GESAMT-ROUNDUP: NÀchster Streik bei Lufthansa trifft Passagiere hÀrter
05.02.2024 - 13:38:08 | dpa.deFĂŒr diesen Mittwoch (7. Februar) hat die Gewerkschaft Verdi das Bodenpersonal mehrerer Lufthansa-Gesellschaften einschlieĂlich der Technik zu einem ganztĂ€gigen Warnstreik aufgerufen. Das Unternehmen wollte am Montag einen Ersatzflugplan erarbeiten und rechnet mit mehr als 100 000 betroffenen Passagieren. Details sollten im Laufe des Montags veröffentlicht werden.
Bestreikt werden am Mittwoch die Lufthansa-Standorte Frankfurt am Main, MĂŒnchen, Hamburg, Berlin und DĂŒsseldorf, wie Verdi ankĂŒndigte. "Wir gehen davon aus, dass 80, 90 Prozent des Lufthansaprogramms und das der Töchter eingestellt wird", sagte ein Verdi-Sprecher am Morgen. Allein am Flughafen MĂŒnchen sind fĂŒr Mittwoch rund 400 FlĂŒge der Lufthansa geplant. Beginnen soll der Warnstreik am Mittwoch um 4.00 Uhr morgens und bis Donnerstag um 7.10 Uhr andauern.
Bei der kleineren Lufthansa-Ferienflugtochter Discover Airlines zeigte ein Streik der Piloten schon vorher Wirkung: Am Montag, dem zweiten Streiktag, waren in Frankfurt nur zwei von ursprĂŒnglich zwölf geplanten AbflĂŒgen möglich, wie aus dem Online-Abflugplan des Flughafens hervorging. Neun FlĂŒge waren gestrichen und eine Verbindung nach Windhoek in Namibia wurde auf Dienstag verspĂ€tet. Auch am Sonntag waren 10 von 16 geplanten AbflĂŒgen des Ferienfliegers gestrichen worden. Die von MĂŒnchen aus geplanten Discover-FlĂŒge im Auftrag der Muttergesellschaft Lufthansa sollten von dieser selbst angeboten werden.
Laut Verdi werden am Mittwoch ausschlieĂlich Lufthansa-Gesellschaften mit zusammen rund 25 000 BeschĂ€ftigten bestreikt. Im Einzelnen wurden genannt: Deutsche Lufthansa, Lufthansa Technik, Lufthansa Cargo, Lufthansa Technik Logistik Services sowie Lufthansa Engineering and Operational Services. Insbesondere in MĂŒnchen und Frankfurt könne es dazu kommen, dass streikendes Schalterpersonal der Lufthansa auch fĂŒr Kunden anderer Konzerngesellschaften wie Swiss oder Austrian nicht zur VerfĂŒgung steht. Die Technik wartet auch Maschinen anderer LH-Konzerngesellschaften, und die in DĂŒsseldorf bestreikte Gesellschaft Lufthansa-Leos agiert auch als Bodenverkehrsdienstleister anderer Gesellschaften. Lufthansa geht von 20 000 BeschĂ€ftigten aus, wĂ€hrend Verdi die auĂertariflichen KrĂ€fte mitzĂ€hlt.
Das Unternehmen kritisierte das Vorgehen der Gewerkschaft: "Noch vor Beginn der eigentlichen Verhandlungen ist der Streik auch in LĂ€nge und AusmaĂ völlig unverstĂ€ndlich", hieĂ es. Der Warnstreik belaste GĂ€ste und Mitarbeitende unverhĂ€ltnismĂ€Ăig, meinte Personalvorstand Michael Niggemann. Er verwies auf das aktuelle Angebot, das unter anderem Erhöhungen von VergĂŒtung und Zusatzleistungen von insgesamt ĂŒber 13 Prozent in den nĂ€chsten drei Jahren sowie eine signifikante InflationsausgleichsprĂ€mie beinhalte.
Verdi will mit dem Warnstreik den Druck auf die Arbeitgeber erhöhen. Das Angebot in der zweiten Verhandlungsrunde wurde von der Gewerkschaft zurĂŒckgewiesen. Knackpunkte waren laut Verdi etwa die als zu niedrig empfundenen Erhöhungsschritte und die 36-monatige Laufzeit. "Dieser Streik wĂ€re unnötig, wenn Lufthansa den BodenbeschĂ€ftigten die gleichen Erhöhungen zugestehen wĂŒrde wie anderen BeschĂ€ftigtengruppen im Konzern", sagte Verdis VerhandlungsfĂŒhrer Marvin Reschinsky laut Mitteilung. Auch fĂŒr einen besseren Service gegenĂŒber den FluggĂ€sten seien bessere Arbeitsbedingungen des Personals nötig. "Sollte die Lufthansa das nach diesem ersten Warnstreik nicht einsehen, dann sind die BeschĂ€ftigten auch zu lĂ€ngeren Streiks bereit."
Im laufenden Tarifkonflikt fordert Verdi 12,5 Prozent mehr Gehalt, mindestens aber 500 Euro monatlich bei einer Laufzeit von zwölf Monaten. AuĂerdem soll es eine konzernweit einheitliche InflationsausgleichsprĂ€mie in Höhe von 3000 Euro geben. Die nĂ€chste Verhandlungsrunde ist fĂŒr den 12. Februar in Frankfurt am Main geplant. Drei weitere Runden sind laut Verdi vereinbart.
Im Lufthansa-Konzern ist neben der Tochter Discover auch die jĂŒngste Tochter City Airlines fĂŒr die verschiedenen Berufsgruppen untarifiert, sodass dort weitere Konflikte drohen. Bei der Stammgesellschaft Lufthansa hat auch die Kabinengewerkschaft Ufo bereits mit Warnstreik gedroht.
Die FlughĂ€fen sind derzeit hĂ€ufiger Schauplatz von ArbeitskĂ€mpfen. Erst in der vergangenen Woche hatte Verdi einen Warnstreik der LuftsicherheitskrĂ€fte an mehreren FlughĂ€fen organisiert. Hier fielen laut Flughafenverband ADV rund 1100 FlĂŒge aus und 200 000 Passagiere mussten umplanen. ADV-HauptgeschĂ€ftsfĂŒhrer Ralph Beisel kritisierte das Vorgehen scharf: "Die Auseinandersetzung wird erneut auf dem RĂŒcken Unbeteiligter ausgetragen. Der ohnehin durch hemmende Regulierungen benachteiligte Luftverkehrsstandort Deutschland nimmt Schaden. Reisende werden zum Spielball."
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