ROUNDUP, Döllner-Auftritt

Döllner-Auftritt mit Trump: Kritik und Rücktrittsforderung

Veröffentlicht am: 26.10.2026 um 17:54 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
WOLFSBURG/BERLIN/INGOLSTADT - Nach dem gemeinsamen Auftritt mit US-Präsident Trump, bei dem Audi-Chef Gernot Döllner den Bau eines US-Werks angekündigt hat, prasselt Kritik von Arbeitnehmerseite und Politik auf den Manager ein.

(neu: Stellungnahme Döllner)

WOLFSBURG/BERLIN/INGOLSTADT (dpa-AFX) - Nach dem gemeinsamen Auftritt mit US-Präsident Trump, bei dem Audi-Chef Gernot Döllner den Bau eines US-Werks angekündigt hat, prasselt Kritik von Arbeitnehmerseite und Politik auf den Manager ein. Die Worte sind deutlich, Linken-Chef Luigi Pantisano fordert sogar seinen Rücktritt. Döllner dagegen rechtfertigt sich, er habe im Interesse des Unternehmens gehandelt.

Trump hatte am Samstag überraschend den Bau eines Audi-Werks in Perry im US-Bundesstaat Georgia angekündigt. Döllner trat anschließend auf die Bühne und dankte dem US-Präsidenten für dessen Unterstützung. Der Chef der VW DE0007664039-Tochter ist auch Mitglied im Wolfsburger Konzernvorstand.

Vor Scham im Boden versinken

"Etliche Minuten voller Rassismus, Sexismus, Fremdenhass, Transphobie, Verächtlichmachung der Demokratie - und dann tritt einer unserer obersten Konzern-Repräsentanten auf die Bühne und betreibt aktive Wahlkampfhilfe", sagte VW-Konzernbetriebsratschefin Daniela Cavallo in einem internen Interview, das der Deutschen Presse-Agentur vorliegt. Wer die Rede von Trump gehört habe und dann habe wahrnehmen müssen, dass Döllner zum aktiven Teil dieser Veranstaltung geworden sei, müsse vor "Scham im Boden versinken".

Cavallo sparte nicht mit Kritik am gesamten VW-Konzernvorstand um Chef Oliver Blume. Von Trump, "einer höchst zweifelhaften politischen Figur, die gegen so ziemlich jeden unserer Unternehmenswerte verstößt", habe sich der Vorstand "zur Marionette in dessen Propaganda-Show machen lassen".

Audi-Gesamtsbetriebsratschef Jörg Schlagbauer sagt: "Der Auftritt in Georgia hat viele Beschäftigte irritiert, verunsichert und enttäuscht. Die damit verbundene öffentliche Wahrnehmung passt für viele nicht zu den Werten, für die Audi steht."

Pantisano: Döllner muss seinen Hut nehmen

Linken-Chef Pantisano geht einen Schritt weiter: "Ich finde, es ist eindeutig: Audi-Vorstandschef Gernot Döllner muss seinen Hut nehmen", sagt er dem Nachrichtenportal "t-online". "Gerade bei VW, wo das Land Niedersachsen mit in Verantwortung ist, muss das Konsequenzen haben."

Auch aus der IG Metall kommt Kritik: "Die Art und Weise, wie Gernot Döllner sich und Audi in den USA präsentiert hat, ist höchst peinlich, politisch inakzeptabel und dem Unternehmen, vor allem aber den Audianerinnen und Audianern, nicht würdig."

Einschnitte in Deutschland - Milliarden für US-Werk

Der bayerische IG-Metall Bezirksleiter Horst Ott greift zu schärferen Worten: "Der Audi-Chef wirft sich schamlos dem US-Präsidenten an den Hals und lässt sich lächelnd für dessen reaktionären Wahlkampf instrumentalisieren", sagt er. Von den Beschäftigten in Deutschland verlange das Unternehmen immer mehr Einschnitte. "Gleichzeitig sind jetzt mehrere Milliarden Euro da, um in den USA ein neues Werk zu bauen."

Benner kritisierte zudem, Döllner verletze eklatant die eigenen Unternehmensregeln, die ausdrücklich politische Neutralität im Vorfeld von Wahlen verordnen. Die US-Zwischenwahlen finden bereits am 3. November statt. Auch Pantisano und Cavallo kritisieren dies. Letztere sagt: hier liege "sicherlich ein klarer Verstoß" vor.

Der niedersächsische Ministerpräsident Olaf Lies, der Mitglied im VW-Aufsichtsrat ist, äußerte sich ebenfalls kritisch: "Eine Wahlkampfveranstaltung kann nicht der richtige Ort sein, eine solche Investition zu verkünden", erklärte er. "Dieser Auftritt hat Befremden ausgelöst." Hier sei ein Unternehmensverantwortlicher zum Teil einer politischen Inszenierung geworden.

Auch aus der CDU kommt Kritik. Der Chef des Arbeitnehmerflügels, Dennis Radtke, sagte dem "Handelsblatt", es sei normal und verständlich, wenn deutsche Unternehmen in den USA investierten, "daraus allerdings eine Wahlkampfinszenierung für Donald Trump zu machen, ist verstörend und erbärmlich". Trump schade mit seiner Politik massiv der deutschen Industrie.

Radtke forderte den Volkswagen DE0007664039-Konzern auf, Konsequenzen aus dem Auftritt zu ziehen. "Wenn die Ethik- und Compliance-Regeln für Vorstand und Aufsichtsrat von Volkswagen mehr darstellen sollten als eine Mischung aus Management-Kalenderblattsprüchen und Wandtattoos, dann müssen sie sich jetzt klar dazu positionieren."

Döllner: Im Interesse des Unternehmens gehandelt

Döllner geht in einem Schreiben an die Mitarbeiter, das in ähnlicher Form auch auf der Audi-Homepage zu sehen ist, auf die Kritik ein. Man sei im Rahmen vertraulicher Gespräche gebeten worden, "unsere Pläne gemeinsam mit dem Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika öffentlich vorzustellen", schreibt er. "Die Entscheidung, dieser Einladung zu folgen, haben wir ausschließlich im Interesse des Unternehmens getroffen."

Allerdings gesteht Döllner auch ein, "dass der Rahmen der Ankündigung als politisches Signal wahrgenommen wurde." Man stehe zu den Werte des Unternehmens, trage aber ebenso Verantwortung für die wirtschaftliche Zukunft von Audi.

Döllner verteidigte auch die Entscheidung für den Bau eines Werks. "Eine lokale Produktion in den USA ist für Audi von großer strategischer und wirtschaftlicher Bedeutung." Die USA seien der zweitgrößte Premiummarkt der Welt, das Geschäft von Audi dort aber "heute nicht profitabel". Viele Konkurrenten hatten bereits seit Jahren eine lokale Produktion. Eine eigene Fertigung ermögliche es Audi, wettbewerbsfähiger zu werden, Handels- und Währungsrisiken zu reduzieren und unser Wachstumspotenzial besser zu nutzen.

Audi betonte zudem: "Ein solches Investment ist auf Jahrzehnte und damit weit über einzelne Wahlperioden hinaus angelegt. In dieser besonderen Situation galt es, das Unternehmensinteresse und ein konkretes Zeitfenster für das Vorhaben angemessen zu berücksichtigen." Die sei nicht Ausdruck einer parteipolitischen Positionierung gewesen.

Audi will in den USA produzieren

Die Ingolstädter wollen in Georgia jährlich 200.000 Sportgeländewagen (SUV) produzieren. Geplant sind Investitionen in Höhe von vier Milliarden Dollar (rund 3,6 Milliarden Euro), 4.500 Arbeitsplätze sollen entstehen. Audi nennt 2027 als Baubeginn, der Produktionsstart soll Anfang der 2030er Jahre erfolgen. Es wäre das erste Werk der VW-Premiumtochter in den Vereinigten Staaten. Audis Absatz ist derzeit im Sinkflug. Auch in den USA ging er zuletzt deutlich nach unten. Dass die Ingolstädter dort - anders als beispielsweise Konkurrent BMW DE0005190003 - kein eigenes Werk haben, gilt als einer der Gründe.

Die Pläne für ein Audi-Werk in den USA bewertet die VW-Konzernbetriebsratschefin Cavallo nüchterner als den Auftritt Döllners. Rein betriebswirtschaftlich könne das Sinn ergeben, sagt sie. Der US-Markt zähle zu den größten und lukrativsten der Welt, der Marktanteil von VW sei dort aber immer noch viel zu klein. Zugleich seien die Zölle wegen Trump hoch und kosteten den Konzern Milliarden. Es spreche vieles für eine verstärkte Fertigung in den Vereinigten Staaten.

Nach Audis Ankündigung seien aber noch viele Fragen offen, sagt Cavallo - etwa, ob es im Gegenzug Zollerleichterungen für den gesamten VW-Konzern gebe. Ebenso unklar sei, wie belastbar solche Zusagen über einen möglichen Regierungswechsel hinaus wären. Zudem komme es darauf an, welche Auswirkungen es auf die anderen Werke, etwa in Deutschland gebe. "Ohne ein Gesamtbild zur Planungsrunde mit dem Gesamtblick auf alle Standorte geben wir kein grünes Licht."

"Strategisch richtig"

Ministerpräsident Lies, der auch im Aufsichtsrat von VW sitzt betont: "Über eine Investition dieser Größenordnung entscheiden die zuständigen Gremien des Konzerns, und diese Entscheidung ist noch nicht gefallen." Er sagt aber auch: "Es ist strategisch richtig, dass Audi den US-Markt besser erschließen will, solange Arbeit und Wertschöpfung hier gesichert und nicht verdrängt werden."

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