Die Nikola-Aktie reagiert nach höherem Verlust und Kapitalmaßnahmen
Veröffentlicht am: 18.07.2026 um 20:26 Uhr | Redaktionelle Verantwortung: Rafael Müller, Chefredakteur AD HOC NEWSDer US-Hersteller von batterieelektrischen und wasserstoffbetriebenen Lastwagen Nikola Corporation (ISIN US6541101050) sorgt mit seinen jüngsten Zahlen weiter für Diskussionen unter Anlegern, denn die Nikola-Aktie bleibt nach einem deutlich gestiegenen Verlust je Aktie und laufenden Kapitalmaßnahmen spekulativ. Laut dem Geschäftsbericht für das Jahr 2023 meldete Nikola einen Jahresumsatz von 35,8 Millionen US-Dollar, nachdem im Vorjahr 2022 erst 50,8 Millionen US-Dollar Umsatz erzielt worden waren, was einem Rückgang um rund 29 Prozent entspricht. Gleichzeitig lag der Nettoverlust 2023 bei 966,8 Millionen US-Dollar und damit nur leicht unter dem bereits sehr hohen Fehlbetrag von 784,2 Millionen US-Dollar im Jahr 2022, wobei zusätzliche Abschreibungen und Kosten für den Produktionshochlauf die Bilanz belasteten.
Quartalszahlen zeigen hohe Verluste
Im dritten Quartal 2023 erwirtschaftete Nikola nach eigenen Angaben einen Umsatz von 24,2 Millionen US-Dollar, hauptsächlich aus dem Verkauf von batterieelektrischen und wasserstoffbetriebenen Nikola Tre Trucks sowie aus Serviceleistungen. Im gleichen Zeitraum fiel ein Nettoverlust von 425,8 Millionen US-Dollar an, der deutlich über dem Fehlbetrag von 236,2 Millionen US-Dollar im dritten Quartal 2022 lag und damit einen Anstieg des Quartalsverlusts um rund 80 Prozent dokumentiert. Der Verlust je Aktie belief sich im dritten Quartal 2023 auf 0,50 US-Dollar im Vergleich zu 0,39 US-Dollar je Aktie ein Jahr zuvor, was die Verwässerungseffekte aus Kapitalerhöhungen und den weiter hohen Cashburn sichtbar macht.
Die Bruttomarge blieb auch im dritten Quartal 2023 deutlich negativ; der Konzern berichtete eine Bruttomarge von minus 91,3 Prozent, nachdem im Vorjahr im gleichen Quartal eine Bruttomarge von minus 49,7 Prozent ausgewiesen worden war. Daraus ergibt sich eine Verschlechterung der Bruttomarge um über 40 Prozentpunkte innerhalb eines Jahres, was den Kostendruck beim Produktionshochlauf der Trucks und die noch geringe Auslastung der Fertigung widerspiegelt. Gleichzeitig gab das Unternehmen bekannt, dass der operative Cashflow im dritten Quartal 2023 mit minus 208,8 Millionen US-Dollar weiterhin stark negativ war, während die liquiden Mittel zum Quartalsende bei rund 362 Millionen US-Dollar lagen und damit einen begrenzten Finanzierungsspielraum signalisierten.
Kapitalmaßnahmen und Finanzierung
Zur Sicherung der Finanzierung hat Nikola in den vergangenen Quartalen mehrfach neue Aktien ausgegeben und bestehende Finanzierungsvereinbarungen genutzt. So berichtete das Unternehmen, dass im Laufe des Jahres 2023 insgesamt mehrere hundert Millionen US-Dollar über die Ausgabe neuer Aktien und Wandelschuldverschreibungen eingeworben wurden, wodurch sich die Zahl der ausstehenden Aktien deutlich erhöht hat. Im Geschäftsbericht wird ausgeführt, dass die gewichtete durchschnittliche Zahl der ausstehenden Stammaktien im Jahr 2023 bei rund 640 Millionen Stück lag, nachdem sie 2022 noch im Bereich von etwa 415 Millionen gelegen hatte, was auf eine Verwässerung von gut 50 Prozent innerhalb eines Jahres hindeutet.
Die Nettoverschuldung des Konzerns stieg ebenfalls, da Nikola zusätzlich Fremdkapital zur Finanzierung von Investitionen und operativen Verlusten nutzte. Laut den veröffentlichten Zahlen beliefen sich die langfristigen Verbindlichkeiten zum Jahresende 2023 auf knapp 480 Millionen US-Dollar, verglichen mit rund 380 Millionen US-Dollar ein Jahr zuvor, wodurch sich ein Anstieg um mehr als 25 Prozent ergibt. Gleichzeitig weist Nikola in seinen Unterlagen darauf hin, dass weitere Kapitalmaßnahmen und potenzielle Verwässerung der Aktienbasis möglich sind, falls zusätzliche Mittel für den Ausbau der Wasserstoff-Infrastruktur, die Fertigungskapazitäten und die Deckung der laufenden Verluste benötigt werden.
Produktion und Auslieferungen der E-Lkw
Operativ ist Nikola vor allem mit der Markteinführung und Skalierung des Nikola Tre beschäftigt, eines schweren Lastwagens, der sowohl als batterieelektrische Version (BEV) als auch als wasserstoffbetriebene Brennstoffzellen-Version (FCEV) angeboten wird. Im Jahr 2023 meldete das Unternehmen insgesamt rund 150 ausgelieferte Nikola Tre Trucks, nachdem im Jahr 2022 erst etwa 131 Fahrzeuge ausgeliefert worden waren, was einem leichten Volumenanstieg von gut 14 Prozent entspricht. Allerdings stehen diesen Stückzahlen bereits erhebliche Fixkosten gegenüber, sodass die Produktion trotz höherer Auslieferungen noch nicht profitabel betrieben wird.
Der Auftragsbestand für den Nikola Tre wurde zuletzt im niedrigen dreistelligen Bereich angegeben, wobei ein Teil der Bestellungen von nordamerikanischen Flottenbetreibern stammt, die ihre CO2-Emissionen im Güterverkehr senken wollen. Parallel dazu investiert Nikola in Wasserstoff-Tankstellen und in Kooperationen für die Bereitstellung von grünem oder kohlenstoffarmem Wasserstoff, um Kunden komplette Lösungen aus Fahrzeug und Infrastruktur anzubieten. Die dafür notwendigen Investitionsbeträge summierten sich laut Angaben im Jahr 2023 auf mehrere Dutzend Millionen US-Dollar an Sachinvestitionen und Beteiligungen an Infrastrukturprojekten, was die Kapitalintensität des Geschäftsmodells verdeutlicht.
Marktumfeld und Wettbewerbsdruck
Der Markt für emissionsarme und emissionsfreie schwere Nutzfahrzeuge wächst, ist jedoch hart umkämpft. Nikola konkurriert sowohl mit klassischen Lkw-Herstellern, die eigene Elektro- und Brennstoffzellen-Lösungen entwickeln, als auch mit anderen Spezialisten für Zero-Emission-Trucks. Branchenberichte weisen darauf hin, dass der Gesamtmarkt für elektrische und wasserstoffbetriebene schwere Lkw in Nordamerika bis Ende dieses Jahrzehnts ein jährliches Volumen von mehreren zehntausend Einheiten erreichen könnte. Nikola muss sich daher mit seinen Stückzahlen und seinem Produktportfolio gegen größere Wettbewerber behaupten, die teilweise über erheblich stärkere Kapitalbasis, etablierte Vertriebsnetze und Serviceinfrastruktur verfügen.
Für Anleger ist dabei zentral, ob Nikola die Kostensituation nachhaltig verbessern kann. Die bisher stark negative Bruttomarge zeigt, dass der Konzern dringend höhere Stückzahlen und Effizienzgewinne im Produktionsprozess braucht, um die Verluste zu verringern. Die im Jahr 2023 gegenüber 2022 gesunkenen Umsätze bei gleichzeitig weiter steigenden Verlusten verdeutlichen, dass der Weg zur Profitabilität länger dauern könnte als ursprünglich erhofft. Gerade beim Aufbau einer Wasserstoff-Wertschöpfungskette, die vom Tankstellennetz bis zur Versorgung der Kunden reicht, ist zusätzliches Kapital erforderlich, was die Bedeutung der Finanzierungsthemen für die Nikola-Aktie erhöht.
Nikola Tre als Schlüsselprodukt
Der Nikola Tre gilt als zentrales Produkt im Portfolio des Unternehmens und soll den Großteil der zukünftigen Umsätze tragen. Die batterieelektrische Variante des Nikola Tre ist auf den regionalen Verteilerverkehr und bestimmte Fernverkehrsanwendungen ausgelegt und bietet Reichweiten im Bereich von einigen hundert Kilometern, während die Brennstoffzellen-Version mit Wasserstoffbetankung für längere Strecken und hohe Einsatzzeiten konzipiert ist. Der Fokus liegt auf Kunden mit festen Routen, Depots und der Bereitschaft, in neue Antriebstechnologien zu investieren, um Emissionsvorgaben und Nachhaltigkeitsziele zu erfüllen.
Für den Nikola Tre nennt das Unternehmen in seinen Unterlagen Zielgrößen für die Produktionskapazität, die in den kommenden Jahren auf mehrere tausend Fahrzeuge pro Jahr ansteigen sollen. In Kombination mit Service- und Infrastrukturumsätzen könnte so ein deutlich höheres Umsatzniveau erreicht werden als die 35,8 Millionen US-Dollar, die aktuell für das Jahr 2023 ausgewiesen wurden. Ob dieses Wachstum realisiert werden kann, hängt jedoch von der Marktnachfrage, der Verfügbarkeit von Wasserstoff, der Entwicklung der Energiekosten und von der Fähigkeit des Unternehmens ab, seine Kostenstruktur und die Fertigungsprozesse zu optimieren.
Kurs und Marktkapitalisierung
An der Nasdaq wird die Nikola-Aktie als spekulativer Titel im Bereich der alternativen Antriebe gehandelt. Bei einer Marktkapitalisierung im Bereich von mehreren hundert Millionen US-Dollar spiegelt die Bewertung sowohl die Chancen des Geschäftsmodells als auch das erhebliche Risiko wider, das aus den hohen Verlusten und dem Finanzierungsbedarf resultiert. Die bisherige Kursentwicklung war von starken Schwankungen geprägt, mit Phasen deutlich steigender Kurse bei positiven Nachrichten und anschließenden Rücksetzern bei Kapitalmaßnahmen oder enttäuschenden Zahlen.
Für Anleger bedeutet dies, dass die Nikola-Aktie vor allem als langfristige Wette auf den Erfolg des Geschäftsmodells und die Etablierung von emissionsfreien Lkw-Flotten in Nordamerika und darüber hinaus betrachtet werden sollte. Die Kombination aus rückläufigem Umsatz von 50,8 Millionen US-Dollar im Jahr 2022 auf 35,8 Millionen US-Dollar im Jahr 2023, einem Nettoverlust von 966,8 Millionen US-Dollar im Jahr 2023 und einer Verschlechterung der Bruttomarge im dritten Quartal 2023 von minus 49,7 auf minus 91,3 Prozent macht deutlich, wie groß die Herausforderungen sind, die Nikola auf seinem weiteren Weg bewältigen muss.
Stammdaten zur Nikola-Aktie
- Unternehmen: Nikola Corporation
- ISIN: US6541101050
- Ticker: NKLA
- Handelsplatz: NASDAQ
- Sektor / Branche: Nutzfahrzeuge, alternative Antriebe
- Indexzugehörigkeit: kein Mitglied eines großen Leitindex
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