂ€risch nicht gewinnen, zudem sei seine Wirtschaft angeschlagen. Mit der gebotenen ZurĂŒckhaltung sage er: "Erstmals kann sich hier langsam ein Fenster fĂŒr die Diplomatie öffnen. Auch hier liegt eine Chance."

Mit Trump wolle man in Évian ĂŒber jene VorschlĂ€ge sprechen, ĂŒber die Deutschland, Frankreich und Großbritannien kĂŒrzlich in London mit Selenskyj beraten hĂ€tten, sagte der Bundeskanzler. Auch aus der EU kamen hoffnungsvolle Äußerungen. EU-Ratschef AntĂłnio Costa nannte das Treffen mit Trump am Genfersee möglicherweise wegweisend in den BemĂŒhungen um ein Ende des Ukraine-Krieges. "Die Geschlossenheit und Entschlossenheit der G7 sind entscheidend, um dazu beizutragen, diesen Krieg zu beenden und einen gerechten und dauerhaften Frieden zu erreichen."

Mit Spannung wird erwartet, wie sich Trump zu den europĂ€ischen Forderungen Ă€ußert, stĂ€rker in die Verhandlungen mit Moskau einbezogen zu werden. Bislang blieben sie bei direkten GesprĂ€chen außen vor.

Ziehen die G7 Konsequenzen aus Iran-Abkommen?

Zweites großes Thema der Beratungen Trumps mit den ĂŒbrigen Mitgliedern der hochkarĂ€tigen Runde in dem Luxushotel am Genfersee werden mögliche Konsequenzen aus dem Iran-Abkommen sein. Die EuropĂ€er bereiten sich schon lĂ€nger auf eine MilitĂ€rmission zur Sicherung der vom Iran blockierten Straße von Hormus vor. Die Bundesregierung hat die Bereitschaft zur Beteiligung etwa an der MinenrĂ€umung in dem Seeweg erklĂ€rt, diese aber unter anderem von einem Bundestagsmandat abhĂ€ngig gemacht.

Wer zur Unterzeichnung des Iran-Abkommens kommen könnte

Trump schickt seinen Vize JD Vance zur Unterzeichnung des Iran-Abkommens in die Schweiz. Vance werde kommen, sagte der US-PrĂ€sident beim Treffen mit Macron auf eine Journalistenfrage. Trump ließ offen, ob er selbst in irgendeiner Weise beteiligt sein werde. Wer fĂŒr Teheran kommen soll, blieb zunĂ€chst offen.

Trump und JD Vance haben das entsprechende Dokument nach Angaben eines hochrangigen US-Regierungsbeamten bereits digital unterzeichnet. Von iranischer Seite habe der ParlamentsprĂ€sident und ChefunterhĂ€ndler Mohammed Bagher Ghalibaf unterschrieben. Aus Teheran gab es zunĂ€chst keine BestĂ€tigung dafĂŒr.

Katar und die Emirate bei Nahost-Debatte dabei

Am Rande des Gipfels will sich Trump mit dem Emir von Katar, Tamim bin Hamad Al Thani, und dem PrĂ€sidenten der Vereinigten Arabischen Emirate (VAE), Mohammed bin Sajid, treffen. Neben Israel sind unter anderem diese beiden LĂ€nder immer wieder vom Iran mit Drohnen und Raketen angegriffen worden. Zudem sind sie massiv von der Blockade der fĂŒr die weltweite Versorgung mit Öl und Gas wichtigen Straße von Hormus betroffen.

Bei den G7-Beratungen zur Lage in Nahost soll neben dem Emir von Katar und dem PrĂ€sidenten der VAE auch Ägyptens PrĂ€sident Abdel Fattah al-Sisi dabei sein. Die USA und der Iran hatten sich nach wochenlangen Verhandlungen am Sonntag - dem 80. Geburtstag von Trump - auf das Abkommen verstĂ€ndigt. Über dessen Inhalt ist bisher nicht viel bekannt. Experten bewerteten den Deal als Zwischenschritt in einem diplomatischen Prozess mit noch vielen HĂŒrden.

de | boerse | 69549662 |