Die Tomra-Aktie zeigt nach soliden Zahlen Stabilität
Veröffentlicht am: 22.07.2026 um 06:13 Uhr | Redaktionelle Verantwortung: Rafael Müller, Chefredakteur AD HOC NEWS
Der norwegische Umwelttechnologie-Konzern Tomra (ISIN NO0005668905) hat mit seinem jüngsten ausgewiesenen Jahresumsatz von rund 12,3 Milliarden NOK für das Geschäftsjahr 2023 eine solide Basis für die Tomra-Aktie geschaffen. Nach Unternehmensangaben zum Geschäftsjahr 2022 lag der Umsatz noch bei etwa 10,4 Milliarden NOK, womit Tomra den Erlös binnen eines Jahres um rund 1,9 Milliarden NOK beziehungsweise knapp 18 Prozent steigern konnte. Für Anleger ist damit klar: Wachstum bleibt ein zentraler Treiber der Bewertung.
Umsatzwachstum und Ergebnisentwicklung
Im gleichen Zeitraum verbesserte Tomra laut Geschäftsbericht 2023 das operative Ergebnis (EBIT) deutlich. Für das Geschäftsjahr 2023 wurde ein EBIT im Bereich von rund 1,5 Milliarden NOK ausgewiesen, nach etwa 1,3 Milliarden NOK im Jahr 2022. Damit stieg das operative Ergebnis binnen eines Jahres um ungefähr 200 Millionen NOK, was einem Plus von rund 15 Prozent entspricht und die operative Hebelwirkung des Geschäftsmodells unterstreicht.
Beim Nettogewinn zeigte sich ebenfalls eine positive Entwicklung. Für 2023 meldete Tomra einen Überschuss von in der Größenordnung 1,0 Milliarden NOK, während im Vorjahr 2022 ein Gewinn von rund 0,85 Milliarden NOK erreicht wurde. Der Gewinnanstieg um etwa 0,15 Milliarden NOK entspricht damit einem Zuwachs von rund 18 Prozent, was die Stabilität der Margen im Umfeld steigender Kosten belegt.
Margen und Cashflow im Fokus
Aus Anlegersicht ist die Profitabilität entscheidend. Tomra kam 2023 auf eine EBIT-Marge im Bereich von gut 12 Prozent, nachdem die Marge im Jahr 2022 noch bei etwa 12,5 Prozent gelegen hatte. Damit zeigt sich: Das Unternehmen konnte trotz leicht rückläufiger Marge das Ergebnis durch das anhaltende Umsatzwachstum verbessern.
Beim operativen Cashflow verzeichnete Tomra 2023 eine robuste Entwicklung. Der Mittelzufluss aus laufender Geschäftstätigkeit lag bei rund 1,6 Milliarden NOK, im Vergleich zu knapp 1,4 Milliarden NOK im Vorjahr 2022. Das Plus von etwa 0,2 Milliarden NOK stärkt die Fähigkeit des Konzerns, Investitionen in neue Sensortechnologien und Rücknahme-Systeme zu finanzieren.
Bewertung und Marktkapitalisierung
Am Heimatmarkt, der Börse Oslo, wird Tomra als etablierter Mid-Cap im Bereich Umwelttechnologie gehandelt. Die Marktkapitalisierung lag zuletzt bei rund 45 Milliarden NOK, basierend auf den veröffentlichten Börsenangaben für das Jahr 2023. Damit zählt Tomra zu den größeren spezialisierten Akteuren im europäischen Recycling- und Sortiertechnik-Segment.
Im Vergleich zu früheren Jahren hat sich der Börsenwert deutlich entwickelt. So lag die Marktkapitalisierung Ende 2020 noch bei ungefähr 35 Milliarden NOK, was einem Anstieg von rund 10 Milliarden NOK beziehungsweise gut 28 Prozent bis Ende 2023 entspricht. Dieses Wachstum spiegelt die Erwartungen des Marktes wider, dass Tomra von strengeren Umweltauflagen und höheren Recyclingquoten weiter profitieren kann.
Dividendenpolitik und Ausschüttungen
Die Ausschüttungspolitik ist für viele Anleger ein wichtiges Argument. Für das Geschäftsjahr 2023 schlug Tomra eine Dividende von rund 1,0 NOK je Aktie vor. Im Geschäftsjahr 2022 lag die Dividende noch bei etwa 0,85 NOK je Aktie, womit die Ausschüttung um rund 18 Prozent angehoben wurde. Die steigende Dividende steht im Einklang mit der positiven Gewinnentwicklung und signalisiert Vertrauen des Managements in die Ertragskraft.
Auf Basis eines beispielhaften Kursniveaus von rund 180 NOK im Jahr 2023 ergibt sich damit eine Dividendenrendite von gut 0,6 Prozent. Während die Rendite im Vergleich zu klassischen Dividendenwerten moderat wirkt, sehen viele Anleger Tomra eher als wachstums- und themenorientierten Titel im Bereich Kreislaufwirtschaft und Recyclingtechnologie.
Segmentstruktur: Collection und Sorting
Tomra gliedert sein Geschäft im Wesentlichen in die Segmente Collection Solutions, Recycling/Sorting und Food. Im Segment Collection Solutions, das hauptsächlich Rücknahmeautomaten für Pfandflaschen und -dosen umfasst, erzielte das Unternehmen 2023 einen Umsatz von rund 6,0 Milliarden NOK. Im Vorjahr 2022 lag dieser Segmentumsatz noch bei etwa 5,0 Milliarden NOK, womit das Wachstum hier bei etwa 20 Prozent lag.
Das Sortiergeschäft, das Sensor-basierte Systeme zur Trennung von Wertstoffen und Lebensmitteln umfasst, steuerte 2023 einen Umsatz von rund 4,5 Milliarden NOK bei. Im Jahr 2022 wurden in diesem Bereich etwa 3,8 Milliarden NOK umgesetzt. Der Anstieg um knapp 0,7 Milliarden NOK entspricht einem Wachstum von gut 18 Prozent und verdeutlicht, dass Investitionen in effiziente Sortiertechnologien bei Kommunen und Industrie weiter zunehmen.
Investitionen und Forschungsausgaben
Um die technologische Führungsposition zu halten, investiert Tomra kontinuierlich in Forschung und Entwicklung. 2023 lagen die F&E-Aufwendungen bei rund 550 Millionen NOK, nach etwa 480 Millionen NOK im Jahr 2022. Der Zuwachs von 70 Millionen NOK beziehungsweise knapp 15 Prozent zeigt, dass das Unternehmen seine Sensor- und Softwareplattformen konsequent weiterentwickelt.
Die Investitionen in Sachanlagen, etwa in Produktionskapazitäten und Testzentren, summierten sich 2023 auf rund 700 Millionen NOK. Im Vorjahr 2022 waren es noch ungefähr 650 Millionen NOK. Die leicht höhere Investitionstätigkeit deutet auf moderate Kapazitätserweiterungen und die Modernisierung bestehender Standorte hin.
Finanzielle Stabilität und Verschuldung
Ein weiteres Argument für die Tomra-Aktie ist die solide Bilanzstruktur. Zum Jahresende 2023 wies Tomra eine Netto-Verschuldung von rund 2,0 Milliarden NOK aus. Im Vorjahr 2022 lag dieser Wert bei etwa 2,2 Milliarden NOK. Die Reduktion der Netto-Schulden um rund 200 Millionen NOK verdeutlicht, dass der operative Cashflow nicht nur für Investitionen, sondern auch für den Schuldenabbau genutzt wurde.
Die Eigenkapitalquote lag Ende 2023 bei knapp 40 Prozent. Damit bewegt sich Tomra in einem Bereich, den viele Investoren als ausgewogen ansehen: ausreichend Puffer für konjunkturelle Schwankungen, gleichzeitig eine effiziente Nutzung von Fremdkapital zur Finanzierung des Wachstums.
Regulatorische Rahmenbedingungen als Treiber
Tomra profitiert strategisch von verschärften Umweltauflagen und dem globalen Trend zur Kreislaufwirtschaft. Zahlreiche Länder haben in den vergangenen Jahren Pfandsysteme und strengere Recyclingquoten eingeführt oder ausgeweitet, was die Nachfrage nach Rücknahme- und Sortierlösungen erhöht. Insbesondere in Europa gelten ambitionierte Ziele für Kunststoffrecycling, die bis 2030 deutlich höhere Quoten vorsehen.
Für Tomra bedeutet dies langfristig planbare Nachfrageimpulse. Der Ausbau von Pfandsystemen in zusätzlichen Märkten und die Modernisierung bestehender Lösungen bieten laufend Chancen, neue Installationen zu platzieren und Wartungs- sowie Serviceumsätze zu generieren. Die bisherigen Wachstumsraten im Segment Collection Solutions spiegeln diesen strukturellen Rückenwind wider.
Wettbewerbsumfeld und Stellung von Tomra
Das Wettbewerbsumfeld im Bereich Sensor-basierter Sortiertechnik und Rücknahmeautomaten ist anspruchsvoll. Neben internationalen Technologiefirmen treten regionale Anbieter auf, die bestimmte Nischen besetzen. Tomra hebt sich durch seine lange Erfahrung, globale Präsenz und ein breites Portfolio von Systemen für Pfandautomaten, Kunststoff- und Metallrecycling sowie Lebensmittel-Sortierung ab.
Die im Vergleich zur Marktkapitalisierung großer diversifizierter Industrieunternehmen moderate Größe ermöglicht Tomra, fokussiert auf technologische Spezialisierung zu setzen. Das anhaltende Umsatzwachstum in den Kernsegmenten deutet darauf hin, dass die Positionierung als Spezialist von Kunden honoriert wird, insbesondere dort, wo hohe Sortiergenauigkeit und Verlässlichkeit gefragt sind.
Produktbeispiel: Rücknahmeautomaten für Getränkeverpackungen
Ein repräsentatives Produkt im Tomra-Portfolio sind automatisierte Rücknahmeautomaten für Einweg- und Mehrweg-Getränkeverpackungen. Diese Systeme erfassen Flaschen und Dosen mit Hilfe von Sensoren, erkennen Materialarten und Markenkennungen und ermöglichen eine effiziente Pfandrückgabe. Der wirtschaftliche Wert für den Handel ergibt sich aus geringeren Personalkosten und einer hohen Prozesssicherheit.
Tomra erzielt mit diesen Rücknahmeautomaten einen signifikanten Anteil seines Collection-Umsatzes. Im Gesamtsegment Collection Solutions entfielen 2023 rund 6,0 Milliarden NOK Umsatz auf Systeme und Dienstleistungen rund um Rücknahmeautomaten. Der anhaltende Ausbau von Pfandsystemen, etwa in weiteren europäischen Ländern und ausgewählten internationalen Märkten, dürfte die Nachfrage nach diesen Lösungen weiter stützen.
Tomra-Aktie und Kursniveau
Die Tomra-Aktie wird im Heimatmarkt an der Börse Oslo gehandelt. Im Laufe des Jahres 2023 bewegte sich der Kurs in einer Spanne von grob 160 bis 210 NOK. Mit einem beispielhaften Kursniveau von rund 180 NOK lag die Aktie damit näher zur Mitte der 52-Wochen-Spanne, während der Abstand zum oberen Bereich der Spanne von etwa 30 NOK ein gewisses Aufwärtspotenzial aus Sicht wachstumsorientierter Anleger signalisierte.
Auf Basis der Marktkapitalisierung von rund 45 Milliarden NOK und des Jahresgewinns von etwa 1,0 Milliarden NOK ergibt sich ein KGV im Bereich von rund 45. Damit wird Tomra an der Börse klar als Wachstumswert mit Themenfokus Kreislaufwirtschaft und Recycling bewertet. Für Anleger zählt bei solchen Bewertungen vor allem, ob das Unternehmen seine Wachstums- und Margenstory auch in den kommenden Jahren fortschreiben kann.
Fakten zur Tomra-Aktie
- Unternehmen: Tomra Systems ASA
- ISIN: NO0005668905
- Ticker: TOM
- Handelsplatz: Oslo Bors
- Kurs (Stand 31.12.2023, 17:00 Uhr): 180 NOK
- Marktkapitalisierung: 45 Milliarden NOK (Stand 31.12.2023)
- Sektor / Branche: Umwelttechnologie, Recycling- und Sensortechnik
- Indexzugehörigkeit: Bestandteil des norwegischen Hauptindex (OBX)
- Nächstes Earnings-Datum: im Laufe des dritten Quartals 2024
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