Fusion soll Biohandel stÀrken und 'Höfesterben' bremsen
16.09.2025 - 15:59:56 | dpa.deDas spanische Start-up CrowdFarming ĂŒbernimmt die französische Firma La Ruche Qui Dit Oui!, die in Deutschland unter dem Namen MarktschwĂ€rmer bekannt ist. Das teilten beide Unternehmen in Madrid mit. Gemeinsam biete man ĂŒber 10.000 Landwirten Zugang zu rund 1,5 Millionen Bestandskunden.
Zwei Drittel der mehr als 625.000 bei CrowdFarming registrierten Kunden sitzen nach Firmenangaben in Deutschland, etwa zehn Prozent in Ăsterreich und der Schweiz. Auch La Ruche Qui Dit Oui! hat via MarktschwĂ€rmer eine starke PrĂ€senz im deutschsprachigen Raum. Durch die Fusion sollen diese Kunden Zugang zu einer gröĂeren Vielfalt an lokalen Produkten erhalten, mit mehr Transparenz bezĂŒglich RĂŒckverfolgbarkeit, Frische und fairem Handel.
Der Zusammenschluss soll in erster Linie den Biohandel stĂ€rken, aber auch dem anhaltenden "Höfesterben" entgegenwirken. Die Zahl der Agrarbetriebe, vor allem der kleineren Familienbetriebe geht in ganz Deutschland, aber auch anderen LĂ€ndern Europas seit Jahrzehnten drastisch zurĂŒck, weil sie der Konkurrenz der groĂen SupermĂ€rkte nicht gewachsen sind.
Höhere Margen fĂŒr Bio-Bauern dank Direktverkauf
CrowdFarming-Chef Gonzalo Ărculo, selbst Hofbesitzer in Valencia im Osten Spaniens, trĂ€umt groĂ. Er ist davon ĂŒberzeugt, dass man bei der angestrebten Umgestaltung der Lebensmittelversorgungskette in den nĂ€chsten Jahren einige Erfolge erzielen werde. "Wir Landwirte brauchen dazu aber einen starken Direktvertriebskanal, um eine echte Alternative zum Supermarktverkauf zu haben."
"Der Direktverkauf ermöglicht es den Landwirtinnen und Landwirten, höhere Margen zu erzielen", sagte CrowdFarming-MitgrĂŒnderin Juliette Simonin. Man fördere ebenfalls die regenerative Landwirtschaft. "Sie hilft dabei, diesen Mehrerlös direkt in die Felder zu reinvestieren, sodass die Böden mittelfristig widerstandsfĂ€higer werden und weniger externe Betriebsmittel benötigen."
Am Hauptsitz von CrowdFarming in Madrid rĂ€umt man ein, dass der Direktverkauf gerade von in Europa angebauten Bio-Produkten noch eine Nische sei. Der Sektor wachse aber stark aber. Das spĂŒre man besonders bei den deutschen Kunden. Dieses Jahr werde man einen Umsatz von mehr als 100 Millionen Euro erzielen.
Landwirtin Linda Becker von der Molkerei Bauer Freigeist in Gardelegen (Sachsen-Anhalt) weiĂ die Zusammenarbeit zu schĂ€tzen. Die DirektverkĂ€ufe wĂŒrden eine vertrauensvolle Situation gegenĂŒber denjenigen bringen, die ihren KĂ€se gerne mögen. Und natĂŒrlich sei es auch so, "dass wir eine planbare GröĂe haben und in dem, was wir gerne machen wollen, uns weiterentwickeln können".
Degradierte Böden in der EU ein Problem
Nach einem Bericht der EuropĂ€ischen Kommission von 2024 sind mindestens 63 Prozent der Böden in der EU beeintrĂ€chtigt. Hauptursachen sind der ĂŒbermĂ€Ăige Einsatz von Chemikalien, starke Bodenbearbeitung und die fĂŒr die intensive Landwirtschaft typischen Monokulturen.
Philippe Crozet, Chef von MarktschwĂ€rmer, sprach von einem bedeutenden Schritt. Gemeinsam mit CrowdFarming werde man mehr Menschen erreichen und mehr Landwirtinnen und Landwirte unterstĂŒtzen - "fĂŒr eine ethischere und gleichzeitig erschwingliche ErnĂ€hrung fĂŒr die ganze Gesellschaft".
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