ROUNDUPRattengift, Hipp-Babykost

Internationale Fahndung

19.04.2026 - 13:35:04 | dpa.de

Die Polizei fahndet in Österreich, Tschechien und der Slowakei nach einem möglichen Erpresser, der Hipp-Babynahrung vergiftet hat.

Deutschland ist laut PolizeiprÀsidium Oberbayern Nord nicht betroffen, doch ermittelt auch hierzulande die Kripo Ingolstadt.

Insbesondere die österreichische Polizei sucht mit Hochdruck nach einem zweiten mit Rattengift verseuchten Glas "Karotten mit Kartoffeln" 190 Gramm, das wie ein bereits am Samstag entdecktes Glas im Burgenland sĂŒdöstlich von Wien in Umlauf gebracht worden sein soll. Nach österreichischen Angaben wird das im bayerischen Pfaffenhofen an der Ilm gegrĂŒndete Familienunternehmen erpresst. Das IngolstĂ€dter PolizeiprĂ€sidium bestĂ€tigte das jedoch nicht.

Österreichische Polizei warnt Eltern

Die österreichische Polizei rief Eltern von Kleinkindern auf, zu ĂŒberprĂŒfen, ob sie womöglich ein manipuliertes Glas im Schrank haben. Zu erkennen sind manipulierte GlĂ€ser demnach daran, dass der Deckel beschĂ€digt und der beim Öffnen ĂŒbliche Plopp-Laut nicht zu hören sei. Zudem sollen die manipulierten GlĂ€ser einen weißen Aufkleber mit rotem Ring am Glasboden haben.

Hipp bestÀtigt Manipulationen - "externer krimineller Eingriff"

Produkte und Vertriebswege in Deutschland oder anderen europÀischen LÀndern, die nicht Bestandteil der Ermittlungen sind, seien nicht betroffen, sagte Hipp-Sprecher Clemens Preysing der Deutschen Presse-Agentur.

Er bestĂ€tigte, dass außer in Österreich mit Rattengift verseuchte manipulierte GlĂ€schen auch in Tschechien und der Slowakei aufgetaucht seien. Die Handelspartner in Tschechien und der Slowakei hĂ€tten vorsorglich alle Hipp-GlĂ€schen aus dem Verkauf genommen, sagte der Hipp-Sprecher. Er sprach von einem "einen externen kriminellen Eingriff." "Der Vorfall steht in keinem Zusammenhang mit ProduktqualitĂ€t oder Herstellung", betonte er.

Laut bayerischer Polizei wird in Österreich in zwei BundeslĂ€ndern gesucht: Neben dem Burgenland auch in Oberösterreich. Die IngolstĂ€dter Kripo fĂŒhrt und koordiniert demnach Ermittlungen und steht in engem Kontakt mit dem Unternehmen, wie eine Sprecherin des PolizeiprĂ€sidiums in Ingolstadt sagte. Weitere Einzelheiten nannte sie aus ermittlungstaktischen GrĂŒnden nicht.

Auch die österreichische Polizei hÀlt sich bedeckt

"Wichtig ist, dass man das Glas findet und es aus dem Verkehr zieht", sagte der österreichische Polizeisprecher Helmut Marban der dpa. "Es spricht viel dafĂŒr, dass es nur dieses zweite Glas gibt." Dies erschließe sich aus kriminaltaktischen Quellen. Weitere Einzelheiten wollte er nicht nennen. "Jedes weitere Detail, das man nennt, könnte die Ermittlungen gefĂ€hrden." Trotzdem seien weitere Manipulationen nie auszuschließen.

Hinweise auf die manipulierten GlĂ€schen kamen nach seinen Angaben aus Deutschland. In SĂŒdmĂ€hren in Tschechien hat die Staatsanwaltschaft BrĂŒnn Ermittlungen aufgenommen, wie ein dortiger Polizeisprecher sagte. Man schĂ€tze die Gefahrensituation in Tschechien aber als "nicht sehr hoch" ein.

Kunde lieferte verdÀchtiges GlÀschen ab

Die Firma hatte in Österreich am spĂ€ten Freitag alle Produkte aus den Spar-SupermĂ€rkten zurĂŒckgerufen. Sie warnte: "Der Verzehr eines solchen GlĂ€schens kann lebensgefĂ€hrlich sein." Am Nachmittag hatte ein Kunde dann ein verdĂ€chtiges GlĂ€schen abgeliefert, das noch nicht benutzt worden war. Es war in der Ortschaft SchĂŒtzen am Gebirge (Bezirk Eisenstadt-Umgebung) aufgetaucht. Bei einer Analyse wurde darin Rattengift nachgewiesen.

Die österreichische Agentur fĂŒr Gesundheit und ErnĂ€hrungssicherheit (Ages) sprach von einem Erpressungsversuch. Nach Angaben von Ages können Wirkstoffe in Rattengiften zu einer verminderten GerinnungsfĂ€higkeit des Blutes fĂŒhren. Mögliche Folge sind Zahnfleischbluten, Nasenbluten, blaue Flecken oder Blut im Stuhl. Sollten Eltern solche Symptome bei ihren Kindern feststellen, die Hipp-Nahrung gegessen hatten, sollten sie unbedingt eine Ärztin oder einen Arzt aufsuchen.

Das Unternehmen hatte seine UrsprĂŒnge vor mehr als 120 Jahren in Pfaffenhofen. Sitz der Hipp Holding AG ist heute in Sachseln im Schweizer Kanton Obwalden.

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