ROUNDUP, GrĂ¶ĂŸeres

GrĂ¶ĂŸeres Sparpaket fĂŒr stabile KassenbeitrĂ€ge - auch mit Puffer?

16.06.2026 - 15:01:57 | dpa.de

Die gesetzlichen Krankenkassen fordern angesichts stĂ€rker steigender Milliardenausgaben noch NachschĂ€rfungen beim Sparpaket der Bundesregierung fĂŒr stabile BeitrĂ€ge - aber nicht zulasten der Versicherten.

"Es muss aufgestockt werden", sagte der Chef des Spitzenverbands, Oliver Blatt, im brandenburgischen Kremmen. Dabei dĂŒrfe es jedoch keine Mehrbelastungen fĂŒr Beitragszahler, Patientinnen und Patienten geben. Blatt machte deutlich, dass vor allem der Bund und die Pharmabranche dabei im Blick stehen sollten.

Durch eine hohe Ausgabendynamik im ersten Quartal 2026 mĂŒsse unbedingt an der Reform festgehalten werden, auch wenn es allen Beteiligten weh tue, sagte der Verbandschef. Die Leistungsausgaben seien von Januar bis Ende MĂ€rz um 8 Prozent gestiegen und damit stĂ€rker als angenommen. Kostentreiber seien erneut die großen Ausgabenblöcke fĂŒr Klinikbehandlungen (plus 9,4 Prozent), Arzneimittel (6,4 Prozent) und Behandlungen in Praxen (7,3 Prozent) gewesen.

GrĂ¶ĂŸere LĂŒcke 2027 im Blick

Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU) hat angesichts der vorlĂ€ufigen Zahlen schon angekĂŒndigt, dass das Sparziel im Gesetz angehoben werden soll, um Beitragserhöhungen im nĂ€chsten Jahr zu verhindern. Sie erwartet, dass die LĂŒcke 2027 noch um 3,5 Milliarden Euro auf 18,8 Milliarden Euro wĂ€chst. Der vom Kabinett auf den Weg gebrachte Entwurf deckt aber nur 16,3 Milliarden Euro ab. FĂŒr 2,5 Milliarden Euro muss also noch eine Lösung her - mindestens, wenn wieder ein Sicherheitspuffer fĂŒr UnwĂ€gbarkeiten eingebaut werden soll.

Blatt betonte: "Wir wĂŒnschen uns einen grĂ¶ĂŸeren Puffer." So solle vermieden werden, dass es am Ende ein Beitragstabilisierungsgesetz gebe und dennoch die ZusatzbeitrĂ€ge steigen. Die Kassen fordern unter anderem eine stĂ€rkere Mitfinanzierung der Krankenkosten fĂŒr generell gesetzlich versicherte BĂŒrgergeldbezieher aus Steuermitteln aus dem Bundeshaushalt, da bisherige pauschale Zahlungen die Kosten nicht decken. Auch die Pharmabranche solle mehr in die Pflicht genommen werden, sagte Blatt mit Blick auf Rabattregeln.

Der aktuelle Puffer ist schon weg

Die Frage des Puffers ist wegen der neuen FinanzlĂŒcke wieder akut geworden, nachdem der aktuell angelegte Sicherheitsaufschlag schon vor dem Beschluss des Gesetzes nicht mehr ausreicht. Warken hatte zunĂ€chst auch Einsparungen von 19,6 Milliarden Euro und damit ein grĂ¶ĂŸeres Polster angepeilt, um die bisher erwartete LĂŒcke von 15,3 Milliarden Euro abzudecken - im Kabinettsentwurf schmolz der Puffer dann aber auf eine Milliarde Euro zusammen.

Kanzler Friedrich Merz (CDU) hatte deswegen fĂŒr die weiteren Beratungen die Vorgabe formuliert, dass es nicht mehr weniger werden dĂŒrfe. Denn gegen das Sparpaket gibt es heftige Proteste aus dem gesamten Gesundheitswesen und auch in der Koalition noch einige ÄnderungswĂŒnsche. Der straffe schwarz-rote Zeitplan sieht vor, das Gesetz bis zur Sommerpause Mitte Juli zu besiegeln - Verabschiedung im Bundestag möglicherweise schon in der nĂ€chsten Woche.

Begrenzung fĂŒr VergĂŒtungs-Anstiege

Warken plant Ausgabenbremsen bei den VergĂŒtungen fĂŒr Praxen, Kliniken und der Pharmabranche - aber etwa auch höhere Zuzahlungen fĂŒr Medikamente und EinschrĂ€nkungen der kostenlosen Mitversicherung von Ehepartnern.

Basis fĂŒr die Berechnungen ist dabei, den durchschnittlichen Zusatzbeitrag bei 2,9 Prozent zu halten. Auf dieses Niveau hatte das Ministerium die ĂŒbliche Marke fĂŒr 2026 festgelegt, an der sich die Kassen bei den Entscheidungen ĂŒber ihren jeweiligen Zusatzbeitrag orientieren. TatsĂ€chlich liegen die ZusatzbeitrĂ€ge aktuell nach Kassendaten aber bereits höher, nĂ€mlich im Schnitt bei 3,1 Prozent. Zum Gesamtbeitrag, den sich Arbeitnehmer und Arbeitgeber teilen, gehört außerdem der allgemeine Satz von 14,6 Prozent des Bruttolohns.

QualitÀt der Versorgung in Gefahr?

Blatt sagte, man wĂŒrde sich schon damit zufriedengeben, wenn es gelinge, das Niveau von 3,1 Prozent zu halten. Warnungen von ÄrzteverbĂ€nden und Kliniken vor Verschlechterungen des Terminangebots und der Versorgung wegen der Ausgabenbremsen wies er zurĂŒck. "Wir gehen davon aus, dass mit dem Geld, was da ist, eine Milliarde Euro pro Tag, die QualitĂ€t sich nicht verschlechtert. Und wir werden auch darauf achten, dass das nicht passiert."

Die GrĂŒnen-HaushĂ€lterin Paula Piechotta kritisierte, angesichts weiterhin drohender Beitragssteigerungen sei es kaum nachvollziehbar, dass noch immer darĂŒber diskutiert werde, welche ZugestĂ€ndnisse bei Einsparungen in der Pharmaindustrie gemacht werden könnten. Sie warnte davor, die Reform unter diesen UmstĂ€nden in der nĂ€chsten Woche "durch das Parlament zu prĂŒgeln - auf Kosten der GrĂŒndlichkeit und der Ausgewogenheit".

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