Folgen des Iran-Kriegs werden unterschÀtzt
13.03.2026 - 13:10:44 | dpa.deDer Vorsitzende Michael Vassiliadis sagte am Donnerstagabend vor Journalisten, er glaube, dass die Auswirkungen des Iran-Kriegs fĂŒr die Energieversorgung sowie mit steigenden Ăl- und Gaspreisen noch weitgehend unterschĂ€tzt werde. Falls der Iran-Krieg lĂ€nger dauere, könne dies massive Folgen haben.
Die deutsche Wirtschaft befindet sich in einer langen SchwĂ€chephase. Forschungsinstitute wie das Ifo erwarten, dass der Iran-Krieg die Erholung dĂ€mpft. Je lĂ€nger der Krieg andauert, desto schwerwiegender werden nach EinschĂ€tzung der Wirtschaftsforscher die Auswirkungen. Zudem erwarten die Ăkonomen einen zumindest vorĂŒbergehenden Anstieg der Inflation.
Warnung vor "FlÀchenbrand"
Zudem warnte die IG BCE vor einem "unkontrollierten FlĂ€chenbrand" vor allem in der chemischen Grundstoffproduktion. Es drohe der Verlust kompletter Industriecluster. Vassiliadis forderte einen politisch moderierten Prozess fĂŒr eine konzertierte Konsolidierung der Grundstoffchemie in Europa. Die Produktion von Grundstoffen in energieintensiven GroĂanlagen bilde das Herz nahezu jedes chemischen Verbundstandorts. "Werden sie abgeschaltet, fehlen den meist direkt angebundenen Anlagen und Betrieben in der weiteren Wertschöpfungskette Vorprodukte, auf die sie zwingend angewiesen sind." Dies könne Tausende ArbeitsplĂ€tze gefĂ€hrden.
Vassiliadis verwies als Beispiel auf das ostdeutsche Chemiedreieck, wo der US-Konzern Dow Anlagen in Sachsen und Sachsen-Anhalt bis 2027 schlieĂen will. Nach Beobachtung der IG BCE erwĂ€gten viele Grundstoffhersteller in Europa solche Schritte, weil sich am Weltmarkt ĂberkapazitĂ€ten bei Grundchemikalien von geschĂ€tzt gut 20 Prozent gebildet haben. Grund ist eine schwache Nachfrage und eine Schwemme von Importen, vor allem aus China. Das Ăberangebot fĂŒhrt zu Preisdruck in der Chemiebranche. Grundchemikalien dienen dort als Ausgangsstoff fĂŒr viele Folgeprodukte wie Kunststoffe, Ammoniak, Medikamente und Farbstoffe.
Vassiliadis mahnte schnelle Fortschritte bei den Energie- und Emissionskosten an. Im Emissionshandel mĂŒssten kostenlose CO2-Zertifikate an energieintensive Firmen lĂ€nger möglich gemacht werden. Ansonsten wĂŒrden die Kosten etwa in der kriselnden Chemieindustrie weiter nach oben getrieben.
Tarifrunde
Der Iran-Krieg kommt mitten in der Tarifrunde fĂŒr rund 585.000 BeschĂ€ftigte in der Chemie- und Pharmaindustrie, bei der es bisher kein Ergebnis gibt. Die Arbeitgeber fordern angesichts der angespannten wirtschaftlichen Lage LohnzurĂŒckhaltung. "Das geht mit uns nicht", sagte Vassiliadis. Die Gewerkschaft will mit höheren Entgelten die Kaufkraft stĂ€rken. Vassiliadis sagte mit Blick auf die hohen Inflationsraten nach Beginn des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine 2022, bis heute seien die Reallohnverluste nicht ausgeglichen. Jetzt drohten infolge des Iran-Krieges neue InflationsschĂŒbe.
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