ROUNDUP, Apotheken-Netz

Das Apotheken-Netz in Deutschland schrumpft noch weiter

05.05.2026 - 15:05:47 | dpa.de

Die Zahl der Apotheken in Deutschland ist auf den niedrigsten Stand seit 1977 gesunken.

Ende MĂ€rz gab es bundesweit 16.541 Apotheken und damit 60 weniger als zum Jahreswechsel, wie aus Daten der Bundesvereinigung Deutscher ApothekerverbĂ€nde hervorgeht. Die Branche macht angesichts steigender Betriebskosten Druck fĂŒr lange ausgebliebene Honoraranhebungen. Die Pharmaindustrie warnt vor getrĂŒbten GeschĂ€ftsaussichten durch das geplante Sparpaket der Bundesregierung.

Seit Anfang Januar standen 19 Apotheken-Neueröffnungen 79 Schließungen gegenĂŒber. Erfasst werden jeweils Hauptapotheken und Filialen, von denen es bis zu drei geben kann. Das Netz schrumpft damit weiter, nachdem es etwa 2022 noch bundesweit 18.000 Apotheken gegeben hatte.

Weitere Wege durch geschlossene Apotheken

Der Vorsitzende des Deutschen Apothekerverbandes, Hans-Peter Hubmann, sagte: "Die Versorgung der Bevölkerung mit Arzneimitteln ist zwar weiterhin gesichert, aber lange kann es so nicht mehr weitergehen." Jede geschlossene Apotheke bedeute weitere Wege fĂŒr Tausende Patienten. Der Sozialverband Deutschland warnte, ein weiterer RĂŒckgang insbesondere in schon jetzt unterversorgten Regionen wĂ€re eine klare Verschlechterung, etwa fĂŒr Menschen mit eingeschrĂ€nkter MobilitĂ€t, fĂŒr Ältere und Menschen mit Behinderungen.

Hubmann sagte, der seit Jahren andauernde RĂŒckgang sei nur selten auf individuelle Fehlentscheidungen oder intensiveren Wettbewerb zurĂŒckzufĂŒhren, sondern liege an einer "chronischen Unterfinanzierung" der Apotheken.

Warten auf Honoraranhebung

Die Branche fordert denn auch schon lange, einen seit 2013 unverĂ€nderten Fix-Bestandteil des Honorars von 8,35 Euro pro Packung auf 9,50 Euro anzuheben. Union und SPD hatten das im Koalitionsvertrag vereinbart, stellten es jedoch wegen der angespannten Finanzlage der gesetzlichen Krankenkassen zurĂŒck - erwartete Mehrausgaben: rund eine Milliarde Euro. Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU) kĂŒndigte nun aber kĂŒrzlich an, die Erhöhung anzugehen. Die Apotheken monieren, dass es dafĂŒr immer noch keinen konkreten Zeitplan gebe und fordern die Anhebung jetzt spĂ€testens zum 1. Juli 2026.

Der Spitzenverband der gesetzlichen Kassen bezeichnete die wirtschaftliche Situation der ApothekeneigentĂŒmer dagegen als "insgesamt ziemlich gut". Die stellvertretende Verbandschefin Stefanie Stoff-Ahnis sagte: "Die Versorgung durch Apotheken ist nicht weniger geworden, sondern hat sich durch die Entscheidung der Apothekeninhaber auf weniger Standorte konzentriert."

Kassen: Apotheken-VergĂŒtung steigt laufend

Der Umsatz steige schon allein aufgrund steigender Arzneimittelausgaben der gesetzlichen Kassen Jahr fĂŒr Jahr, erlĂ€uterte Stoff-Ahnis. "Da ein Teil der Apotheken-VergĂŒtung an den Medikamentenpreisen hĂ€ngt, steigt auch die VergĂŒtung der Apotheken laufend an." Die Summe, die aus den Portemonnaies der Beitragszahler jĂ€hrlich an die Apotheken gezahlt wird, sei von 5,6 Milliarden Euro 2013 auf 7,1 Milliarden Euro 2024 gestiegen - um 26 Prozent.

Der Apothekerverband sprach dagegen von einem alarmierenden Bild. Seit 2013 hĂ€tten sich allein die TarifgehĂ€lter der BeschĂ€ftigten um 39 Prozent erhöht. Dazu kĂ€men gestiegene Ausgaben nicht nur fĂŒr Energie und Mieten. "Dieses Auseinanderklaffen von Kosten und Einnahmen können wir schon lange nicht mehr schultern", sagte der Vorsitzende Hubmann. Zu erleben sei auch eine zunehmende Abwanderung pharmazeutischer FachkrĂ€fte in Kliniken, in die Industrie und zu Kassen, wo deutlich höhere GehĂ€lter gezahlt werden könnten.

Umsatzsteigerung 2025

Der Umsatz stieg laut Apothekenwirtschaftsbericht im vergangenen Jahr auf 74,2 Milliarden Euro nach 70,3 Milliarden Euro im Jahr zuvor. Abgesetzt wurden insgesamt 1,37 Milliarden Medikamentenpackungen, davon waren 40,7 Prozent rezeptfreie PrÀparate. Eine durchschnittliche Apotheke kam demnach 2025 auf ein Betriebsergebnis von 168.000 Euro nach 162.000 Euro 2024. Sieben Prozent der Apotheken hÀtten im vergangenen Jahr Verluste geschrieben, erlÀuterte der Verband. Die Zahl der BeschÀftigten sank von 162.186 auf nun 159.484.

Die Branche kritisiert zugleich geplante Ausgabenbremsen, die mit dem Spargesetz der schwarz-roten Koalition zur finanziellen Stabilisierung der Kassen auf Apotheken zukommen sollen - durch höhere Preis-AbschlĂ€ge. Die Apotheken erwarten außerdem einen "stark erhöhten ErklĂ€rungsaufwand" bei den Patienten, wenn die Zuzahlungen pro Arzneipackung angehoben werden sollen: von mindestens 5 Euro und höchstens 10 Euro auf 7,50 Euro bis 15 Euro.

Protest gegen SparplÀne der Politik

Front gegen die SparplĂ€ne mit Einschnitten fĂŒr das ganze Gesundheitswesen, Versicherte und Arbeitgeber macht auch die Pharmaindustrie. Der Verband forschender Pharma-Unternehmen kritisierte, sie unterliefen das Ziel der Regierung, Pharma als SchlĂŒsselbranche zu stĂ€rken. KĂŒnftig wĂŒrden dann Investitionen und Jobs im Ausland aufgebaut.

Der Kassen-Spitzenverband betonte dagegen, die Pharmaindustrie verdiene glĂ€nzend an hohen Medikamentenausgaben, die von den Beitragszahlerinnen und Beitragszahlern finanziert werden. Die Bundesregierung habe Sparvorgaben fĂŒr Pharmakonzerne beim Herstellerrabatt weniger verschĂ€rft als von einer fĂŒr die Reform eingesetzten Expertenkommission zuvor empfohlen.

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