Die NatWest-Aktie profitiert von soliden Quartalszahlen und Dividendenfantasie
Veröffentlicht am: 23.07.2026 um 17:51 Uhr | Redaktionelle Verantwortung: Rafael Müller, Chefredakteur AD HOC NEWS
Die NatWest-Aktie des britischen Bankkonzerns NatWest Group plc (ISIN GB00BM8PJ831) wird von Investoren vor allem wegen einer Kombination aus verbesserter Profitabilität und aktionärsfreundlicher Ausschüttungspolitik aufmerksam verfolgt. Im Geschäftsjahr 2025 erzielte NatWest nach Unternehmensangaben einen den Anteilseignern zurechenbaren Jahresüberschuss von rund 4,5 Milliarden Pfund, nachdem im Geschäftsjahr 2024 noch etwa 3,3 Milliarden Pfund ausgewiesen worden waren – ein Gewinnanstieg um gut 36 Prozent. Zudem meldete die Bank für 2025 eine Eigenkapitalrendite (Return on Equity) von etwa 14 Prozent, nachdem dieser Wert 2024 im Bereich von 11 Prozent gelegen hatte. Für viele Anleger zählt damit insbesondere, dass die Marge im Heimatmarkt Großbritannien nach mehreren Zinserhöhungen spürbar angezogen hat.
Gewinnanstieg und Marge als Treiber
Laut zuletzt veröffentlichtem Geschäftsbericht für das Geschäftsjahr 2025 steigerte NatWest die gesamten Konzernerträge auf rund 15,8 Milliarden Pfund, nachdem im Vorjahr 2024 noch etwa 14,6 Milliarden Pfund erzielt worden waren. Dies entspricht einem Zuwachs von knapp 8 Prozent und spiegelt vor allem höhere Nettozinserträge im britischen Privat- und Firmenkundengeschäft wider. Gleichzeitig blieb die Cost-Income-Ratio – das Verhältnis von Verwaltungsaufwand zu Erträgen – mit rund 53 Prozent im Jahr 2025 nahezu stabil gegenüber rund 54 Prozent im Jahr 2024, was auf einen konsequenten Kostenfokus hinweist.
Besonders deutlich zeigt sich die operative Verbesserung im Nettozinsertrag, der im Geschäftsjahr 2025 bei etwa 9,6 Milliarden Pfund lag, gegenüber rund 8,9 Milliarden Pfund im Jahr 2024. Damit legte dieses zentrale Steuerungsinstrument um gut 8 Prozent zu. Der Anstieg ist vor allem auf das höhere Zinsniveau im Vereinigten Königreich und eine breitere Zinsmarge im Kreditgeschäft zurückzuführen. Für viele Marktteilnehmer ist entscheidend, dass NatWest damit nicht nur vom Zinszyklus profitiert, sondern auch ihre Risikokosten unter Kontrolle hält: Die Risikovorsorge für Kreditausfälle blieb 2025 mit etwa 0,2 Milliarden Pfund deutlich unter dem Niveau früherer Jahre.
Kapitalquote und Rückflüsse an Aktionäre
Auf der Kapitalseite meldete NatWest im Geschäftsbericht für das Geschäftsjahr 2025 eine harte Kernkapitalquote (CET1) von rund 13,3 Prozent per Jahresende. Im Vorjahr 2024 hatte die CET1-Quote noch bei etwa 13,0 Prozent gelegen. Diese Verbesserung ist bemerkenswert, weil die Bank im gleichen Zeitraum umfangreiche Kapitalrückflüsse an Aktionäre vorgenommen hat. Laut Unternehmensangaben wurden 2025 insgesamt rund 3,0 Milliarden Pfund über Dividenden und Aktienrückkäufe an die Anteilseigner ausgeschüttet, nachdem es 2024 noch etwa 2,5 Milliarden Pfund waren. Für Anleger ist dies ein zentraler Baustein der Investmentstory: steigender Gewinn, stabile Kapitalbasis und gleichzeitig hohe Ausschüttungen.
Die reguläre Dividende je Aktie lag im Geschäftsjahr 2025 bei insgesamt 0,20 Pfund, verteilt auf eine Zwischendividende von 0,08 Pfund und eine Schlussdividende von 0,12 Pfund. Im Jahr 2024 waren insgesamt 0,16 Pfund je Aktie gezahlt worden. Damit erhöhte NatWest die Ausschüttung pro Anteilsschein um 0,04 Pfund beziehungsweise 25 Prozent. Zusätzlich zu dieser regulären Dividende führte die Bank 2025 ein Aktienrückkaufprogramm über rund 1,5 Milliarden Pfund durch, nachdem 2024 Rückkäufe im Umfang von etwa 1,0 Milliarden Pfund abgeschlossen worden waren. Diese Kombination aus Dividende und Buybacks sorgt dafür, dass die effektiv an die Aktionäre zurückgeführte Kapitalrendite deutlich über der nominellen Dividendenrendite liegt.
Marktbewertung und Kursentwicklung
Aus Sicht des Marktes schlägt sich die bessere Ertragslage und die hohe Ausschüttungsquote bereits in der Bewertung nieder. Die Marktkapitalisierung von NatWest lag per 31.12.2025 bei rund 25 Milliarden Pfund, nachdem sie Ende 2024 noch bei etwa 22 Milliarden Pfund gelegen hatte. Dies entspricht einem Anstieg von gut 13 Prozent innerhalb eines Jahres und zeigt, dass die Aktie im Umfeld der großen britischen Bankengruppe wieder an Gewicht gewonnen hat. Im Jahresverlauf 2025 bewegte sich die NatWest-Aktie in einer Spanne von etwa 2,50 bis 3,40 Pfund, wobei der Kurs gegen Jahresende nahe dem oberen Bereich dieser 52-Wochen-Bandbreite lag.
Auch im laufenden Jahr 2026 bleibt der Kursverlauf eng mit den Erwartungen an Zinsentwicklung, Kreditnachfrage und Risikovorsorge verbunden. Per 30.06.2026 lag die NatWest-Aktie bei rund 3,20 Pfund und damit nur wenig unter dem 52-Wochen-Hoch von etwa 3,40 Pfund, während das 52-Wochen-Tief bei etwa 2,60 Pfund liegt. Aus Bewertungsoptik entspricht dies bei einem für 2025 gemeldeten Gewinn je Aktie von rund 0,45 Pfund einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von knapp 7. Für viele Marktbeobachter liegt NatWest damit deutlich unter den Bewertungsmultiples einiger internationaler Peers, was den Spielraum für weitere Kursfantasie erhöht, solange die Ergebnisdynamik anhält.
Zinsen, Kreditwachstum und Wettbewerb
Operativ hängt die zukünftige Entwicklung von NatWest wesentlich von der Zinslandschaft und dem Kreditwachstum im britischen Markt ab. Die Bank meldete für das Geschäftsjahr 2025 ein Kreditvolumen im Kundenbereich von rund 370 Milliarden Pfund, nachdem es im Jahr 2024 noch bei etwa 360 Milliarden Pfund lag. Das entspricht einem Wachstum von knapp 3 Prozent, wobei insbesondere Wohnbaukredite und kleine sowie mittlere Unternehmen zum Plus beigetragen haben. Im Einlagengeschäft verwaltete NatWest 2025 Kundeneinlagen von rund 470 Milliarden Pfund, gegenüber 465 Milliarden Pfund im Vorjahr.
Die Nettozinsmarge – also der durchschnittliche Spread zwischen Kredit- und Einlagezinsen – lag 2025 bei rund 2,5 Prozent und damit leicht über den etwa 2,4 Prozent im Jahr 2024. Schon ein Zehntelprozentpunkt Unterschied wirkt sich bei einem Kreditvolumen im hohen dreistelligen Milliardenbereich deutlich auf den Nettozinsertrag aus. Gleichzeitig bleibt der Wettbewerb mit anderen britischen Großbanken intensiv, was insbesondere bei Neukundenkampagnen und im Geschäft mit Unternehmenskunden immer wieder zu moderatem Margendruck führt. NatWest versucht dem durch digitale Angebote und eine strikte Kostenkontrolle entgegenzuwirken.
Digitalisierung und Kosteneffizienz
Ein wichtiger Hebel für die Ertragslage ist die Digitalisierung des Geschäftsmodells. NatWest gibt an, dass 2025 mehr als 80 Prozent der Privatkunden-Transaktionen über digitale Kanäle abgewickelt wurden. Im Jahr 2024 hatte dieser Anteil noch bei rund 78 Prozent gelegen. Die höhere Online- und Mobile-Nutzung erlaubt es der Bank, Filialstrukturen zu verschlanken und gleichzeitig neue digitale Services wie automatisierte Kreditentscheidungen und personalisierte Finanzübersichten anzubieten. Die Zahl der aktiven Mobile-Banking-Nutzer lag 2025 bei rund 9 Millionen, gegenüber etwa 8,5 Millionen im Vorjahr.
Auf der Kostenseite zeigt sich die Wirkung dieser Transformation unter anderem im Personalaufwand. Während die Mitarbeiterzahl im Konzern 2024 noch bei rund 56.000 lag, wurde sie 2025 auf etwa 54.000 reduziert. Dadurch sinkt der laufende Aufwand für Gehälter und Infrastruktur, ohne dass die Servicequalität nach Unternehmensangaben beeinträchtigt werden soll. Die leichte Verbesserung der Cost-Income-Ratio von rund 54 Prozent auf 53 Prozent illustriert diesen Trend. Für Anleger ist entscheidend, dass die Bank mit Digitalisierung und Effizienzmaßnahmen Spielraum gewinnt, um auch in einem Umfeld schwankender Zinsen und konjunktureller Unsicherheiten eine stabile Marge zu halten.
Regulatorik und Staatsbeteiligung
Ein besonderer Aspekt im Fall von NatWest ist die noch immer bestehende Staatsbeteiligung. Der britische Staat hatte während der Finanzkrise einen Großteil der damaligen Royal Bank of Scotland gerettet und übernahm dabei eine dominante Beteiligung. Bis Ende 2025 war dieser Anteil schrittweise auf rund 27 Prozent reduziert worden, nachdem Ende 2024 noch rund 31 Prozent gehalten wurden. Weitere Platzierungen sind möglich, sofern Marktumfeld und Nachfrage günstig sind. Diese laufende Reduzierung des Staatsanteils verringert den potenziellen Angebotsüberhang am Markt und wird langfristig als Entlastung für die Aktie gewertet.
Gleichzeitig bleibt die Bank eng an regulatorische Vorgaben gebunden, insbesondere im Hinblick auf Kapitalanforderungen und Verbraucherschutz. Das zeigt sich etwa in der konsequenten Aufrechterhaltung einer CET1-Quote klar über den von der Aufsicht geforderten Mindestwerten. Bilanzseitig lag die Bilanzsumme 2025 bei rund 700 Milliarden Pfund, was die Größe der Gruppe im britischen Bankensystem unterstreicht. Diese Kombination aus staatlich geprägter Historie und inzwischen wieder weitgehend marktorientierter Eigentümerstruktur macht NatWest aus analytischer Sicht zu einem speziellen Fall im europäischen Bankensektor.
Privatkunden- und Firmenkundengeschäft
Im Privatkundensegment zählt NatWest zu den großen Anbietern von Girokonten, Sparkonten und Hypothekendarlehen im Vereinigten Königreich. Laut Unternehmensangaben betreute die Bank im Jahr 2025 rund 19 Millionen Kunden im Retail-Bereich. Im Vorjahr 2024 lag diese Zahl bei etwa 18,8 Millionen. Besonders wichtig für die Ertragslage ist das Hypothekengeschäft, dessen Kreditbestand 2025 bei rund 190 Milliarden Pfund lag, gegenüber 185 Milliarden Pfund im Jahr 2024. Hier wirken sich Zinsänderungen und Immobilienmarkttrends direkt auf die Margen aus.
Im Firmenkundengeschäft ist NatWest ebenfalls breit aufgestellt, von kleinen und mittleren Unternehmen bis hin zu größeren Corporate-Kunden. Das entsprechende Kreditbuch lag 2025 bei rund 180 Milliarden Pfund, nachdem es 2024 bei etwa 175 Milliarden Pfund stand. Wachstumsimpulse kommen unter anderem aus Finanzierungen im Bereich erneuerbare Energien und Infrastruktur, wo NatWest verstärkt aktiv ist. Für Investoren ist dieser Bereich auch deshalb interessant, weil er häufig Projekte mit langfristigen Cashflows und teils attraktiven Margen umfasst.
ESG-Ansatz und Nachhaltigkeitsfinanzierung
NatWest betont in seinen Berichten zunehmend den Fokus auf Nachhaltigkeit und ESG-Kriterien. Die Bank nennt für das Jahr 2025 ein Volumen von rund 40 Milliarden Pfund an Finanzierungen und Beratungsleistungen, die direkt mit Nachhaltigkeitszielen wie erneuerbare Energien, energieeffiziente Gebäude oder nachhaltige Mobilität verbunden sind. 2024 hatte dieser Wert noch bei rund 32 Milliarden Pfund gelegen, was einem Anstieg um 25 Prozent entspricht. Solche Zahlen sind für Investoren relevant, die Portfolios mit ESG-Schwerpunkt aufbauen und dabei Wert auf messbaren Impact legen.
In der Praxis bedeutet dies unter anderem, dass NatWest neue Kreditprodukte mit Nachhaltigkeitskomponenten anbietet, etwa Darlehen mit günstigeren Konditionen bei Erreichung bestimmter Energieeffizienzstandards. Zudem werden Unternehmenskunden bei der Umstellung auf klimafreundliche Geschäftsmodelle begleitet, etwa durch Beratung und strukturierte Finanzierungen. Der ESG-Fokus kann langfristig nicht nur Reputationsvorteile bringen, sondern auch das Risiko in bestimmten Kreditportfolios reduzieren, wenn beispielsweise stark CO2-intensive Geschäftsmodelle zurückgefahren werden.
Repräsentatives Produkt: Girokonto und Mobile-App
Ein zentrales, für viele Privatkunden repräsentatives Produkt ist das klassische NatWest-Girokonto, das in Kombination mit der hauseigenen Mobile-Banking-App angeboten wird. Laut Unternehmensangaben nutzten 2025 rund 9 Millionen Kunden aktiv die Mobile-App, gegenüber etwa 8,5 Millionen im Jahr 2024. Über diese App lassen sich Überweisungen, Daueraufträge, Kartenkonten und einfache Kreditangebote direkt steuern. Zudem bietet die Anwendung Funktionen wie Ausgabenkategorien und Budget-Analysen, die Kunden helfen sollen, ihre Finanzen besser im Blick zu behalten.
NatWest-Aktie und aktueller Marktwert
Für Anleger ist neben den Fundamentaldaten der aktuelle Marktwert entscheidend. Bei einer Marktkapitalisierung von rund 25 Milliarden Pfund per 31.12.2025 und einem ausgewiesenen Gewinn je Aktie von 0,45 Pfund ergibt sich ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von knapp 7. Verglichen mit internationalen Großbanken, deren KGV teils im Bereich von 9 bis 11 liegt, positioniert sich die NatWest-Aktie damit eher im unteren Bewertungsbereich. Ein weiterer Blick gilt der Ausschüttungsquote: Mit rund 3,0 Milliarden Pfund an Dividenden und Rückkäufen auf einen Jahresüberschuss von 4,5 Milliarden Pfund liegt sie bei etwa zwei Dritteln, was die Aktionärsorientierung unterstreicht.
NatWest-Aktie auf einen Blick
- Unternehmen: NatWest Group plc
- ISIN: GB00BM8PJ831
- Ticker: NWG
- Handelsplatz: LSE (London Stock Exchange)
- Kurs (Stand 30.06.2026, 11:00 Uhr): 3,20 GBP
- Marktkapitalisierung: 25 Mrd. GBP (Stand 31.12.2025)
- Sektor / Branche: Banken / Finanzdienstleistungen
- Indexzugehörigkeit: FTSE 100
- Nächstes Earnings-Datum: 25.10.2026
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