Was der DGB vorschlÀgt
26.06.2026 - 06:35:35 | dpa.deEine eigene DGB-Rentenkommission hat ein Konzept erarbeitet, das ein steigendes Niveau der gesetzlichen Rente verspricht, ergÀnzt durch eine verpflichtende betriebliche Altersvorsorge. Beides gemeinsam soll demnach im Ruhestand 70 bis 90 Prozent des letzten Nettoeinkommens sichern - ohne steigendes Rentenalter.
Erst am Dienstag hatte die offizielle Rentenkommission der Bundesregierung ihre 33 Empfehlungen vorgelegt. Dabei kĂŒndigten Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) und Sozialministerin BĂ€rbel Bas (SPD) an, das MaĂnahmenbĂŒndel zĂŒgig und vollstĂ€ndig umzusetzen. DGB-Chefin Yasmin Fahimi lieĂ parallel seit Jahresbeginn eigene Fachleute beraten, darunter die GrĂŒnen-Politikerin Ricarda Lang und der frĂŒhere SPD-GeneralsekretĂ€r Kevin KĂŒhnert. Sie prĂ€sentieren nun einen anderen Ansatz.
Arbeitgeber und Gutverdiener sollen zahlen
Ob dieses Gegenkonzept oder Teile davon eine Chance haben, ist offen. Es ist mit elf Seiten auch recht dĂŒnn im Vergleich zu den umfassenden PlĂ€nen der Regierungskommission. Erst im Sommer will der DGB einen lĂ€ngeren Abschlussbericht vorlegen.
FĂŒr die schwarz-rote Koalition könnte es jedoch ein Störfeuer sein. Der DGB-Plan greift unter anderem die Idee einer ErwerbstĂ€tigenversicherung auf, mit der auch die SPD lange liebĂ€ugelte. Finanzielle Lasten sollen vor allem Arbeitgeber sowie Gutverdiener tragen.
Es gehe "nicht um Mathematik oder die Personenzahl in bestimmten Altersgruppen", heiĂt es im Ergebnispapier Papier. "Es geht um die gerechte Verteilung des Wohlstands, um gute Arbeit, gute Löhne und gute Renten."
"Demografiezuschuss" vom Bund
Dem DGB-Konzept zufolge sollen Arbeitgeber verpflichtet werden, betriebliche Altersvorsorge fĂŒr alle BeschĂ€ftigten anzubieten und dafĂŒr allein zwei Prozent des Bruttolohns aufbringen. In der gesetzlichen Rente soll das Rentenniveau von heute 48 zunĂ€chst auf 50 Prozent und im nĂ€chsten Schritt auf 53 Prozent angehoben werden.
Die Kosten in der gesetzlichen Rentenversicherung sollen laut Konzept durch "leicht erhöhte BeitrĂ€ge" sowie einen höheren Zuschuss aus dem Bundeshaushalt finanziert werden. FĂŒr diesen "Demografiezuschuss" wiederum sollen "hohe Einkommen, groĂe Vermögen und KapitaleinkĂŒnfte" herangezogen werden. AuĂerdem sollen mehr Menschen in die gesetzliche Rente einzahlen, zunĂ€chst SelbststĂ€ndige sowie Politikerinnen und Politiker als Schritte hin zu einer ErwerbstĂ€tigenversicherung fĂŒr alle.
Entscheidende Unterschiede
Zum Konzept der Regierungskommission gibt es entscheidende Unterschiede. Dieses verlĂ€sst sich nicht nur auf gesetzliche und betriebliche, sondern als dritte SĂ€ule auch auf die private Altersvorsorge. Alles zusammen verspricht den heute Jungen in einigen Jahrzehnten im Ruhestand bessere BezĂŒge als die heutigen Renten. Die Regierungskommission peilt 70 Prozent des letzten Nettoeinkommens an.
Kern der RegierungsplĂ€ne ist eine Kapitalrente, um die gesetzliche Rente aufzubessern. DafĂŒr sollen Arbeitnehmer und Arbeitgeber zusammen zwei Prozent des Bruttolohns einzahlen. Anders als bei den DGB-PlĂ€nen soll das Rentenalter schrittweise weiter steigen. Die vorzeitige Rente ohne AbschlĂ€ge nach 45 Berufsjahren soll abgeschafft werden - was der DGB strikt ablehnt. Die Regierungskommission will, dass der "Nachhaltigkeitsfaktor" ab 2032 die jĂ€hrliche Rentensteigerung und damit auch das Niveau der gesetzlichen Rente dĂ€mpft.
Generationenkapital als Modell?
DGB-Chefin Fahimi hatte einige Punkte in den RegierungsplĂ€nen gelobt, so etwa die Zielmarke von 70 Prozent des letzten Nettolohns. Positiv nahm der DGB auch auf, dass mehr Menschen in die Rente einzahlen sollen, sowie PlĂ€ne zur Abschaffung der heutigen Konditionen fĂŒr Minijobs.
Das Regierungsmodell fĂŒr die Kapitalrente unter dem Dach der gesetzlichen Rente lehnt der DGB ab. Im Papier der DGB-Rentenkommission heiĂt es jedoch, eine Möglichkeit wĂ€re, "analog dem Gedanken des Generationenkapitals einen zusĂ€tzlichen Zuschuss zur GRV ĂŒber einen Kapitalstock zu finanzieren und mit dieser ErgĂ€nzung das Umlagesystem zu stĂ€rken. Dazu sind groĂe BetrĂ€ge notwendig, die am sinnvollsten ĂŒber Steuern aufgebracht werden sollten." Das könnte Bund und Beitragszahler auf Dauer entlasten.
Das sogenannte Generationenkapital war auf Wunsch der FDP Teil der gescheiterten Ampel-Rentenreform: Milliarden sollten am Kapitalmarkt angelegt werden, finanziert gröĂtenteils aus Schulden des Bundes. Aus den ErtrĂ€gen sollten spĂ€ter prognostizierte Beitragssteigerungen gedĂ€mpft werden.
