USA erwÀgen Truppenreduzierung in Deutschland
30.04.2026 - 07:20:31 | dpa.deEine Entscheidung solle in KĂŒrze getroffen werden, schrieb er auf seiner Plattform Truth Social.
Die AnkĂŒndigung folgt auf Trumps deutliche Kritik an Bundeskanzler Friedrich Merz, weil dieser sich kritisch ĂŒber die US-Offensive gegen den Iran geĂ€uĂert hatte. "Er hat keine Ahnung, wovon er spricht!", hatte Trump am Dienstag auf Truth Social mit Blick auf den CDU-Vorsitzenden geschrieben. Es sei kein Wunder, "dass es Deutschland so schlecht geht, sowohl wirtschaftlich als auch in anderer Hinsicht!". Er warf dem Kanzler vor, damit einverstanden zu sein, dass der Iran ĂŒber Atomwaffen verfĂŒge.
Trump hatte bereits in seiner ersten Amtszeit (2017 bis 2021) mit einer Reduzierung des Truppenkontingents in Deutschland gedroht. Damals hatte er einige Monate vor seinem Abschied aus dem WeiĂen Haus angekĂŒndigt, er wolle 12.000 der damals rund 35.000 US-Soldaten aus Deutschland abziehen. Mehrere Tausend davon sollten innerhalb von Europa verlegt werden, andere in die USA zurĂŒckkehren. Trump beschrieb das Vorhaben damals als Strafe fĂŒr die aus seiner Sicht zu geringen deutschen MilitĂ€rausgaben. Sein Nachfolger Joe Biden stoppte die PlĂ€ne dann nach seinem Amtsantritt.
Tausende ArbeitsplĂ€tze hĂ€ngen an US-StĂŒtzpunkten
Aktuell sind nach Angaben des US-MilitĂ€rs von Mitte April rund 86.000 Soldaten in Europa stationiert - davon rund 39.000 in Deutschland. Die Zahl verĂ€ndert sich regelmĂ€Ăig, auch wegen Rotationen und Ăbungen.
Die US-Truppen galten in der Zeit des Kalten Krieges als Sicherheitsgarant fĂŒr die Bundesrepublik und sind zu einem wichtigen Wirtschaftsfaktor fĂŒr die Regionen rund um die StĂŒtzpunkte geworden. Tausende OrtskrĂ€fte werden vom US-MilitĂ€r beschĂ€ftigt, daneben hĂ€ngen vor allem in Rheinland-Pfalz, Baden-WĂŒrttemberg und Bayern Tausende weitere ArbeitsplĂ€tze von den US-Truppen ab.
Allein der riesige LuftwaffenstĂŒtzpunkt Ramstein bei Kaiserslautern mit der gröĂten US-MilitĂ€rgemeinde auĂerhalb der Vereinigten Staaten generiert SchĂ€tzungen zufolge jedes Jahr Hunderte Millionen Euro an Löhnen, GehĂ€ltern, Mieten und AuftrĂ€gen in der regionalen Wirtschaft. Nahe dem StĂŒtzpunkt entsteht zurzeit das gröĂte US-MilitĂ€rkrankenhaus auĂerhalb der USA.
Dutzende groĂe US-MilitĂ€rstĂŒtzpunkte in Europa
In Europa gibt es seit Jahrzehnten Dutzende groĂe US-MilitĂ€rstĂŒtzpunkte, die bei den weltumspannenden EinsĂ€tzen der Amerikaner - etwa im Nahen Osten - von enormer Bedeutung sind. Sie dienen der Stationierung von Truppen, Waffen, Schiffen und Flugzeugen, Drohnen werden von dort aus gesteuert und auch Verletzte versorgt. In Deutschland gibt es neben dem den Flugplatz Ramstein in Rheinland-Pfalz etwa das US-Oberkommando fĂŒr Europa (EUCOM) in Stuttgart.
Der US-Kongress beschloss Ende 2025 einen Sicherheitsmechanismus, demzufolge die Gesamtzahl der StreitkrĂ€fte, die dauerhaft im ZustĂ€ndigkeitsbereich des Europa-Kommandos sind, nicht lĂ€nger als 45 Tage unter 76.000 liegen darf. Danach mĂŒssten bestimmte Berichtswege eingehalten werden, um eine Verringerung anzustrengen.
Merz berichtete ĂŒber angebliche Zusage Trumps
Noch im MÀrz hatte Trump dem Bundeskanzler nach dessen Angaben zugesagt, dass die USA an ihrer TruppenprÀsenz in Deutschland festhalten wollten. "Das ist eine gute Nachricht, die ich aber auch anders nicht erwartet habe", sagte der CDU-Vorsitzende in Washington nach einem Treffen mit Trump.
Angesichts der kritischen Grundhaltung Trumps gegenĂŒber den EuropĂ€ern als langjĂ€hrigen VerbĂŒndeten war zuvor spekuliert worden, dass der PrĂ€sident US-Soldaten auch aus Deutschland abziehen könnte. Ob Trump zusagte, dass das US-Kontingent auch in voller TruppenstĂ€rke erhalten bleibe, sagte Merz nicht.
Im Sommer vergangenen Jahres - bei einem frĂŒheren Besuch des Kanzlers in Washington - machte Trump Deutschland Hoffnung, die Zahl der dort stationierten US-Soldaten nicht zu reduzieren. Auf die Frage einer Reporterin, ob er die US-Truppen in Deutschland belassen werde, sagte er: "Ja, wir werden darĂŒber reden." Wenn Deutschland die amerikanischen Soldaten dort haben wolle, sei er dazu bereit. "Ja, das werden wir tun. Das ist kein Problem."
Wie es um das VerhÀltnis von Merz und Trump bestellt ist
Nimmt man Trumps jĂŒngste ĂuĂerungen zum MaĂstab, scheint das persönliche VerhĂ€ltnis zu Merz an einem Tiefpunkt angelangt zu sein. Merz trat diesem Eindruck am Mittwoch entgegen. "Das persönliche VerhĂ€ltnis zwischen dem amerikanischen PrĂ€sidenten und mir ist - jedenfalls aus meiner Sicht - unverĂ€ndert gut", sagte er. "Wir sind nach wie vor in guten GesprĂ€chen miteinander."
Warum Merz die US-Regierung kritisierte
Ăber Monate pflegten der Bundeskanzler und der US-PrĂ€sident ein recht gutes VerhĂ€ltnis zueinander. Zuletzt stimmte Merz allerdings einen neuen Ton an und kritisierte die Regierung in Washington öffentlich. So warf er ihr vor, keine Exit-Strategie fĂŒr den Iran-Krieg zu haben. "Weil die Iraner offensichtlich stĂ€rker sind als gedacht und die Amerikaner offensichtlich auch in den Verhandlungen keine wirklich ĂŒberzeugende Strategie haben", sagte er bei einer Diskussion mit SchĂŒlern in Marsberg im Sauerland.
"Das Problem bei solchen Konflikten ist immer: Da muss man ja nicht nur rein, da muss man auch wieder raus. Das haben wir ganz schmerzhaft bei Afghanistan gesehen, 20 Jahre lang. Wir haben das im Irak gesehen", sagte der Bundeskanzler weiter. Die Amerikaner seien im Iran "ganz offensichtlich ohne jede Strategie in diesen Krieg gegangen". Deshalb sei es umso schwerer, den Konflikt nun wieder zu beenden. "Zumal die Iraner offensichtlich sehr geschickt verhandeln - oder eben sehr geschickt nicht verhandeln", sagte Merz. "Da wird eine ganze Nation gedemĂŒtigt durch die iranische StaatsfĂŒhrung."
Trump ist auch auf andere EuropÀer nicht gut zu sprechen
Merz ist nicht der erste Spitzenpolitiker in Europa, den Trump massiv attackiert. So sind auch der britische Premierminister Keir Starmer und der französische PrÀsident Emmanuel Macron bei dem Republikaner in Ungnade gefallen. Zuletzt krachte es nach der Kritik des US-PrÀsidenten am Papst sogar zwischen ihm und der italienischen MinisterprÀsidentin Giorgia Meloni.
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